Kerzen und Blumen erinnern an die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia. | Bildquelle: REUTERS

Gefährlicher Beruf 930 Journalisten seit 2006 getötet

Stand: 30.10.2017 16:21 Uhr

Journalisten leben offenbar immer gefährlicher. Die UNESCO verzeichnet einen "erheblichen Anstieg von Gewalt" gegen Medienvertreter. Allein im vergangenen Jahr wurden mehr als 100 Journalisten getötet - die meisten in Afghanistan und Mexiko.

In den vergangenen zehn Jahren sind nach UN-Angaben weltweit 930 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet worden. Von den zwischen 2006 und Ende 2016 registrierten Fällen wurde nur jede zehnte Tat aufgeklärt, teilte die Kultur- und Bildungsorganisation UNESCO anlässlich des Internationalen Tags gegen die Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten mit.

Allein im vergangenen Jahr wurden 102 Medienvertreter umgebracht. Afghanistan und Mexiko entpuppten sich 2016 als die gefährlichsten Länder: Dort wurden jeweils 13 Journalisten getötet. Es folgen Jemen (11), Irak (9) und Syrien (8). Der jüngste Fall, der international für Entsetzen sorgte, ist der Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta. Sie kam ums Leben, als an ihrem Auto eine Bombe explodierte.

Ermittler in Schutzanzügen untersuchen die Gegend rund um das völlig ausgebrannte Autowrack, in dem Caruana Galizia ums Leben kam. | Bildquelle: REUTERS
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Das explodierte Auto der Journalistin Caruana Galizia auf Malta.

94 Prozent sind Lokaljournalisten

"Mord an Journalisten, willkürliche Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen und die Beschlagnahmung von Recherchematerial - diese Straftaten müssen geahndet werden", sagte Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission. Eine Aufklärungsrate der Journalistenmorde von zehn Prozent sei dabei viel zu gering. "Nur mit einer Presse, die nicht bedroht wird, kann eine reflektierte öffentliche Meinungsbildung gelingen", erklärte Schulz.

Die Hälfte der Todesfälle habe sich in Ländern ereignet, in denen kein Krieg herrschte. Mit 94 Prozent waren die meisten der getöteten Medienschaffenden Lokaljournalisten. Seit 2006 verdoppelte sich außerdem der Anteil getöteter Journalistinnen - 2016 lag er bei zehn Prozent, zehn Jahre zuvor waren es noch fünf Prozent.

Ein Mann kniet vor einem Porträt, das zum Gedenken an Politkowskaja aufgehängt wurde
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Der Mord an der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja 2006 in Moskau sorgte weltweit für Aufsehen.

Arabische Region am gefährlichsten

Die arabische Region war den Angaben zufolge in den vergangenen fünf Jahren die gefährlichste Gegend für Journalisten - besonders aufgrund der Konflikte in Syrien, dem Irak und dem Jemen. Dort sei auch die Anzahl der von Extremisten entführten Journalisten stark angestiegen. 191 Todesfälle wurden in der Gegend seit 2012 registriert. Darauf folgten Lateinamerika und die Karibik mit 125 Todesfällen. 107 Journalisten wurden in Asien und der Pazifikregion getötet, 73 in Afrika, 17 in Zentral- und Osteuropa und 17 in Westeuropa und Nordamerika.

Die UNESCO kritisierte, die weltweite Gewalt gegen Journalisten sei erheblich angestiegen. Medienvertreter würden immer häufiger entführt, willkürlich verhaftet und gefoltert. Journalisten seien aber auch Opfer von Überwachungsmaßnahmen, Cyberattacken und Desinformationskampagnen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2017 um 14:00 Uhr.

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