Blick auf die jemenitische Hauptstadt Sanaa | Bildquelle: AFP

Bürgerkrieg im Jemen Hoffnung für die "Hölle Arabiens"?

Stand: 03.12.2017 14:32 Uhr

Im seit 2014 dauernden Bürgerkrieg im Jemen bahnt sich eine Trendwende an. Ex-Präsident Saleh wechselt offenbar die Seiten und verbündet sich mit Saudi-Arabien, seine Truppen kämpfen plötzlich gegen die ehemals alliierten Huthi-Rebellen.

Von Constantin Schreiber, tagesschau.de

Einer der blutigsten Konflikte der arabischen Welt geht womöglich in eine entscheidende Phase: Im Jemen haben sich über Nacht die Fronten verschoben. Der ehemalige Präsident Ali Abdallah Saleh hat in einer Fernsehansprache den Schulterschluss mit dem bisherigen Erzfeind Saudi-Arabien gesucht. "Wir wollen mit ihnen ein neues Kapitel aufschlagen und positiv zusammenarbeiten", sagte er. "Es muss Schluss sein mit dem, was im Jemen geschieht."

Das reicht aus, um in der Region für ein politisches Erdbeben zu sorgen. Denn bisher stand Saleh auf der Seite der schiitischen vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die einen erbitterten Krieg gegen die von Saudi-Arabien geführte, sunnitische Militärallianz führen. Gleichzeitig kämpfen seine Anhänger bereits seit Mittwoch in der Hauptstadt Sanaa gegen die ehemaligen Verbündeten.

Am Wochenende eskalierten die Kämpfe. Zahlreiche Menschen sollen verletzt und getötet worden sein. Der saudische Fernsehsender Al-Arabia berichtete von mehr als 80 Toten. Salehs Partei teilte mit, sie habe die Kontrolle über mehrere Bezirke übernommen. Auf Fotos und Videos, die in sozialen Netzwerken geteilt wurden, ist zu sehen, wie Anhänger des Ex-Präsidenten Plakate der Huthis in den Straßen Sanaas von Straßenlaternen herunterreißen.

Jemens Ex-Präsident Saleh bei einer Veranstaltung im August 2017 | Bildquelle: REUTERS
galerie

Jemens Ex-Präsidenten Ali Abdallah Saleh unterstützte bisland die Huthi-Rebellen. Nun kämpfen seine Truppen plötzlich gegen die Aufständischen.

Raketenangriff auf Abu Dhabi?

Die Huthi-Rebellen sind jetzt in die Ecke gedrängt und möglicherweise entscheidend geschwächt. Manche Beobachter glauben, dass dies die entscheidende Wende sein kann. In Anbetracht dieser zunehmend aussichtslosen Situation greifen die Rebellen zu martialischer Rethorik.

"Ihr seid jetzt für das Kämpfen und das gegenseitige Blutvergießen verantwortlich!", sagt Abdelmalik al-Huthi, einer der Anführer der Gruppe, kurz nach der Ansprache von Ali Abdallah Saleh. "Das ist Verrat! Schande über Euch! Das ist eine Tat des Bösen!”

Am Samstag behaupteten die Huthi dann, sie hätten eine Rakete in Richtung des Nuklearreaktors in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) abgefeuert. Die VAE dementierten dies umgehend. Die Drohungen der Huthis wirken fast wie letzte Verzweiflungstaten.

Mögliche Wende im Bürgerkrieg in Jemen
tagesschau 13:15 Uhr, 03.12.2017, Constantin Schreiber, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Stellvertreterkonflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran

Es geht nicht nur um die innenpolitische Krise des Jemen, sondern um den Machtanspruch zweier großer Länder der Region: Saudi-Arabien und Iran. Ähnlich wie im syrischen Bürgerkrieg stehen auch im Jemen-Konflikt geostrategische Interessen im Hintergrund. Dementsprechend groß die Aufmerksamkeit in der arabischen Welt.

Der Jemen befindet sich seit dem so genannten "Arabischen Frühling" in einem instabilen Zustand. Damals musste Ali Abdallah Saleh nach den Wahlen vom Februar 2012 sein Amt nach 34 Jahren abgeben. Seinem Nachfolger Mansour Hadi gelang es jedoch nicht, eine stabile Regierung zu bilden. Erst sagten sich einzelne Generäle von ihm los, dann begann vom Norden der Vormarsch der Huthi-Rebellen, die bald bis in die Hauptstadt Sanaa vordrangen.

Humanitäre Katastrophe

Seit 2015 beherrschten die Huthi de-facto den Jemen und setzten ein so genanntes Revolutionskommittee ein. Kurz darauf begann eine von Saudi-Arabien angeführte Militärallianz mit Luftangriffen auf die Huthi, was das Land vollends im Bürgerkrieg versinken ließ.

Die Folgen sind vor allem für die Zivilbevölkerung verheerend. Cholera-Epidemien fordern inzwischen Tausende Tote, zwei Drittel der Menschen sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen. In weiten Teilen des Jemen herrschen Hungersnöte. Jemen war bereits vor Ausbruch des jüngsten Bürgerkriegs das ärmste Land der arabischen Welt gemessen am Bruttosozialprodukt pro Kopf. Seitdem hat sich die Lage dramatisch zugespitzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Dezember 2017 um 13:15 Uhr.

Autor

Constantin Schreiber | Bildquelle: dpa Logo tagesschau.de

Constantin Schreiber, tagesschau.de

Darstellung: