Boris Johnson, Außenminister von Großbritannien, spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung. | Bildquelle: dpa

Brexit-Verhandlungen Johnson schließt Scheitern nicht aus

Stand: 08.06.2018 15:41 Uhr

Medienberichten zufolge schließt Großbritanniens Außenminister Johnson ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen nicht aus. Hartes Auftreten im Stil von Trump hält er offenbar für erstrebenswert.

Der britische Außenminister Boris Johnson hält ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen für möglich. Bei einem Treffen mit konservativen Politikern sagte Johnson laut einer heimlichen Tonaufnahme, die dem Internetportal "BuzzFeed News" zugespielt wurde, die Verhandlungen mit Brüssel über den EU-Austritt Großbritanniens hätten nun eine "viel kämpferischere" Phase erreicht. Dabei sei auch ein "Zusammenbruch" nicht ausgeschlossen.

"Sie müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass es einen Zusammenbruch geben könnte, okay?", sagte Johnson dem Mitschnitt zufolge. "Ich will nicht, dass irgendjemand während des Zusammenbruchs in Panik gerät. Keine Panik. Zum Wohle der Öffentlichkeit, keine verdammte Panik. Am Ende wird alles gut."

US-Präsident Donald Trump (r) spricht zum britischen Außenminister Boris Johnson bei einem Treffen im Vorfeld der UN-Generaldebatte. | Bildquelle: dpa
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Boris Johnson bewundert US-Präsident Trump: "Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass hinter seiner Verrücktheit Methode steckt".

Zunehmende Bewunderung für Trump

Die "Times" zitierte Johnson zudem mit den Worten: Die Redensart, den Kampf zum Feind zu bringen, sei "absolut richtig". "Wir müssen es - und wir werden es", fügte der Minister dem Bericht zufolge hinzu. Johnson sagte bei dem Treffen zudem, dass er US-Präsident Donald Trump zunehmend bewundere. "Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass hinter seiner Verrücktheit Methode steckt", sagte er laut dem Mitschnitt. "Stellen Sie sich vor, Trump würde den Brexit machen. Er würde es verdammt hart angehen. Es gäbe alle möglichen Arten des Zusammenbruchs und des Chaos. Alle würden denken, er sei verrückt geworden. Aber tatsächlich kann man so etwas erreichen. Es ist ein sehr, sehr guter Gedanke."

Johnson, einer der Wortführer der Brexit-Kampagne, sprach bei dem Treffen auch über Unstimmigkeiten in der konservativen Regierung von Premierministerin Theresa May. Der Brexit werde "stattfinden" und nicht rückgängig zu machen sein, sagte Johnson. Es bestehe aber das "Risiko", dass er "nicht der sein wird, den wir wollen".

Vorwürfe ans britische Finanzministerium

Dem britischen Finanzministerium warf Johnson laut BuzzFeed vor, im Grunde für einen Verbleib in der EU zu stehen. Es wolle erreichen, dass Großbritannien mit der EU-Zollunion und zu einem großen Teil mit dem Binnenmarkt verbunden bleibe. Dadurch versuche es, das Königreich daran zu hindern, nach dem Brexit vollkommen frei in der Handelspolitik zu agieren.

Das Ministerium untersteht Philip Hammond, der als einer der größten EU-Befürworter in Mays Kabinett gilt. Eine Sprecherin Mays lehnte es ab, sich zu dem Bericht zu äußern. Die Premierministerin habe aber "selbstverständlich" Vertrauen in ihren Außenminister. Hammond sagte, es sei besser, in der Verhandlungen auf Zusammenarbeit als auf Konfrontation zu setzen.

Boris Johnson findet Trump toll
Jens-Peter Marquardt, ARD London
08.06.2018 17:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 09. Juni 2018 um 03:25 Uhr.

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