Jaroslaw Kaczynski | Bildquelle: REUTERS

Kaczynski nach Äußerungen in der Kritik "Eine faschistische Sprache"

Stand: 15.10.2015 21:58 Uhr

Der polnische Ex-Premierminister Kaczynski hat mit einer Äußerung über Flüchtlinge Entsetzen im Land ausgelöst. Diese würden Cholera, Ruhr und Parasiten einschleppen. Nicht nur die Opposition ist fassungslos.

Von Henryk Jarczyk, ARD-Hörfunkstudio Warschau

Die Idee war denkbar einfach. Nach dem Motto "nicht die Partei 'Recht und Gerechtigkeit' ist das Wählerproblem, sondern ihr Vorsitzender", versteckte die PiS Jaroslaw Kaczynski so gut es ging. Und lange Zeit ging es ganz gut. Dank dieser Taktik gelang es den Erzkonservativen immerhin den Präsidentenposten zu erobern. Eine Wiederholung soll es nun am 25. Oktober auch auf Regierungsebene geben.

Das Problem ist nur: Der große Vorsitzende lässt sich nicht mehr verstecken. Was den Parteiexperten Jakub Dymek allerdings kaum überrascht: "Das lange Schweigen von Jaroslaw Kaczynski war nur eine Frage der Zeit. Das konnte nicht ewig dauern. Wir wissen doch, dass die PiS nur einen Führer hat. Es wäre wirklich seltsam, wenn er das Wort nicht ergreifen würde."

"Cholera, Bakterienruhr und verschiedenartige Parasiten"

Der Grund ist nachvollziehbar. Denn je seltener Jaroslaw Kaczynski von sich hören lässt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass er eventuell ganz in Vergessenheit geraten könnte. Und am Ende Spitzenkandidatin Beata Szydlo den Wahlsieg von PiS für sich alleine reklamieren dürfte. Genau das versucht Kaczynski nun offenbar zu verhindern.

Seine Methode lautet: Je drastischer die Parolen, umso größer die Schlagzeilen. Und was eignet sich da besser, als das ohnehin schon besonders emotional diskutierte Thema: die Aufnahme von Flüchtlingen. "Es gibt bereits erste Anzeichen für das Aufkommen von sehr gefährlichen und seit langer Zeit nicht vorkommenden Krankheiten in Europa", orakelt der erzkonservative Politiker. "Cholera auf den griechischen Inseln, Bakterienruhr in Wien. Verschiedenartige Parasiten, die in den Organismen dieser Menschen nicht gefährlich sind, die uns aber schaden können."

"Das ist Nazi-Sprache"

Sätze, die nicht nur in Regierungskreisen für Fassungslosigkeit sorgen. Vom Duktus und Inhalt, meint etwa der linksliberale Oppositionspolitiker Janusz Palikot, würden sie stark an Parolen der Nationalsozialisten erinnern: "Das ist eine Sprache, derer sich weder Rudolf Heß noch Adolf Hitler schämen würden. Das ist eine rassistische, eine faschistische Sprache. Die Staatsanwaltschaft sollte hier von Amts wegen ermitteln."

Kaczynski sei wieder voll dabei, heißt es nun in erzkonservativen Kreisen, was etliche ganz und gar nicht gut fänden. Innerhalb der PiS, behauptet Michal Suldrzynski, Redakteur der konservativen Tageszeitung "Rzeczpospolita", herrsche zum Teil gar blankes Entsetzen: "Ich habe mit einigen Politikern von PiS gesprochen, sie alle waren erschrocken über diese Aussage. Mittlerweile denken sie nicht alleine darüber nach, ob Kaczynskis Auftritt ihnen schaden wird, sondern wie sehr er ihnen schaden dürfte."

Noch liegt die erzkonservative PiS in Umfragen weit vor der regierenden Bürgerplattform. Sollte Kaczynski aber den Wahlkampf weiter auf diese Weise aufmischen, dann könnte der Vorsprung deutlich kleiner ausfallen. Möglich ist alles. Denn ganz verstecken lässt sich der unberechenbare Parteivorsitzende offenbar doch nicht.

Wie Kaczynski mit seinen Sprüchen den Wahlkampf aufmischt
H. Jarczyk, ARD Warschau
15.10.2015 21:32 Uhr

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