Ein Journalist berichtet aus einem Krisengebiet.

UNESCO-Bericht Alle fünf Tage wird ein Journalist umgebracht

Stand: 02.11.2016 06:03 Uhr

Zwischen 2006 und 2015 sind weltweit mehr als 800 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes getötet worden. Hinzu kommen Entführungen, willkürliche Verhaftungen und Folter. Nicht einmal jeder zehnte der Todesfälle wurde aufgeklärt.

Mehr als 800 Journalisten sind weltweit zwischen 2006 und 2015 bei der Ausübung ihres Berufes getötet worden. Das teilte die UN-Kulturorganisation UNESCO mit. Anlass ist der Internationale Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten mit.

"Durchschnittlich alle fünf Tage wird ein Journalist aufgrund seiner Arbeit umgebracht", sagte Wolfgang Schulz, Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission mit Sitz in Bonn: "Hinzu kommen Verbrechen wie Entführungen, willkürliche Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen, Belästigungen und die Beschlagnahmung von Recherchematerial."

Lediglich acht Prozent der insgesamt 827 Todesfälle in den zurückliegenden zehn Jahren wurden aufgeklärt, so Schulz. Und auch wenn in vielen Ländern eine erhöhte Bereitschaft zu erkennen sei, solche Straftaten zu ahnden, bleibe die Ermordung von Journalisten noch immer häufig ohne Konsequenzen für die Täter. "Straflosigkeit stärkt die Täter, gefährdet die Prinzipien des Rechtsstaats und führt zu Angst und Selbstzensur der Journalisten", erklärte Schulz. Darunter leide die gesamte Gesellschaft.

James Foley (Archivbild 2011) | Bildquelle: AP
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Der Kriegsreporter James Foley wurde 2012 in Syrien entführt und 2014 von der Terrormiliz IS enthauptet. (Archivbild 2011)

Die meisten Opfer hielten sich in der arabischen Region auf

Dem UNESCO-Bericht zufolge wurden in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 213 Journalisten aufgrund ihrer Arbeit getötet. 78 der Opfer hielten sich in der arabischen Region auf, die damit aufgrund der Konflikte in Syrien, dem Irak, dem Jemen und Libyen erneut die für Journalisten weltweit gefährlichste Region war.

In Lateinamerika und in der Karibik wurden 51 Journalisten umgebracht, 34 in Asien und der Pazifikregion, 27 in Afrika und zwölf in Zentral- und Osteuropa. Mit elf Todesfällen stieg auch die Mordrate in Westeuropa erheblich an. Grund ist vor allem die Tötung von acht Mitgliedern der Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" in Paris im Januar 2015.

Präsident Erdogan ein neuer "Feind der Pressefreiheit"

Anlässlich des Internationalen Tag gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten legte auch die Organisation "Reporter ohne Grenzen" eine neue Liste von "Feinden der Pressefreiheit" vor. Sie umfasst 35 Staats- und Regierungschefs, Extremisten- und Verbrecherorganisationen sowie Geheimdienste, die die Arbeit der Journalisten durch Zensur, willkürliche Verhaftungen, Folter und sogar Mord bedrohen.

Neu auf der Liste ist der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Hinzugekommen sind auch der ägyptische Präsident Abdelfattah al-Sisi und Thailands Junta-Chef Prayut Chan-o-cha. Auch die Machthaber von Burundi, Saudi-Arabien und Venezuela sowie die Huthi-Rebellen im Jemen, die Terrormiliz "Islamischer Staat" und die Islamistengruppe Ansarullah Bangla Team in Bangladesch sind Neuzugänge.

Techniken der Unterdrückungen sind vielfältig

Zu den bereits langjährigen "Feinden der Pressefreiheit" zählt "Reporter ohne Grenzen" etwa Eritreas Präsidenten Isaias Afewerki, den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un.

Unverändert katastrophal sei die Lage unabhängiger Journalisten auch auf Kuba, in Singapur, Russland und Syrien. Die Techniken der Unterdrückung seien vielfältig und reichten von Schikanen über Verhaftungs- und Schließungswellen bis hin zu einem generellen Terrorverdacht gegen Journalisten.

Die vielen neuen Namen unter den "Feinden der Pressefreiheit" zeigten, dass Autokraten und Extremisten noch sicher sein könnten, mit der Unterdrückung freier Medien straflos davonzukommen, kritisierte Michael Rediske, Vorstandssprecher von "Reporter ohne Grenzen". Mancher Machthaber ließe seit Jahrzehnten ungestraft kritische Journalisten verfolgen, foltern oder ermorden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2016 um 06:00 Uhr

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