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Gedenken an Atombombenabwurf vor 67 Jahren
Die Opfer von damals mahnen in Hiroshima
Mit einem Aufruf zur Beseitigung der Atomwaffenarsenale hat Hiroshima der Opfer des Atombombenabwurfs vom 6. August 1945 gedacht. Etwa 50.000 Menschen versammelten sich im Friedenspark der Stadt, nahe des Zentrums des damaligen US-Angriffs, der weite Teile Hiroshimas zerstörte.
Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio
Um 8.15 Uhr, exakt zu der Zeit, da die US-Atombombe über dem Stadtzentrum explodierte, verharrten die Menschen in Hiroshima in einer Minute des Schweigens, während die Friedensglocke geläutet wurde. Durch die unmittelbare Einwirkung und die Spätfolgen der radioaktiven Strahlung sind bis zum heutigen Tag offiziell mehr als 240.000 Menschen ums Leben gekommen.
Truman-Enkel beim Gedenken dabei
An der diesjährigen Gedenkfeier nahmen neben dem US-Botschafter erstmals auch die Botschafter aus Großbritannien und Frankreich teil, deren Länder ebenfalls Atomwaffen besitzen. Anwesend war außerdem der Enkel des US-Präsidenten Harry Truman, der den Befehl zum Abwurf der Atombomben gegeben hatte. Ein amtierender US-Präsident hat die Veranstaltung noch nicht besucht.
Gedenken am Jahrestag des US-Atombombenabwurfs in Hiroshima
P. Kujath, ARD Tokio
06.08.2012 10:05 Uhr
Seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor eineinhalb Jahren hat die Gedenkfeier eine zusätzliche Nuance erhalten: "Aufgrund dieses schrecklichen Unfalls hat man nun angefangen über die künftige Energiepolitik des Landes öffentlich zu diskutieren", so der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui. "Es gibt etliche Stimmen, die sagen, dass die Menschheit und die Atomkraft nicht koexistieren können. Ich fordere die japanische Regierung auf, dass sie ohne Verzögerung eine Energiepolitik einführt, die die Sicherheit der Bürger gewährleistet."
Tepco-Material veröffentlicht
nachtmagazin 01:00 Uhr, 07.08.2012, Philipp Abresch, ARD Tokio
Keine Atomwaffen mehr bis 2020
Zentraler Punkt seiner Friedensansprache war aber die Abschaffung der Atomwaffen weltweit. Die Staats- und Regierungschefs der Länder, die Atomwaffen besitzen, forderte er auf, nach Hiroshima zu kommen, um sich von den katastrophalen Folgen ein Bild zu machen. Gemeinsam mit seinem Amtskollegen in Nagasaki bemühen sich die beiden Bürgermeister, möglichst viele Unterstützer zusammenzubekommen, um bis 2020 eine Abschaffung aller Atomwaffen zu erreichen.
Überlebender warnt vor Gefahren der Atomkraft
Sunao Tsuboi ist ein Hibakusha, wie man die Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Japanisch nennt. Er ist mittlerweile 87 Jahre alt. Die Zeichen der Verbrennungen von damals sind an seinem Körper noch immer zu sehen. Die radioaktive Strahlung hat bei ihm Krebs hervorgerufen. Immer wieder erzählte er Schülerinnen und Schülern von seinen Erlebnissen.
Jetzt ist ein weiteres Thema hinzugekommen: "Wir müssen aus der Atomenergie aussteigen, wir müssen uns aus der Abhängigkeit befreien. Diese Kraft ist so gefährlich und kann die Erde zerstören. Warum ist das so schwer zu verstehen? Ich bitte die Verantwortlichen nach Hiroshima zu kommen und uns noch einmal zuzuhören."
Kein Bekenntnis vom Premierminister
Zusammen mit Vertretern der sieben Hibakusha-Gruppen traf er nach der Zeremonie mit Japans Premierminister Yoshihiko Noda zusammen. Zuvor machte Noda in seiner Ansprache deutlich, dass Japan weiter für die Abschaffung der Atomwaffen weltweit arbeiten werde. In Bezug auf die zivile Nutzung der Kernenergie verwies er nur kurz darauf, dass es notwendig ist, die Abhängigkeit zu reduzieren.
Die Strahlenflüchtlinge von heute mahnen
Unter den Anwesenden der diesjährigen Gedenkfeier war auch der Bürgermeister von Namie, Tamotsu Baba. Seine Gemeinde liegt in unmittelbarer Nähe zum havarierten AKW Fukushima 1. Die Bewohner mussten vor der radioaktiven Strahlung fliehen und wissen nicht, wann oder ob sie in ihre Heimat zurückkehren können.
"Ich glaube, die Überlebenden der Atombombenabwürfe und wir haben viele Gemeinsamkeiten", so Baba. " Wir müssen mit der radioaktiven Belastung für den Rest unserer Zeit leben. Wir wollen deshalb mit ihnen sprechen, von ihren Erfahrungen lernen. Ich bin mir sicher, dass uns das inspirieren wird, wie auch wir unser Leben wieder aufbauen können."
Stand: 06.08.2012 10:35 Uhr
