Gästehaus in Kabul | Bildquelle: dpa

Tote Deutsche in Kabul Vorwürfe gegen Hilfsorganisation

Stand: 21.05.2017 20:02 Uhr

Nach dem Tod einer deutschen Entwicklungshelferin in Kabul hat das afghanische Innenministerium Vorwürfe gegenüber der schwedischen Organisation geäußert, für die sie gearbeitet hatte. Die Hintergründe der Tat sind noch unbekannt.

Von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Der Angriff auf das Gästehaus, in dem die deutsche Entwicklungshelferin wohnte, erfolgte kurz vor Mitternacht. Nach Angaben der afghanischen Behörden töteten mehrere bewaffnete Männer zunächst einen Wachmann, dann drangen sie in das Gästehaus ein. Dort erschossen sie die deutsche Staatsbürgerin. Offenbar gelang es ihnen zudem, eine Frau aus Finnland zu entführen.

Die Frauen arbeiteten für die schwedische Hilfsorganisation "Operation Mercy", die in ganz Afghanistan Projekte unter anderem für Kinder und Frauen betreibt. Über die Hintergründe der Tat gibt es noch keine gesicherten Angaben. Ein Bekennerschreiben, etwa der Taliban oder der Terrormiliz IS, liegt bisher nicht vor.

Der Mord - eine rein kriminelle Tat?

Denkbar ist auch, dass es sich um eine rein kriminelle Tat handelt. Dafür spricht, dass sich die Angreifer womöglich ohne großes Aufsehen Zugang zum Gästehaus verschaffen wollten und nicht - wie bei anderen Attacken - den Kampf mit Sicherheitskräften suchten.

Vor allem reichere Afghanen, gezielt aber auch Ausländer, werden immer wieder Opfer von Entführungen. In Afghanistan existiert inzwischen eine regelrechte Entführungsindustrie. Beispielsweise sind seit August zwei Professoren, die an der Amerikanischen Universität in Kabul lehrten, in der Hand von Entführern. Vermutlich wurden sie an eine Taliban-Gruppe weiter verkauft. Auch die Extremisten haben Interesse, Lösegelder zu erpressen, um ihren Kampf in Afghanistan zu finanzieren.

Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi, zum Angriff in Kabul
tagesschau 13:15 Uhr, 21.05.2017

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Vorwürfe gegen schwedische Organisation

Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums erhebt Vorwürfe gegen die schwedische Organisation, deren Gästehaus jetzt angegriffen wurde: "Wir haben ihnen Polizeischutz angeboten, aber sie haben abgelehnt, weil sie keine bewaffneten Sicherheitskräfte um sich herum haben wollten. Sie gaben an, dass sie ja Hilfe leisteten und deshalb keine Waffen zum Schutz bräuchten."

Die schwedische Hilfsorganisation hat zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels noch nicht zu den Vorwürfen Stellung bezogen.

 Deutsche vor zwei Jahren entführt

Deutsche waren zuletzt vor zwei Jahren von Entführungen betroffen. Damals traf es zwei Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Beide kamen wieder frei.

Eine Mitarbeiterin war am helllichten Tag mitten in Kabul in ein Auto gezerrt worden. Die Organisation, die im Auftrag der Bundesregierung in Afghanistan Projekte durchführt, hat ihre Sicherheitsmaßnahmen seitdem deutlich verschärft. Eine Folge ist, dass die Mitarbeiter viele Projekte nicht mehr begutachten können, weil die Sicherheitslage das nicht zulässt.

 Angespannte Situation in Afghanistan

In Afghanistan ist fast die Hälfte des Staatsgebiets entweder umkämpft oder in der Hand der Taliban. Allein an diesem Wochenende töteten Taliban-Kämpfer mindestens 20 Polizisten bei mehreren Überfällen auf Kontrollpunkte.

Die afghanische Armee meldete Kämpfe in der Provinz Baghlan in Nordafghanistan. Auch in vermeintlich sicheren Regionen kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Ende April wurden beim Angriff auf eine afghanische Armee-Kaserne in Masar-i-Sharif mindestens 140 Menschen getötet. In der Kaserne berät die Bundeswehr afghanische Soldaten. 

Pakistan: Vom Gotteslästerer zum Märtyrer
J. Webermann, ARD Neu-Delhi
12.05.2017 21:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

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