Seitenueberschrift
Julian Castro beim Parteitag
Der Hoffnungsträger der US-Demokraten
Genau wie Obama schaffte er es aus einfachen Verhältnissen nach oben: Julian Castro gilt als Shootingstar der US-Demokraten. Politische Erfahrung konnte er als Bürgermeister von San Antonio sammeln, einer der härtesten Städte der USA. Nun soll er für Obama die Stimmen der Latinos sichern.
Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington, zzt. Charlotte
Julian Castro ist ein gutaussehender Mann. Tiefschwarze Haare, ein strahlendes Lächeln, der Anzug sitzt perfekt, seine mexikanischen Wurzeln sind nicht zu übersehen. Als erster Politiker mit lateinamerikanischen Wurzeln durfte er die Grundsatzrede auf dem Parteitag der Demokraten halten. Und ähnlich wie Präsident Obama, der bei seiner Großmutter aufgewachsen ist, erzählt auch der junge Castro eine Großmutter-Geschichte: "Meine Großmutter war eine Waise. Sie zog zu Verwandten nach San Antonio und musste schon nach der vierten Klasse anfangen zu arbeiten, um ihrer Familie zu helfen."
Aus einfachen Verhältnissen
Amerikanische Zeitungen fragen schon: Ist das der nächste Obama? Ähnlich wie der Präsident hat er es aus einfachen Familienverhältnissen nach oben geschafft. Präsident Obama durfte 2004 ebenfalls die Grundsatzrede auf dem Parteitag halten. Diese Rede gilt als sein Durchbruch in der Politik. Obama war damals fast genauso alt wie der 37-Jährige. Auch Castro ist ein guter Redner. Beim nationalen Parteitag der Demokraten in Charlotte, im Bundesstaat North Carolina, brachte er richtig Stimmung in die Mehrzweckhalle: "Mitt Romney sagt Nein, wenn es darum geht, dass man lieben und heiraten darf, wen man will. Mitt Romney sagt Nein, wenn es darum geht, Zugang zu guter Krankenversicherung zu bekommen."
Castro ist Bürgermeister in einer der schwierigsten Städte Amerikas. San Antonio befindet sich in der Grenzregion zu Mexiko. Südlich des Rio Grande liegen die gefährlichsten Städte Mexikos. Hier geht es um Drogenhandel, Mord und illegale Einwanderung. Dennoch hat Castro es geschafft, San Antonio zu einer der sichersten und aufstrebendsten Städte Amerikas zu machen. Im vergangenen Jahr wurde er mit 82 Prozent der Stimmen wiedergewählt.
Begeisterung auf dem Parteitag
Auf dem Parteitag wurde die Begeisterung der Anwesenden für den jungen Politiker deutlich. Auch Teddy, der extra aus Washington nach Charlotte kam, ist hin und weg: "Er ist Mitte Dreißig, ich bin 27. Er spricht für meine Generation. Außerdem ist er Latino, das macht die Demokraten vorbildlich. Ich finde das aufregend zu sehen."
Eigentlich hat Castro seine politische Karriere seiner Mutter zu verdanken. Sie war es, die den Grundstein für politisches Engagement in der Familie Castro gelegt hat. Sie war eine Bürgerrechtlerin, die mithalf, im tiefen Süden eine politische Partei zu gründen. Doch diese Geschichte erzählt er auf dem Parteitag nicht - das Menschliche sollte im Mittelpunkt stehen.
Castro kann bei Lateinamerikanern punkten
Lateinamerikaner gehören zu den am meisten umworbenen Wählergruppen im amerikanischen Wahlkampf. Sie liefern sieben Prozent der Wählerstimmen. Auch bei ihnen hat Präsident Obama an Sympathie verloren. Mit Castro möchte er sie wieder zurückgewinnen. Zudem hat er mit dem 37-Jährigen eine starke Stimme im konservativen Süden. Und das beste: den jungen Familienvater gibt es zweimal. Er hat einen Zwillingsbruder, der für Texas als Abgeordneter nach Washington gehen will.
Julian Castro soll Stimmen der Latinos sichern
S. Fritz, SWR Washington zzt. Charlotte
05.09.2012 20:37 Uhr
Stand: 05.09.2012 20:46 Uhr
