Betende in Jerusalem

Jerusalem und Westjordanland Wie raus aus der Gewaltspirale?

Stand: 23.07.2017 09:23 Uhr

Die Lage in Jerusalem und im Westjordanland ist weiterhin angespannt wie selten. Erneut kam es zu Ausschreitungen. Die israelische Polizei sucht Möglichkeiten zur Beruhigung. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein.

Nach Tagen der Gewalt in der Altstadt von Jerusalem und einem verheerenden Konflikt im Westjordanland hat die israelische Polizei Möglichkeiten zur Beruhigung der Lage abgewogen. Um die Spannungen zu reduzieren, würden bald "Alternativen" zu den Metalldetektoren rund um den Tempelberg aufgestellt, berichtete der israelische Fernsehsender Channel 2 am späten Abend.

Der Militäroffizier Yoav Mordechai sagte, Israel sei offen für Alternativen zum Schutz der heiligen muslimischen und jüdischen Stätten in Jerusalem, solange "die Prävention eines nächsten Angriffs" sichergestellt werde. Er leitet die Abteilung für zivile palästinensische Angaben innerhalb des israelischen Verteidigungsministeriums.

Zutritt zu Tempelberg nur durch Metalldetektoren

Regierungsvertreter sagten zwar zu, muslimischen Gläubigen weiterhin Zutritt zur Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom zu gewähren. Jedoch teilten sie nicht mit, wie sie große Massen zu belebten Zeiten schnell durch die derzeit installierten Metalldetektoren schicken wollen.

Israel hatte nach einem Attentat Ende vergangener Woche Metalldetektoren an den Zugängen zu den muslimischen Heiligtümern in Jerusalem aufgestellt. Palästinenser sehen darin einen Versuch, die Kontrolle über den Berg an sich zu ziehen. Aus Protest gegen die Detektoren beteten am Freitag Zehntausende Muslime auf den Straßen Jerusalems. Anschließend kam es zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und Sicherheitskräften, bei denen drei Palästinenser getötet wurden. Dutzende erlitten Verletzungen.

Keine Versöhnung im Konflikt um den Tempelberg
tagesschau 13:15 Uhr, 23.07.2017, Markus Rosh, ARD Tel Aviv

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Demonstrative Abendgebete

Gestern hielten Hunderte Muslime in der Nähe der Hochfläche des Tempelberges in der Jerusalemer Altstadt demonstrativ ihre Abendgebete ab und setzten ihren Protest gegen die von Israel erhobenen Sicherheitsmaßnahmen fort. Im Anschluss kam es erneut zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei Tränengas und Wasserwerfer einsetzte, um die Demonstranten zu vertreiben.

Ein Palästinenser wirft eine Tränengasgranate zurück | Bildquelle: AP
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Ein Palästinenser wirft eine Tränengasgranate zurück, die zuvor von israelischen Sicherheitskräften abgefeuert worden war.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, dass ein 17-jähriger Palästinenser nach palästinensischen Angaben bei Zusammenstößen in Al-Asarija östlich von Jerusalem von israelischen Sicherheitskräften angeschossen worden sei. Er soll später seinen Verletzungen erlegen sein. Im nahe gelegenen Abu Dis soll ein 18-jähriger Palästinenser gestorben sein, als der Molotow-Cocktail, mit dem er israelische Sicherheitskräfte bewerfen wollte, vorzeitig explodierte.

Entsetzen über Mord an jüdischer Familie

Am Freitag hatte eine Gewalttat in der Siedlung Halamisch nordwestlich von Ramallah für Entsetzen in Israel gesorgt, als ein junger Palästinenser eine jüdische Familie angriff und drei Menschen tötete. Der Vater des Attentäters sagte, sein Sohn sei durch den Wunsch motiviert gewesen, den heiligen Stätten "Ehre" zu erweisen.

Ausschreitungen in Jerusalem | Bildquelle: dpa
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Ausschreitungen in Jerusalem.

In einem Facebook-Eintrag hatte der 20-jährige Angreifer vor der Tat erklärt, er erwarte, dabei zu sterben. Sein Körper solle anschließend in ein Banner der radikalen Palästinenserorganisation Hamas gehüllt werden. Er hatte eine Familie mit einem Messer attackiert, als diese gerade die Geburt eines Enkelkindes gefeiert hatte. Dabei tötete er den Angaben zufolge einen Mann und zwei seiner erwachsenen Kinder. Die Ehefrau des Mannes wurde schwer verletzt.

Der Angreifer kam mit Schussverletzungen ins Krankenhaus. Als das israelische Militär gestern das Haus des Attentäters überprüfte, warfen laut Behördenangaben etwa 50 Menschen Steine auf die Soldaten. Im Zuge der Durchsuchungen wurde ein Bruder des Angreifers festgenommen. Anwohner berichteten, die Soldaten hätten Gummigeschosse abgefeuert und Tränengas eingesetzt.

Netanyahu: "Terrorakt von einem Tier ausgeübt"

Indes besuchte der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman den Tatort. Den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas rief er auf, die Attacke zu verurteilen, die er als "Gemetzel" bezeichnete.

Auch Ministerpräsident Benjamin Netanyahu fand klare Worte für die Tat. Es habe sich um "einen Terrorakt" gehandelt, der "von einem Tier ausgeübt wurde, das mit unergründlichem Hass aufgehetzt wurde", erklärte er in seinem ersten öffentlichen Kommentar zu dem Angriff.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch wollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Lammopfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde in der Zeit von König Herodes erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

Eindringliche Aufrufe zur Mäßigung

International haben die Unruhen in Jerusalem und im Westjordanland die Sorge vor einem neuen Palästinenseraufstand wachsen lassen. Das Nahost-Quartett - bestehend aus den Vereinten Nationen, der EU, den USA und Russland - richtete eindringliche Aufrufe zur Mäßigung an Israel und die Palästinenser. Alle Seiten müssten sich "von provokativen Akten fernhalten und auf eine Deeskalation hinarbeiten", hieß es in einer Erklärung der vier Gesandten. Der UN-Sicherheitsrat setzte für Montag eine Dringlichkeitssitzung an.

Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte an alle Beteiligten, zu einer Deeskalation beizutragen. Niemand dürfe "denjenigen das Wort überlassen, die zur Gewalt aufrufen oder diese in Kauf nehmen", hieß es in einer Erklärung.

Die EU rief ihrerseits Israel und Jordanien auf, gemeinsam nach Wegen zu suchen, wie sich die Sicherheit auf dem Tempelberg für alle gewährleisten lasse, ohne den dortigen Status quo zu verändern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Juli 2017 um 09:00 Uhr.

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