Rauch steigt auf über dem teilweise brennenden Hotel Intercontinental in Kabul | Bildquelle: REUTERS

Attacke auf Interconti in Kabul Kein Ende der Schüsse im Hotel

Stand: 20.01.2018 22:19 Uhr

Mehrere Bewaffnete haben in Kabul das Luxushotel Intercontinental überfallen und teilweise angezündet. Auch Stunden später sind noch Schüsse zu hören. Zu Tätern und Opfern fehlen verlässliche Angaben.

Bei dem Sturm von mindestens vier bewaffneten Männern auf das Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es offensichtlich mehrere Tote gegeben. Da am Morgen weiter Schüsse zu hören waren, dauert der Angriff offenkundig noch an. Sowohl zu den Tätern als auch zu Opfern des Angriffs liegen sehr unterschiedliche Angaben vor.

Ein Sprecher der Polizei von Kabul erklärte. dass mittlerweile drei der vier Täter von Spezialkräften getötet worden seien. Andere Behördenvertreter berichteten lediglich von zwei getöteten Tätern. In Berichten lokaler Medien wird davon ausgegangen, noch mehrere Täter am Leben seien und weiter gegen die Sicherheitskräfte kämpften.

Zahl der Opfer unklar

Zur Zahl möglicher Todesopfer liegen bislang keine verlässlichen Angaben vor. Laut einem Sprecher des Innenministeriums waren bis 1.30 Uhr Ortszeit fünf Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden. Ein anderer Sprecher des Ministeriums teilte mit, dass mehrere Menschen getötet und mindestens sechs verletzt worden seien. Der Sender "Tolo TV" zitierte einen Augenzeugen, der sagte, er habe auf der Flucht mindestens 15 Tote und Verletzte gesehen. In einem Tweet des Senders hieß es, unbestätigten Berichten zufolge könne die Zahl der Toten "ziemlich hoch sein".

Zum Zeitpunkt der Angriffs feierten im Hotel Gäste eine Hochzeit. Sie seien in Sicherheit, berichtete das Innenministerium. Außerdem hatte in dem Haus eine Konferenz afghanischer Computerexperten stattgefunden. Rund hundert Menschen hätten teilgenommen, darunter Regierungsbeamte, berichtete der Sender 1TV.

Wieviele Gäste noch im Hotel waren und ob die verbleibenden beiden Attentäter, wie von einigen afghanischen Medien berichtet, noch Geiseln in ihrer Gewalt hatten, wollten Einsatzkräfte und Behördensprecher nicht sagen. "Wir können aber bestätigen, dass die meisten Menschen, die im Hotel waren, gerettet worden sind", sagte ein Sprecher.

Feuer auf mehreren Stockwerken

Einsatzkräfte hätten die unteren Stockwerke gesichert und seien dabei, die oberen nach den verbleibenden Angreifern zu durchsuchen. Unklar blieb weiter, ob Ausländern unter den Gästen waren.

Vor der Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan war das Haus auch bei internationalen Gästen sehr beliebt. Ihre Zahl hat aber abgenommen, weil da Hotel nicht mehr zu den sichersten Adressen zählte. Ein Teil des Hotels brannte während des Angriffs, wie Polizei und Innenministerium bestätigten.

Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch hatte zunächst gesagt, die Angreifer hätten auf ihrem Weg in das Hotel durch die Küche dort Feuer gelegt. Sein Kollege Nasrat Rahimi sagte später, auch der dritte Stock habe in Flammen gestanden. Aus dem Gebäude waren auch mehr als drei Stunden nach Beginn des Angriffs gegen 21.00 Uhr Ortszeit noch Schüsse zu hören. Helikopter waren in der Luft.

Intercontinental-Hotel in Kabul | Bildquelle: REUTERS
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Das Luxushotel Intercontinental in Kabul wurde 2011 von Taliban angegriffen.

Erinnerungen an 2011

Die Szenerie weckte in Anwohnern Erinnerungen an einen ähnlichen Angriff im Jahr 2011, als neun Attentäter der radikalislamischen Taliban das Hotel, das schwer bewacht auf einem bewaldeten Hügel liegt, angegriffen hatten. Sie hatten ungesehen mehrere Sicherheitsposten überwunden, waren dann Hotelflure auf und ab gerannt und hatten in Zimmer geschossen. Etwa ein Dutzend Gäste, Hotelangestellte und Sicherheitskräfte wurden getötet. Die Angreifer konnten erst nach mehreren Stunden unschädlich gemacht werden.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der NATO-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz "Islamischer Staat" mit insgesamt mehr als 500 Toten. Bei dem ersten Anschlag im neuen Jahr auf einen Sicherheitsposten in einem Wohn- und Geschäftsviertel waren Anfang Januar mindestens 20 Menschen getötet und 30 verletzt worden. Die amerikanische Botschaft und das US-Außenministerium in Washington hatten zum Ende der Woche hin über Mails und in den sozialen Medien vor möglichen Angriffen in Kabul gewarnt - unter anderem auf Hotels.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Januar 2018 um 19:00 Uhr.

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