Eine Stadtansicht von Jerusalem mit wehender israelischer Fahne | Bildquelle: AFP

Trump vor Entscheidung Jerusalem als Hauptstadt? Die Empörung ist groß

Stand: 05.12.2017 18:07 Uhr

Noch in dieser Woche will US-Präsident Trump über eine Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt entscheiden. Nach Angaben von Palästinenserpräsident Abbas beabsichtigt der US-Präsident, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen - trotz Warnungen.

US-Präsident Donald Trump hat Palästinenserpräsident Mahmud Abbas über seine Absicht informiert, "die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen". Das teilte das Büro von Abbas nach einem Telefonat zwischen Trump und dem Palästinenserführer mit. Aus der Erklärung ging nicht hervor, ob Trump den Umzug der US-Botschaft in Israel unverzüglich oder erst zu einem späteren Zeitpunkt anstrebt.

Eine mögliche Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels durch die USA löste international teils heftige Reaktionen aus. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnte den US-Präsidenten Donald Trump vor dem Schritt: "Jerusalem ist eine rote Linie für die Muslime", sagte er an Trump gerichtet. Er warnte, die Türkei könnte im Fall einer Änderung des Status von Jerusalem einen Abbruch ihrer Beziehungen zu Israel erwägen.

"Schlag gegen das Gewissen der Menschheit"

"Wir werden diesen Kampf mit Entschlossenheit bis zum Ende führen. Dies könnte bis zum Abbruch unserer diplomatischen Beziehungen mit Israel führen", sagte Erdogan vor der Fraktion seiner AKP im Parlament. Eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels wäre nicht nur ein Verstoß gegen internationales Recht, sondern "ein harter Schlag gegen das Gewissen der Menschheit", so Erdogan weiter. Er kündigte an, innerhalb weniger Tage einen Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul einzuberufen, sollte es dazu kommen.

Israel wies die türkischen Drohungen zurück. "Jerusalem ist die Hauptstadt des jüdischen Volkes seit mehr als 3000 Jahren und Israels Hauptstadt seit 70 Jahren, ungeachtet dessen, ob sie von Erdogan als solche anerkannt ist oder nicht", teilten Vertreter der israelischen Regierung mit.

Weitere Warnungen

Neben dem türkischen Präsidenten warnen auch andere Staaten die USA vor dem Schritt. Ein Berater von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas drohte für diesen Fall mit einem Abbruch der Beziehungen zu den USA. Die USA würden die Glaubwürdigkeit als Vermittler im Nahen Osten verlieren, wenn Trump den Schritt ergreife, sagte Madschdi Chaldi.

Besorgt zeigte sich Medienberichten zufolge auch Saudi-Arabien. Eine solche Entscheidung würde "historischen Rechten" des palästinensischen Volkes auf Jerusalem widersprechen und Muslime auf der ganzen Welt provozieren, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa unter Berufung auf eine Quelle im Außenministerium. Eine Abkehr der USA von einer unparteiischen Position in dem Konflikt würde schwerwiegende und negative Folgen haben.

Sigmar Gabriel | Bildquelle: dpa
galerie

Die Position Deutschlands zur israelischen Hauptstadt-Frage bleibe unverändert, sagte Außenminister Gabriel

Außenminister Sigmar Gabriel sagte beim Berliner Forum Außenpolitik der Körberstiftung, Deutschlands Position bleibe in dieser Frage unverändert - nämlich, dass es Jerusalem als Hauptstadt nicht anerkennt. Doch er warnte die USA vor weitreichenden Konsequenzen, sollten sie dies anders entscheiden. Alles, was die Krise verschärfe, sei in diesen Zeiten kontraproduktiv, so der geschäftsführende Außenminister.

Anerkennung Jerusalems steht offenbar kurz bevor

Das "Wall Street Journal" hatte berichtet, dass Trump unmittelbar vor der Anerkennung Jerusalems stehe und zudem plane, die US-Botschaft zu verlegen - als derzeit erstes Land überhaupt. Mehrere Staaten unterhalten in Jerusalem Konsulate.

In Ost-Jerusalem befinden sich wichtige christliche, jüdische und muslimische heilige Stätten. Die Palästinenser wollen es als Hauptstadt eines künftigen Staats. Israel, das Ost-Jerusalem 1967 eroberte, beansprucht die gesamte Stadt als seine Hauptstadt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2017 um 13:26 Uhr.

Darstellung: