Krebsgefahr: Jolie spricht über ihre Brustamputation

Angelina Jolie über ihre Brustamputation

Ein Schritt, der Mut machen soll

Wie hoch das Risiko einer Brustkrebserkrankung ist, lässt sich mit einem Gentest feststellen. Auch Angelina Jolie erfuhr so von der erhöhten Gefahr. Die Konsequenz: Sie ließ sich beide Brüste amputieren. Ein Schritt, der anderen Frauen Mut machen soll.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Angelina Jolie (Bildquelle: REUTERS)
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Entschied sich nach einem Gentest zu der Brustamputation: Angelina Jolie

"My Medical Choice" - "meine medizinische Entscheidung", so ist der Artikel überschrieben, mit dem Angelina Jolie den Eingriff in der "New York Times" öffentlich macht. Das Motiv für ihren Schritt nennt die Schauspielerin darin selbst: Den Tod ihrer Mutter, die 2007 mit 56 Jahren nach langer Krankheit an Krebs starb.

2011, vier Jahre später, kann Jolie in einem Interview mit dem US-Sender CBS nur mit Mühe die Fassung wahren, als das Gespräch auf die Mutter kommt: Sie sei immer für sie da gewesen, großherzig und liebevoll. Sie, Angelina, werde nie eine so gute Mutter werden.

Die Mutter an Krebs zu verlieren - Jolie will nicht, dass ihren Kindern dasselbe passiert. Deshalb hat sie einen Gentest gemacht, deshalb fiel die Entscheidung zur Amputation. Anfang Februar ging es los mit den Operationen, sie zogen sich über fast drei Monate, bis Ende April. Jolie nimmt in ihrem Artikel in der "New York Times" kein Blatt vor den Mund, beschreibt ihren Horror, als sie nach einer Operation aufwacht und Schläuche aus ihr heraushängen. Wie in einem Science-Fiction-Film fühlte sie sich.

Krebsgefahr: Angelina Jolie spricht über ihre Brustamputation
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
14.05.2013 13:24 Uhr

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Artikel soll anderen Frauen Mut machen

Aber sie macht weiter, mehr noch: Sie engagiert sich parallel weiter in sozialen Fragen, besucht im März mit dem britischen Außenminister William Hague Afrika, um Opfer sexueller Gewalt zu treffen. Im April ist sie beim G8-Gipfel im London zu Gast. Da ahnt die Öffentlichkeit noch nicht, was für eine tiefgreifende Veränderung diese immer strahlende, immer schöne, immer auch als Sexsymbol gehandelte und behandelte Frau gerade mitmacht.

Erst jetzt also erfolgte der Schritt, in die Öffentlichkeit zu gehen: Und der Artikel ist kein Text nach dem Motto: 'Seht, was ich alles ertragen habe'. Jolie nennt ein klares Motiv, warum sie in die Öffentlichkeit geht: Sie will anderen Frauen Mut machen. Mut, den Gentest zu machen, um die mögliche Gefahr, an Krebs zu erkranken, wenigstens einschätzen zu können, so gut die Medizin das eben kann. Für Jolie haben die Ärzte vor der Amputation ein Risiko von 87 Prozent errechnet, dass sie an Brustkrebs erkranken wird. Nach der OP, schreibt sie, seien es unter fünf Prozent. Die Zahlen gelten für sie, nicht für alle Frauen, auch das stellt sie klar.

Hohe Kosten für Gentest zum Erkrankungsrisiko

Und Jolie spricht die Kosten für den Bluttest an: 3000 Dollar, umgerechnet 2300 Euro. Das kann sich ein Hollywoodstar locker leisten, aber was, wenn eine Frau keine Krankenversicherung hat, wie immerhin rund 15 Prozent der US-Bevölkerung? Jolies Artikel spielt auch in die aktuelle Diskussion um die geplante Einführung einer gesetzlichen Krankenversicherung hinein, da sind sich die CNN-Moderatoren John Berman und Zoraida Sambolin sicher.

Ihre langwierige Behandlung hat Jolie nun erst einmal hinter sich. Die Debatte, die sie damit auslöst, die fängt gerade erst an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. Mai 2013 um 22:15 Uhr

Stand: 14.05.2013 14:24 Uhr

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