Afghanische Sicherheitsleute | Bildquelle: REUTERS

Terror in Afghanistan Tote bei Angriff auf Parlamentsgebäude

Stand: 10.01.2017 17:35 Uhr

Zuerst ein Selbstmordanschlag, dann die Explosion einer Autobombe: In Kabul sind mindestens 28 Menschen getötet worden, mehr als 80 wurden verletzt. Der Anschlag war offenbar direkt gegen das afghanische Parlament gerichtet.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südostasien

Über dem Parlamentsgebäude in der afghanischen Hauptstadt stand eine dichte schwarze Rauchwolke. Sicherheitskräfte hatten das Gebiet weiträumig abgesperrt. Selbst die Feuerwehr wurde lange Zeit nicht durchgelassen, weil nicht sicher war, ob möglicherweise mit weiteren Explosionen gerechnet werden musste.

Nach Angaben des afghanischen Fernsehens hatte sich zunächst ein Selbstmordattentäter dem Parlamentsgebäude genähert und dann in die Luft gesprengt. Kurz danach sei ein mit Sprengstoff beladener Geländewagen explodiert, der auf der anderen Straßenseite geparkt gewesen sein soll.

Männer tragen verletzten Polizisten | Bildquelle: REUTERS
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Bei dem Doppelanschlag in Kabul gab es mindestens 28 Tote. Mehr als 80 Personen wurden verletzt.

Zahlreiche Tote

Augenzeuge Shir Mohammed berichtete im Fernsehen von einer gewaltigen Explosion. Die Druckwelle habe zahlreiche Passanten umgerissen: "Ich war gerade in der Moschee zum Gebet, als ich diesen Riesen-Knall hörte. Meine Kinder und ich hatten furchtbare Angst. Sie waren gerade zum Koranstudium in der Moschee."

Es gibt offenbar zahlreiche Tote. Unterschiedlichen Angaben zufolge wurden zudem mehr als 80 Verletzte in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

Der Anschlag war offenbar direkt gegen das afghanische Parlament gerichtet. Zum Zeitpunkt der Explosionen befand sich ein Kleinbus mit Parlamentsmitarbeitern, die auf dem Nachhauseweg waren, vor dem Gebäude. Das afghanische Parlament liegt an der belebten vierspurigen Darulaman-Straße. Dort sind mehrere Ministerien und ausländische Botschaften und auch die große Amerikanische Universität hat dort ihren Sitz.

Feuerwehrmänner spülen Straße ab | Bildquelle: AP
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Feuerwehrleute säubern den Anschlagsort nahe des afghanischen Parlaments. Die radikalislamischen Taliban bekannten sich zu dem Doppelanschlag in Kabul.

Sicherheitslage in ganz Afghanistan prekär

Die Sicherheitslage ist in Kabul wie in ganz Afghanistan nach wie vor prekär. Immer wieder gibt es Anschläge und Angriffe bewaffneter Gruppen.

Erst im Juli vergangenen Jahres hatte die UN-Mission in Afghanistan in einem Bericht festgestellt, dass allein in der ersten Hälfte des Jahres 2016 mehr als 1600 Zivilisten getötet worden seien.

Heute früh gab es einen Selbstmordanschlag in Lashkargah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. Dabei wurden sieben Menschen getötet und mindestens neun weitere verletzt. Die Provinz Helmand im Süden Afghanistans gehört zu den am heftigsten umkämpften Regionen des Landes. Erst vergangene Woche hatten die USA weitere 300 Marinesoldaten dorthin verlegt, um die afghanischen Streitkräfte auszubilden und im Kampf gegen die Taliban zu unterstützen.

Doppelanschlag Kabul: Taliban übernehmen Verantwortung
B. Musch-Borowska, ARD Delhi
10.01.2017 16:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Januar 2017 um 16:00 Uhr.

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