Flüchtende Jesiden an der Grenze des Irak zu Syrien | Bildquelle: REUTERS

Terrormiliz "Islamischer Staat" IS lässt Hunderte Jesiden frei

Stand: 18.01.2015 13:05 Uhr

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat im Nordirak mehr als 200 Jesiden freigelassen - der jesidische Aktivist Chodr Domli sprach sogar von bis zu 350. Laut Medienberichten fand dies schon am Samstag statt. Bei den Freigelassenen soll es sich überwiegend um alte und gebrechliche Menschen handeln. Daneben seien auch einige Frauen, Kinder und psychisch Kranke darunter.

Die Freigelassenen wurden eigenen Angaben zufolge in der Nähe von Mossul festgehalten. Die nordirakische Millionenmetropole hatte der IS im Juni eingenommen.

Die Menschen wurden in die irakische Kurden-Hauptstadt Erbil gebracht. Dort sollen sie medizinisch versorgt werden. Der Nachrichtensender Al Arabija berichtete, ihnen gehe es schlecht.

Warum die Terrorgruppe die Jesiden freiließ, blieb unklar. Von kurdischer Seite verlautete, die Gefangenen seien den Dschihadisten offenbar zunehmend zur Last gefallen. Die jesidische Parlamentsabgeordnete Vian Dachil sagte, auch der militärische Druck auf den IS habe wohl eine Rolle gespielt.

Noch 3000 Jesidinnen in der Gewalt des IS?

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, die zur Volksgruppe der Kurden gehört. Im Zuge seiner Militäroffensive im Sommer hatte der IS Tausende Jesiden getötet oder gefangenen genommen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden Hunderte, wenn nicht Tausende jesidische Frauen an Dschihadisten verkauft oder als Sexsklavinnen unterjocht. Die Parlamentarierin Dachil sagte, sie vermute, dass noch 3000 Frauen in der Gewalt des IS seien.

Unter anderem mit dem Schicksal der Jesiden hatte US-Präsident Barack Obama im vergangenen Jahr die Luftangriffe auf den IS im Irak und in Syrien begründet. Zum Symbol für das Leid der religiösen Minderheit wurde die Flucht Tausender Jesiden ins Sindschar-Gebirge, wo sie monatelang festsaßen. Erst im Dezember drängten kurdische Truppen die IS-Kämpfer so weit zurück, dass die Belagerung des Gebirges durchbrochen wurde.

Hintergrund: Jesiden

Die religiöse Minderheit der Jesiden stammt aus dem Irak, Syrien, der Türkei und dem Iran. Die Jesiden sind Kurden und leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul und im nahe gelegenen Sindschar-Gebirge. Wegen der Verfolgung vor allem im Irak sind viele Anhänger dieser eigenständigen monotheistischen Religion ins Ausland geflohen. Weltweit soll es nach Schätzungen rund 500.000 bis 800.000 Jesiden geben. Die Gemeinde in Deutschland zählt nach Angaben des Zentralrats der Jesiden rund 60.000 Menschen.

Der wichtigste heilige Ort der Religion liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Iraks. Dort befindet das Grab von Scheich Adi, der im zwölften Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren. Jedes Jahr im Herbst kommen Zehntausende Menschen zu einer Wallfahrt in das Tal. Radikale Muslime betrachten die Jesiden als "Teufelsanbeter", weil sie auch den "Engel Pfau" als zentrale Figur ihres Glaubens verehren.

(Quelle: dpa)

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