Ein Mitglied der Regierungstruppen feuert mit einer Waffe auf die Hafenstadt Hudaida | Bildquelle: dpa

Folter-Vorwürfe von Amnesty Kriegsverbrechen im Jemen?

Stand: 12.07.2018 02:01 Uhr

Im Jemen tobt ein brutaler Krieg - 22,2 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen. Nun erhebt Amnesty schwere Folter-Vorwürfe gegen einen Partner der Regierungstruppen: die Vereinigten Arabischen Emirate.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Systematische Folter, Verschleppung, Vergewaltigung und Haft in sogenannten Geistergefängnissen: Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen einen der Koalitionspartner der jemenitischen Regierung im Jemenkonflikt - die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Land ist einer der wichtigsten Partner der saudi-arabisch geführten Koalition, die seit März 2015 die Regierung im Jemen im Kampf gegen Huthi-Rebellen unterstützt.

Laut Amnesty hätten Antiterroreinheiten und unabhängig von der Armee agierende Sicherheitskräfte im Jemen zahlreiche Menschen willkürlich verschleppt, verhaftet, monatelang ohne Rechtsgrundlage weggesperrt und mit Elektroschocks, Schlägen und sexuellem Missbrauch versucht, Geständnisse zu erpressen. Amnesty International spricht von eindeutigen Kriegsverbrechen und appelliert unter anderem an die USA, einem Verbündeten der Vereinigten Arabischen Emirate, ihren Einfluss geltend zu machen, um diese grausamen Zustände in den illegalen Haftanstalten im Jemen zu beenden.

Präsident Rabbo Mansur mit Saud bin Nayef Al Saud, Gouverneur der östlichen Provinz in Saudi-Arabien | Bildquelle: dpa
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Präsident Rabbo Mansur (links) mit einem saudischen Verbündeten. Seine Regierung sagt, sie habe keinen Einfluss auf die Sicherheitskräfte von Koalitionspartnern im Land.

"Dinge gesehen, die niemand jemals sehen und erleben sollte"

Die Menschenrechtsorganisation dokumentierte die Fälle von 51 Jemeniten, die ohne Rechtsgrundlage verschleppt und gefoltert wurden. 19 seien bis heute verschwunden, ohne dass ihre Familien Informationen über den Verbleib der Männer hätten. "Ich habe Dinge gesehen, die niemand jemals sehen und erleben sollte", zitiert Amnesty einen Betroffenen, der ebenfalls mit Elektroschocks gefoltert und als Terrorist beschuldigt wurde, bis die illegalen Antiterrorkämpfer ihn eines Tages mit dem Hinweis entließen, man habe ihn verwechselt. 

Die Vereinigten Arabischen Emirate bestreiten jede Verwicklung in die illegale Haftpraxis im Jemen, während die amtierende jemenitische Regierung behauptet, keinen Einfluss auf die Sicherheitskräfte des Koalitionspartners im Land zu haben.

Verhandlungen über Friedensgespräche

22,2 Millionen Menschen im Jemen sind mittlerweile auf humanitäre Hilfe in dem Bürgerkriegsland angewiesen. Das Elend, noch befördert durch Cholera und andere vermeidbare Mangelerkrankungen, ist noch UN-Angaben mittlerweile die größte von Menschen angerichtete humanitäre Katastrophe der Welt.

Der UN-Sondergesandte für das Land hatte sich erst vor zwei Tagen erneut für eine Wiederbelebung der Friedensgespräche für den Jemen bemüht und dabei nach UN-Angaben mit dem amtierenden Präsidenten des Jemen, Rabbo Mansur, auch über die Freilassung aller Gefangenen und Häftlinge verhandelt.

Amnesty wirft Arabischen Emiraten Kriegsverbrechen im Jemen vor
Georg Schwarte, ARD New York
12.07.2018 02:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Juli 2018 um 09:15 Uhr und 12:50 Uhr.

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