Polizisten am Tatort in Podgorica | Bildquelle: REUTERS

Angriff in Montenegro Journalistin angeschossen

Stand: 09.05.2018 15:49 Uhr

Angriffe auf Journalisten sind in Montenegro - immerhin EU-Beitrittskandidat - keine Seltenheit. Die Investigativjournalistin Lakic wurde zum zweiten Mal innerhalb eines Monats angegriffen. Ein Mann schoss ihr ins Bein.

In Montenegro ist eine Enthüllungsjournalistin angeschossen worden. Olivera Lakic wurde nach Polizeiangaben am Dienstag in der Hauptstadt Podgorica ins Bein geschossen. Die Verletzung ist nicht lebensgefährlich.

Ein Mann habe sich ihr vor ihrem Haus genähert und "auf das Bein geschossen", erzählte Lakic dem Chefredakteur ihrer Zeitung "Vijesti". Zwei weitere Männer seien weggerannt. "Ich bin sprachlos. Wie lange passiert so etwas noch in Montenegro?"

Es ist bereits der dritte Angriff auf die 49-jährige Lakic und der zweite innerhalb eines Monats. Laut ARD-Korrespondent Srdjan Govedarica recherchierte die Journalistin unter anderem zum Thema organisierte Kriminalität.

Spontane Solidarität auf der Straße

Die Polizei sperrte die wichtigsten Straßen von Podgorica, um den Angreifer zu fassen. Dieser konnte zunächst aber nicht festgenommen werden. Bei spontanen Protesten von mehreren hundert Demonstranten waren Plakate mit "Stop violence" zu lesen.

Der Europarat reagierte mit Bestürzung auf die Attacke und rief zum Schutz von Journalisten und unabhängigen Medien auf. Solche Angriffe seien immer auch Angriffe auf die Demokratie, sagte der Generalsekretär des Europarats, Thorbjörn Jagland. Leider häuften sich derzeit solche Attacken. "Wir müssen alles tun, um diesen Trend zu stoppen."

Polizisten am Tatort in Podgorica | Bildquelle: AFP
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Polizisten am Tatort in Podgorica

Viele Angriffe auf Journalisten

Die Menschenrechtskommissarin der paneuropäischen Länderorganisation, Dunja Mijatovic, rief die Regierung in Montenegro auf, die Sicherheit der Journalistin zu gewährleisten. Die für die Anschläge Verantwortlichen müssten identifiziert und vor Gericht gestellt werden. Erst im vergangenen Monat war eine Bombe vor dem Haus eines bekannten Reporters in der nördlichen Stadt Bijelo Polje explodiert. Während der vergangenen 15 Jahre wurden in Montenegro insgesamt rund ein Dutzend Angriffe auf Journalisten verübt. Keine der Taten wurde bislang aufgeklärt.

Die EU, in der Montenegro bis zum Jahr 2025 Mitglied werden will, sowie internationale Menschenrechtsorganisationen drängten die Behörden Montenegros zur Aufklärung der Angriffe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Mai 2018 um 17:00 Uhr.

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