Ein Zeitungskiosk in Istanbul | Bildquelle: dpa

Recherchen von Reporter ohne Grenzen Türkische Medien - zu nah dran an Erdogan?

Stand: 27.10.2016 12:33 Uhr

Als vierte Gewalt im Staate wird die Presse oft bezeichnet. Die Medien sollen die Mächtigen im besten Fall kontrollieren und Missstände aufdecken. Das geht aber nur bei entsprechender Unabhängigkeit. In der Türkei ist das kaum noch gegeben, wie ein Projekt von Reporter ohne Grenzen zeigt.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

"Unsere Araber haben ein schönes Sprichwort, um auszudrücken, dass man jemanden sehr gerne hat", sagt Ethem Sancak bei einer Rede an den türkischen Staatspräsidenten Erdogan gewandt. Und fährt fort, "Ich würde Dir meine Mutter, meinen Vater und meine Kinder opfern."

Keine Frage, dass Sancaks Journalisten niemals ein schlechtes Wort über Erdogan und die von ihm gegründete AK Partei verlieren würden. Drei Zeitungen, drei Fernsehsender, zwei Radiosender, zwei Magazine und verschiedene Internetseiten darf der türkische Unternehmer sein Eigen nennen, zählt die Organisation Reporter ohne Grenzen auf.

Sancak hat in den Achtzigern mit einem kleinen Unternehmen in der Medizinbranche seine Karriere gestartet. Inzwischen gehört ihm das türkische Fahrzeug- und Rüstungsunternehmen BMC. Er ist millionenschwer.

Sancaks Laufbahn und seine Engagement im Medienbusiness stehen beispielhaft für das Netzwerk aus türkischen Wirtschaftsunternehmen und Nachrichtenhäusern. Genau das bis ins kleinste Detail aufzuzeigen, hat sich die für die Presse- und Informationsfreiheit weltweit kämpfende Organisation Reporter ohne Grenzen zur Aufgabe gemacht. Dafür kooperiert sie seit drei Monaten mit der türkischen Medienwerkstatt bianet. Das Ergebnis ist inzwischen online abrufbar.

"Reporter ohne Grenzen"-Projekt zur Lage der türkischen Presse
tagesschau 12:00 Uhr, 27.10.2016, Michael Schramm, ARD Istanbul

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Abhängigkeiten und private Verbindungen

Eigentümerstrukturen der wichtigsten türkischen Medienhäuser werden mit Infografiken und Texten aufgezeigt. Nutzer sollen nachvollziehen können, welche Unternehmer welchen Fernsehsender beherrschen und welche Verbindungen in die Politik bestehen. Die meisten Eigentümer seien von Regierungsaufträgen für deren Industrieunternehmen abhängig, ergibt die Recherche der bianet Journalisten, denn das eigentliche Geld verdienten die Chefs der Medienhäuser im Energie-, Transport oder Bausektor.

Quelle: Reporter ohne Grenzen, bianet
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Fünf der zehn meistgelesenen Nachrichtenportale in der Türkei gehören Eigentümern mit Verbindungen zur Regierung. (Quelle: Reporter ohne Grenzen, bianet)

Quelle: Reporter ohne Grenzen, bianet
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Sieben der zehn meistgelesenen Tageszeitungen in der Türkei gehören Eigentümern mit Verbindungen zur Regierung. (Quelle: Reporter ohne Grenzen, bianet)

Im Fernsehen - in der Türkei immer noch das meistgenutzte Medium - hätten sieben der zehn wichtigsten Eigentümer starke Verbindungen zur Regierungspartei, so Reporter ohne Grenzen. "Es ist wirklich schwierig eine Familie eines türkischen Medientycoons zu finden, bei der Präsident Erdogan nicht zu einer Hochzeit eingeladen war oder als Trauzeuge teilgenommen hat", so Christian Mihr, Geschäftsführer der Organisation für Pressefreiheit.

Selbstzensur als Schutzmechanismus

Die Konsequenz aus diesen extremen Bindungen sei, dass sich viele Journalisten selbst zensierten, weil sie ihre Job nicht verlieren wollten, sagt der bianet-Koordinator Evren Gönül. Eines der schrillsten Sprachrohre der türkischen Regierung ist sicherlich die Tageszeitung "Yeni Safak". Deren Journalisten glauben stets zu wissen, welche ausländische Macht der türkischen Regierung, aber vor allem dem Land und dem Volk nur Böses will.

Protest für Pressefreiheit vor dem Gericht in Istanbul | Bildquelle: dpa
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Protest für Pressefreiheit in Istanbul: Im April 2016 wurde dem regierungskritischen ehemaligen Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, der Prozess gemacht.

Hinter "Yeni Safak" steht die Albayrak Familie, bestehend aus sechs Brüdern. Bei Dutzenden öffentlichen Ausschreibungen, insbesondere von Städten und Gemeinden, habe die Albayrak Holding den Zuschlag bekommen, kritisieren Reporter ohne Grenzen und bianet. Staatspräsident Erdogan sei zu Gast bei der Hochzeit der Tochter und bei der Verlobungsfeier des Sohnes einer der Albayrak-Brüder gewesen, so die Organisation für Pressefreiheit.

Es ist die fünfte Webseite von Reporter ohne Grenzen, die Eigentümerstrukturen in einem bestimmten Land aufzeigen soll. Aufgrund der zunehmend eingeschränkten Pressefreiheit und mehr als hundert inhaftierten Journalisten in der Türkei dürfte dieses Mal die Aufmerksamkeit besonders groß sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Oktober 2016 um 12:00 Uhr.

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