Polizisten sichern den Anschlagsort | Bildquelle: AFP

Attacke in afghanischer Hauptstadt Tote nach Selbstmordanschlag vor Polizeistation

Stand: 01.02.2016 16:33 Uhr

Ein Selbstmordattentäter hat in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Der Täter zündete den Sprengsatz vor einer Polizeistation. Derzeit ist Innenminister de Maizière in der Stadt. Er will erreichen, dass afghanische Flüchtlinge zurückkehren.

Bei einem Anschlag auf einen Polizeistützpunkt in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es mindestens zehn Todesopfer gegeben. Nach Polizeiangaben sprengte sich ein Selbstmordattentäter inmitten mehrerer Menschen in die Luft, die vor dem Gebäude warteten. Mindestens 20 Personen seien verletzt worden. In dem Viertel im Westen der Stadt liegen unter anderem auch das Parlament, das Hauptquartier der Grenzpolizei und der Zoo. Zu der Attacke bekannten sich Taliban-Kämpfer.

De Maizière berät über Abschiebungen

Derzeit befindet sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Kabul. Zum Zeitpunkt des Anschlags war er bei einem Mittagessen in der Deutschen Botschaft, die mehrere Kilometer entfernt liegt.

Ziel seiner Reise war es, mit afghanischen Regierungsvertretern über Möglichkeiten zu reden, wie die hohe Zahl afghanischer Flüchtlinge verringert werden kann, die nach Deutschland kommen. Afghanen ohne Schutzperspektive in Deutschland sollen nach dem Willen de Maizières möglichst freiwillig in ihre Heimat zurückkehren.

Innenminister de Maizière bei seiner Landung in Kabul | Bildquelle: dpa
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Der Innenminister traf am Morgen in Kabul ein.

Startgeld für Rückkehrer?

Afghanistan sei ein großes Land. "Dort gibt es unsichere und sichere Gebiete", sagte de Maizière nach einem Treffen mit seinem afghanischen Amtskollegen Nurulhak Ulumi. Eventuell könnten zurückkehrende Flüchtlinge vor Ort auch ein Startguthaben bekommen, um sich wieder ein Leben aufzubauen. Am Morgen hatte er gesagt, es könne nicht sein, dass die afghanische Bevölkerung und gerade junge Leute ihr Land verließen, um in Deutschland eine wirtschaftlich bessere Zukunft zu suchen.

Zu dem Anschlag sagte der Minister, natürlich sei die Sicherheitslage in Afghanistan kompliziert. Sie sei aber regional sehr unterschiedlich. Ulumi habe ihm berichtet, dass viele Angriffe verhindert würden. "Wir haben auch Anschläge anderswo in der Welt", betonte de Maizière. "Der internationale Terrorismus bedroht nicht nur Afghanistan, sondern uns alle." Man dürfe seine Politik nicht danach ausrichten.

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Mehr Flüchtlinge aus Afghanistan

Die Zahl der Afghanen, die nach Deutschland fliehen, ist enorm gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden in Deutschland mehr als 150.000 Afghanen als Asylbewerber registriert. Sie waren damit die zweitgrößte Gruppe nach den Syrern. Im Jahr 2014 hatten noch etwa 9700 Menschen aus Afghanistan in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Auch bei einem negativen Asylbescheid bleiben viele Afghanen in Deutschland - zum einen, weil sie aus einem unsicheren Landesteil stammen. Zum anderen weigert sich die afghanische Regierung, sie wieder aufzunehmen - etwa, weil dafür notwendige Papiere fehlen.

Thomas de Maizière in Afghanistan
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
01.02.2016 14:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 1. Februar 2016 um 16:00 Uhr.

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