Die "Iuventa" der NGO "Jugend rettet" | Bildquelle: AP

"Jugend rettet" Rettungsschiff deutscher NGO beschlagnahmt

Stand: 02.08.2017 20:40 Uhr

Angesichts der vielen Flüchtlinge unternimmt die italienische Regierung harte Maßnahmen. Gestartet wurde ein Marineeinsatz vor Libyen. Auf Lampedusa wurde das Schiff "Iuventa" der deutschen NGO "Jugend rettet" beschlagnahmt.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Seit 1.10 Uhr in der Nacht auf Mittwoch liegt das Schiff "Iuventa" der deutschen NGO "Jugend rettet" im Hafen von Lampedusa. Zuerst sah alles nach einer Routinekontrolle aus, berichtet Titus Molkenbur von "Jugend rettet". Die NGO hatte zuvor zwei Syrer von einem Boot der italienischen Küstenwache übernommen.

Nachdem die beiden Syrer den Behörden übergeben worden waren, sei die Crew verhört worden, so Molkenbur. "Uns wurde gesagt, dass das die ganz normalen Standardprozeduren waren, wie wir die auch schon öfters hatten, als wir nach Lampedusa gefahren sind." Nach Ende der Verhöre sei ihnen dann der Durchsuchungsbeschluss, der auf den 1. August datiert war, vorgelegt worden, so Molkenburg.

Vorwurf: Kooperation mit Schleppern

Der Grund sind laufende Ermittlungen. Untersucht werden die Beziehungen zwischen Hilfsorganisationen und Schleppern. Der Vorwurf: Verdacht der Begünstigung illegaler Einwanderung, so Andrea Tarando, Staatsanwalt in Trapani. Es seien Begegnungen zwischen Crewmitgliedern und Schleppern, also denen, die die illegalen Einwanderer bis zur "Iuventa" eskortiert hätten, so Tarando.

Molkenbur weist die Vorwürfe zurück: "Wir haben niemals mit irgendwelchen Schlepperbanden kommuniziert und sind aber natürlich vollkommen bereit, mit den Behörden zu kooperieren. Aber wir sind uns keiner Schuld bewusst und haben nicht den Gedanken, dass die Durchsuchungen zu irgendwas führen werden."

Die Vorwürfe, dass private Seenotretter mit Schleppern zusammenarbeiten, sind nicht neu. Untersuchungen von Parlamentsausschüssen in Italien bestätigten sie aber nie.

"Jugend rettet" zählt zu den NGOs, die es gerade abgelehnt haben, einen Verhaltenskodex der italienischen Regierung für die Flüchtlingsrettung im Mittelmeer zu unterzeichnen. Die NGOs begründen das unter anderem mit rechtlichen Bedenken, Sorge um ihre Unabhängigkeit und damit, dass der Kodex die Rettung von Menschen in Not erschwere. 

Das Schiff "Iuventa" der Hilfsorganisation "Jugend rettet" (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Die Besatzung der "Iuventa" soll mit Schleppern kooperiert haben, lautet der Vorwurf.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Durchsuchung etwas mit der Ablehnung des Verhaltenskodex zu tun hat. Schließlich hatte das italienische Innenministerium jenen Organisationen Konsequenzen angedroht, die nicht unterschreiben wollten. Konkretisiert hatte das Ministerium die Ankündigung aber nicht.

"Jugend rettet" sei für weitere Gespräche offen gewesen, so Molkenbur. Umso mehr überrascht ihn die Durchsuchung: "Unsere Anwälte sind jetzt vor Ort. Wir stehen in engem Kontakt mit der Crew und gucken, dass es denen gut geht."

Italienischer Marineeinsatz vor Libyen

Rund 95.000 Menschen gelanten seit Beginn des Jahres von Libyen aus über das Mittelmeer nach Italien. Die Regierung in Rom will das Problem mit den  Flüchtlingen offenbar nun sehr ernsthaft angehen.

Das italienische Parlament stimmte für einen Marineeinsatz vor der Küste Libyens. Italienische Schiffe sollen technische und logistische Hilfe bei der Bekämpfung  der Schlepperkriminalität leisten, so das Ziel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. August 2017 um 17:00 Uhr.

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