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Sie verbringen die Tage des Widerstands in eigenen Zelten, verhüllen sich mit pechschwarzen Schleiern und trotzen den Einsatzkräften von Machthaber Saleh. Von Sanaa aus schicken die Frauen dem jemenitischen Präsidenten die Botschaft: "Der Jemen wird ein freies Land sein."
Von Martin Durm, ARD-Hörfunkstudio Kairo, zzt. Sanaa
Das Rumbrüllen überlassen sie lieber den jungen Männern, die gar nicht genug kriegen können vom Fäusteschwingen und von kämpferischen Parolen. Das muss wohl so sein. Aber manchmal werden die Männer still auf dem Versammlungsplatz der Opposition, um die Frauen zu hören.
Die Frauen demonstrieren im Jemen streng getrennt von den Männern. Sie verbringen die Tage des Widerstands in eigenen Zelten, verhüllen sich mit pechschwarzen Schleiern, nehmen die Außenwelt nur durch Sehschlitze wahr. Das Einhalten der strengen islamischen Kleiderordnung hindert sie aber nicht im Geringsten daran, in eine bessere Zukunft zu blicken - auch nicht in schwierigen Zeiten.
"Wir werden alle Ziele unserer Revolution erreichen", sagt Tawakul Korman, eine der führenden Frauen der demokratischen Opposition. "Am Ende wird der Jemen ein freies Land sein. Wir haben keine Angst, wir haben Selbstvertrauen und wir geben nicht auf."
[Bildunterschrift: Jemens Präsident Saleh wird zurzeit in einem Krankenhaus in Saudi Arabien behandelt. ]
Korman empfängt ihre Gäste in einem Unterstand aus Sperrholz und Plastikplanen. Sie ist eine der prominentesten Vertreterinnen der Opposition gegen Abdullah Saleh. Der verletzte Machthaber, der in Saudi Arabien medizinisch versorgt wird, hat damit gedroht, bald wieder zurück in den Jemen zu kommen. "Er kann zurück. Aber er wird sich dann für das, was er getan hat verantworten müssen", sagt Korman.
"Wir werden Saleh und seine Leute vor Gericht stellen. Wir werden sie wegen Korruption anklagen und weil sie viele junge Demonstranten auf dem Gewissen haben", erklärt Korman entschlossen. "Verlassen sie sich darauf: Saleh wird nicht mehr zurück an die Macht kommen."
[Bildunterschrift: Immernoch umkämpft: In Jemens Hauptstadt gibt es Widerstand gegen das Regime. ]
Draußen auf der Straße steht eine junge Frau mit einem Bild in der Hand: "Das war mein Bruder", sagt sie, "er wurde hier auf diesem Platz von Scharfschützen erschossen. Sie waren auf den Dächern und haben einfach in die Menge gefeuert. Es war ein Massaker, sie haben die Leute wie Tiere abgeknallt."
"Die Revolution, die wir wollen, muss eine friedliche sein", sagen die Frauen. Den gewaltsamen Machtkampf, den sie in diesen Tagen erleben, empfinden sie als die größte Bedrohung für einen echten demokratischen Wandel: "All die Gewehre, die unseren Häusern liegen, die vielen Waffen, die unsere Männer besitzen - wohin hat uns das geführt? Wir glauben fest daran, dass wir diesen Kampf nur friedlich gewinnen können."
Neben Tawakul Korman sitzt ihr Vater, ein alter Mann, der die ganze Zeit über kein Wort gesagt hat. Dass er schweigt, dass er seiner Tochter das Reden über Politik überlässt, widerspricht zutiefst jemenitischer Tradition. Aber da lächelt er nur und sagt: "Was meine Tochter geredet hat, ist genug. Sie hat das Recht dazu. Das ist ihre Zukunft. Wir alten Männer sind die Vergangenheit."
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