Ein Mann blickt mit einem Baby auf dem Arm auf Zerstörungen an einer Häuserfront in der jementischen Hafenstadt Aden.  | Bildquelle: AP

Tote bei Huthi-Angriffen im Jemen Aden doch noch nicht "befreit"?

Stand: 20.07.2015 05:25 Uhr

Erst am Freitag hatte die jemenitische Exilregierung die Hafenstadt Aden für "befreit" erklärt, einige Regierungsmitglieder waren sogar schon dorthin zurückgekehrt. Doch die Huthi-Rebellen kontrollieren offenbar immer noch - oder wieder - einige Stadtteile. Bei Angriffen mit Raketen und Mörsergranaten töteten sie mehr als 48 Menschen.

Ungeachtet der Versicherungen der jemenitischen Exil-Regierung, die südliche Stadt Aden wieder unter Kontrolle zu haben, halten die Kämpfe dort an. Allein im umkämpften Stadtteil Dar Saad im Norden der Hafenstadt seien bei Raketen- und Mörsergranatenangriffen der Huthi-Rebellen 57 Zivilisten getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden, teilte der Chef der örtlichen Gesundheitsdienste, Al-Chadr Laswar, nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP mit. Zu den 57 zivilen Todesopfern zählten demnach zwölf Kinder. Mehr als 215 Menschen seien verletzt worden, darunter 25 Kinder. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet von 48 Toten und etwa 170 Verletzten. Sie beruft sich auf Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen.

Menschen stehen in einem Krankenhaus in der jemenitischen Hafenstadt Aden um einen verletzten Mann herum. | Bildquelle: dpa
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Menschen stehen in einem Krankenhaus in der jemenitischen Hafenstadt Aden um einen verletzten Mann herum.

Auch in den Stadtteilen Chor Maksar, Crater und Tawahi lieferten sich die schiitischen Huthi-Rebellen heftige Gefechte mit Soldaten und Milizen, die den nach Saudi-Arabien geflüchteten Präsidenten Abdrabbo Mansour Hadi unterstützen. Hilfe erhielten die Hadi-treuen Truppen aus der Luft von einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition.

Huthis kontrollieren Stadtteile

Am Freitag hatte die Exilregierung Aden für "befreit" erklärt. Einige ihrer Mitglieder waren bereits in die Hafenstadt zurückgekehrt. Doch einige Gebiete stehen weiter unter Kontrolle der Huthi-Rebellen. Die Hadi-treuen Truppen setzten am Wochenende ihre Offensive fort. In Al-Ribat am nördlichen Stadtrand von Aden zerstörten sie ein Munitionsdepot, und auch in Tawahi mit seinem Präsidentenpalast waren sie nach eigenen Angaben auf dem Vormarsch.

Ein komplett von Kugeln durchlöchertes Auto in der jemenitischen Hafenstadt Aden | Bildquelle: dpa
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Ein komplett von Kugeln durchlöchertes Auto in der jemenitischen Hafenstadt Aden

Der Jemen wird seit Monaten von schweren Kämpfen erschüttert, bei denen bislang mehr als 3200 Menschen getötet wurden. Während einer einjährigen Offensive gelang es den Huthi-Rebellen mit Unterstützung von Getreuen des früheren Präsidenten Ali Abdallah Saleh, weite Teile des Jemen unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter die Hauptstadt Sanaa und die strategisch wichtige Stadt Aden. Dort zwangen sie Präsident Hadi im März endgültig zur Flucht nach Saudi-Arabien. Seit Ende März unterstützt eine Militärkoalition unter Führung des sunnitischen Königreichs Hadis Truppen mit Luftangriffen.

Vor anderthalb Wochen riefen die Vereinten Nationen eine humanitäre Feuerpause für den Jemen aus, die aber nie wirklich eingehalten wurde. Huthi-Sprecher Mohammed Abdessalam warf den UN in einer Erklärung vor, sie sei "bewusst oder unbewusst" verantwortlich für die Fortsetzung des Konflikts, weil sie die Waffenruhe nicht durchgesetzt habe.

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