Menschen bringen einen Verwundeten nach den Explosionen bei einer Beerdigung ins Krankenhaus. | Bildquelle: AFP

Erneut Anschlag in Kabul Bomben auf der Beerdigung

Stand: 03.06.2017 18:28 Uhr

Wieder hat eine Anschlag die afghanische Hauptstadt Kabul erschüttert. Bei den Explosionen wurden mindestens zehn Menschen getötet. Das Ziel war ausgerechnet die Beerdigung eines Demonstranten, der zusammen mit anderen mehr Sicherheit gefordert hatte.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Südasien

Die Trauergäste rufen wild durcheinander: "Wir standen alle geschlossen zusammen, um zu beten", sagt Rahmatullah Begana. "Als der Mullah sagte 'Allahu Akbar', um mit dem Gebet zu starten, haben wir eine Explosion gehört. Alle sind dann plötzlich durcheinander gelaufen, dann gab es noch eine Explosion. Ich habe viele Leute gesehen, die auf dem Boden lagen. Und überall Blut."

Unklar, wer hinter der Tat steckt

Auch zahlreiche Politiker waren bei der Beerdigung. Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah sei unversehrt, teilte sein Büro mit. Und der Außenminister schrieb auf seiner Facebook-Seite, dass auch er unverletzt sei. Zu den Tätern gab es noch keine Hinweise. Die radikalislamischen Taliban teilte kurz nach dem Anschlag mit, dass sie es nicht gewesen seien.

Kabul | Bildquelle: REUTERS
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Afghanische Sicherheitskräfte versuchen der Lage nach dem Anschlag Herr zu werden.

Beerdigt wurde der Sohn eines hochrangigen Politikers. Er war gestern auf einer Demonstration in Kabul getötet worden. Mit ihm starben dort weitere sechs Menschen, als die Proteste gewalttätig wurden.

Über 1000 Menschen waren am Freitag in der Hauptstadt auf die Straße gegangen und hatten für mehr Sicherheit in ihrem Land demonstriert. Die Regierung müsse mehr tun, fasst Mansor Bahram die Forderung der Demonstranten zusammen: "Wir wollen, dass die internationale Gemeinschaft mehr Druck auf unsere Regierung ausübt. Die Vereinten Nationen oder die Europäische Union oder wer auch immer sollen unserer Regierung klar machen, dass sie uns schützen muss. Das ist alles, was wir hier fordern, das ist doch nicht zu viel verlangt.

Der Demonstrant Mohammad Hashim war sich gestern noch sicher, dass die Proteste lange anhalten würden, und zwar: "Bis die Regierung endlich unsere Forderungen erfüllt, so lange werden wir hier auf die Straße gehen. Egal ob einen Tag, eine Woche oder einen ganzen Monat."

Sicherheitslage extrem angespannt

Doch dazu kam es nicht. Die Regierung hatte nach der Demonstration die Hauptstadt abgeriegelt. Noch mehr Checkpoints. Noch mehr bewaffnete Sicherheitskräfte. Der stellvertretende Innenminister warnte die Kabuler davor, auf der Straße zu protestieren, da es viel zu gefährlich sei und die Sicherheitskräfte schon genug zu tun hätten.

Viele Demonstranten forderten den Rücktritt der afghanischen Regierung. Anlass war die gewaltige Explosion am Mittwoch im Diplomatenviertel, bei der etwa 90 Menschen gestorben waren. Die GIZ, die staatliche deutsche Organisation für Entwicklungshilfe, flog daraufhin fast ihr ganzes Personal aus Afghanistan aus.

Explosion bei Beerdigung in Kabul
S. Diettrich, ARD Neu-Delhi
03.06.2017 18:12 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 03. Juni 2017 die tagesschau um 16:00 Uhr und NDR Info um 17:50 Uhr.

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