Israelische Soldaten trauern am Tatort | Bildquelle: REUTERS

Nach Lkw-Anschlag in Israel Härtere Gangart gegen IS-Anhänger

Stand: 09.01.2017 13:20 Uhr

Nach dem Lkw-Anschlag mit vier Toten in Jerusalem will Israel offenbar eine härtere Gangart gegen IS-Anhänger einschlagen: Sie sollen künftig leichter und länger inhaftiert werden können. Für die Sicherheitskräfte in Jerusalem wurde die Alarmbereitschaft erhöht.

Nach dem Lkw-Anschlag mit vier Toten in Jerusalem hat Israels Polizei seine Sicherheitskräfte in der Stadt in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Dies teilte eine Polizeisprecherin mit. Bei der gezielten Fahrt eines Palästinensers in eine Gruppe von Soldaten waren gestern drei Frauen und ein Mann im Alter von 20 bis 22 getötet und 17 weitere verletzt worden. Der 28-jährige Attentäter war bei dem Anschlag erschossen worden.

Härtere Gangart gegen IS-Anhänger

Der Attentäter war als Palästinenser aus dem arabischen Ostteil Jerusalems identifiziert worden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vermutet die Terrormiliz "Islamischer Staat" hinter der Tat: "Wir kennen die Identität des Angreifers. Allen Anzeichen nach war er ein Anhänger des 'Islamischen Staats'." Bislang hat sich niemand zu der Tat bekannt.

Israel zieht dennoch Konsequenzen aus der Attacke und will künftig offenbar entschlossener gegen IS-Anhänger vorgehen. Nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts berichteten israelische Medien, dass IS-Anhänger verstärkt in sogenannte Administrativhaft genommen werden sollten. Diese erlaubt es, Häftlinge für jeweils verlängerbare Zeiträume von sechs Monaten ohne offizielle Anklage festzuhalten. Menschenrechtler kritisieren diese Praxis immer wieder scharf.

Festnahmen nach Anschlag

Die israelische Polizei hat im Zusammenhang mit dem Anschlag neun Personen festgenommen, unter ihnen fünf Familienmitglieder des palästinensischen Attentäters. Das hat eine Polizeisprecherin mitgeteilt.

Das Haus des Attentäters soll nun rasch zerstört werden. Zudem beschloss das Sicherheitskabinett, seine Leiche nicht an die Familie zu übergeben.

Beileidsbekundungen aus aller Welt

Ministerpräsident Netanyahu sieht mögliche Parallelen zwischen dem Lastwagen-Anschlag und ähnlichen Attacken in Europa. "Wir wissen, dass es hier eine Serie von Anschlägen gibt, und es kann durchaus sein, dass eine Verbindung zwischen ihnen besteht, erst Frankreich und Berlin, und jetzt Jerusalem", sagte Netanyahu.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach Israel sein Beileid aus und Frankreichs Präsident Francois Hollande versicherte den Opfern und ihren Angehörigen seinen Beistand. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Auch die US-Regierung reagierte bestürzt. "Solche feigen Aktionen können niemals gerechtfertigt sein", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. Zugleich bot er Israel die "volle Unterstützung" der USA bei den Ermittlungen an.

Palästinenser im Gazastreifen hatten den Anschlag gefeiert und auf der Straße Süßigkeiten verteilt. Auch die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte die Attacke.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Januar 2017 um 11:00 Uhr.

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