Blumen vor dem polnischen Präsidentenpalast | Bildquelle: REUTERS

Präsidentenmaschine verunglückt in Russland Polens Präsident stirbt bei Flugzeugabsturz

Stand: 10.04.2010 18:20 Uhr

Der polnische Präsident Lech Kaczynski ist beim Absturz seines Dienstflugzeuges in der westrussischen Stadt Smolensk ums Leben gekommen. Mit ihm starben nach russischen Angaben 96 weitere Insassen der Maschine; zuvor war von bis zu 132 Todesopfern die Rede gewesen. Es habe keine Überlebenden gegeben, sagte der Gouverneur des Gebietes Smolensk, Sergej Anufrijew, im russischen Staatsfernsehen.

Kurz vor der Landebahn in Smolensk zerschellte die polnische Präsidentenmaschine. | Bildquelle: AP
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Kurz vor der Landebahn in Smolensk zerschellte die polnische Präsidentenmaschine.

Das Flugzeug vom Typ Tupolew 154 stürzte unmittelbar vor dem Flughafen in einen Wald und fing Feuer. Zum Zeitpunkt des Absturzes um 10.50 Uhr Ortszeit (8.50 Uhr MESZ) herrschte dichter Nebel. Die aus Warschau kommende Maschine war im Landeanflug gewesen, als sie auf Baumwipfel prallte, abstürzte und sofort Feuer fing.

Laut Anufrijew könnte ein Pilotenfehler Ursache des Unglücks gewesen sein. Der Pilot habe Empfehlungen der Fluglotsen ignoriert. Wegen des dichten Nebels sei er angewiesen worden, nicht in Smolensk sondern in Moskau oder Minsk zu landen. Er habe sich trotzdem für eine Landung entschieden. Nach mehreren vergeblichen Landeversuchen habe die Maschine dann mit den Tragflächen die Baumspitzen berührt.

Hochrangige Delegation an Bord

An der Unglücksstelle südlich der westrussischen Stadt Smolensk lagen zahlreiche Wrackteile des in den polnischen Nationalfarben Rot und Weiß gestrichenen Flugzeugs verstreut. Feuerwehrleute versuchten, das brennende Wrack zu löschen. Die russische Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass als Unglücksursache das neblige Wetter, ein technischer Defekt oder menschliches Versagen infrage kämen. Russlands Präsident Dimitri Medwedjew setzte eine Untersuchungskommission unter Leitung von Regierungschef Wladimir Putin ein.

Lech Kaczynski und seine Frau Maria Kaczynski. | Bildquelle: dpa
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Lech Kaczynski und seine Frau Maria starben bei dem Flugzeugabsturz

Kaczynski war mit einer Delegation auf dem Weg zu einer Gedenkfeier für die Ermordung polnischer Soldaten durch den sowjetischen Geheimdienst vor 70 Jahren im russischen Katyn. Der Ort liegt unweit von Smolensk. Unter den Opfern sind auch die Gattin des Präsidenten, Maria, der Zentralbankpräsident Slawomir Skrzypek sowie der Generalstabschef Franciszek Gagor und der stellvertretende Außenminister Andrzej Kremer. Auch ein Bischof und Angehörige der Opfer von Katyn waren in der Maschine, zudem zahlreiche Parlamentsabgeordenete und weitere hochrangige Militärs.

Tiefe Trauer in Polen

Nach dem tragischen Tod Kaczynskis herrschte tiefe Betroffenheit in Warschau. Regierungschef Donald Tusk brach in Tränen aus, als er von der Nachricht hörte. Er rief das Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen und kündigte seinen unverzüglichen Besuch an der Unglücksstelle an. "Die polnischen Ermittler sind bereits vor Ort", sagte der Regierungschef. Für Sonntagmittag ordnete der Regierungschef zwei Schweigeminuten in Polen an und verkündete eine einwöchige Staatstrauer. Erst am Mittwoch hatte Tusk auf Einladung seines russischen Kollegen Putin erstmals an einer offiziellen Gedenkfeier in Katyn teilgenommen.

Polens Ex-Präsident Lech Walesa erklärte, die "Elite der Nation" sei gestorben. An vielen Orten wurden Gottesdienste und Trauerfeiern veranstaltet. In Warschau legten Bürger Blumen vor dem Präsidentenpalast nieder und zündeten Kerzen an. Auf dem Präsidentenpalast wehte die Fahne auf halbmast.

Trauermusik im russischen Staatsfernsehen

Russlands Premier Putin und Präsident Medwedjew zündeten in einer Kapelle Kerzen für die Absturzopfer an. | Bildquelle: dpa
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Russlands Premier Putin und Präsident Medwedjew zündeten in einer Kapelle Kerzen für die Absturzopfer an.

Kremlchef Medwedjew sprach in einer TV-Ansprache mit ruhiger Stimme und in tiefer Trauer von einer "Tragödie". Er verspreche die sorgfältige Aufklärung der Tragödie in Zusammenarbeit mit den Behörden in Warschau, sagte der sichtlich betroffene Präsident in der Rede im russischen Staatsfernsehen. "Im Namen des russischen Volkes übermittle ich dem polnischen Volk tiefes und aufrichtiges Beileid und sage den Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer Unterstützung zu", sagte Medwedjew in der eindringlichen Rede. Alle Bürger Russlands seien erschüttert über die furchtbare Tragödie. Auch Russland werde an diesem Montag einen Staatstrauertag abhalten, sagte der Präsident. Das russische Staatsfernsehen spielte Trauermusik, während die Namen der getöteten Passagiere über den Bildschirm liefen.

Beileidsbekundungen aus aller Welt

Die Nachricht vom Tod Kaczynskis löste international Betroffenheit aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle kondolierten dem polnischen Volk. Merkel schrieb an Ministerpräsident Tusk: "Ganz Deutschland steht in dieser schweren Stunde in Mitgefühl und Solidarität an Ihrer und der Seite Polens." Westerwelle erklärte, das ganze deutsche Volk trauere mit den polnischen Nachbarn. Auch Bundespräsident Horst Köhler sprach seine "tief empfundene Anteilnahme" aus. Kaczynski habe sein Leben lang für ein freies Polen gekämpft.

Beileidsbekundungen kamen unter anderem auch von Papst Benedikt XVI., EU-Kommissionschef José Manuel Barroso, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Präsident Barack Obama, dem britischen Premierminister Gordon Brown, dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

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