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Vor den Gedenkfeiern in Hiroshima und Nagasaki

Japans verändertes Gedenken

Seit der Katastrophe von Fukushima fordern immer mehr Japaner eine Abkehr von der Kernenergie. Die kommenden Gedenkfeiern für die Opfer der Atombomben, die auf Hiroshima und Nagasaki fielen, begünstigen diesen Protest. Nun scheint auch in der Politik ein Umdenken zu beginnen.

Von Peter Kujath, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Kritische Worte, wie die des Stadtrates von Oimachi, hört man in Japan immer häufiger: "Ein Land, das die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki erlebt hat und die Atomkatastrophe von Fukushima, kann nicht weiter auf die Kernenergie setzen. Wir dürfen nicht die Botschaft an die Welt senden, dass die Atomkraft eine Notwendigkeit ist. Nach all diesen Tragödien muss Japan zeigen, dass man die Atomkraft nicht braucht."

Verändertes Gedenken: Japan und die Anti-AKW-Bewegung
P. Kujath, ARD Tokio
05.08.2012 04:27 Uhr

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Wechsel zu alternativen Energiequellen

Vor dem 11. März 2011 wurde noch strikt getrennt. In den Friedenserklärungen von Hiroshima und Nagasaki wurde ein Verzicht auf Atomwaffen gefordert, aber die friedliche Nutzung der Kernenergie unterstützt. Im vergangenen Jahr sah das erstmals anders aus, wie Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue erklärt. "Ich habe mich gefragt, was für eine Art von Botschaft ich in dem Jahr nach der Atomkatastrophe von Fukushima übermitteln soll. Es ist das erste Mal, dass wir nicht nur aufrufen, Atomwaffen zu beseitigen, sondern auch einen Wechsel fordern, von der Atomenergie zu alternativen Energiequellen."

Zehntausende Menschen beteiligen sich an Anti-AKW-Demos.
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Zehntausende Menschen beteiligen sich seit Wochen an Anti-Atomkraft-Demos.

Es ist davon auszugehen, dass während der Gedenkfeiern in der kommenden Woche die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki diese Forderung wiederholen werden. Und sie scheint sich mittlerweile auch in Nagatacho, dem Regierungsviertel in Tokio, herumgesprochen zu haben. Einige der kleinen, im Parlament vertretenen Parteien haben sich bereits offen für einen Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen. Darunter auch die Vorsitzende der japanischen Sozialdemokraten Mizuho Fukushima. "Ich bin hier, um mit allen Anwesenden die Stimmung gegen Atomkraft zu teilen. Ich will als Mitglied des Parlaments dafür arbeiten, die Kernenergie endlich loszuwerden."

Zehntausende Demonstranten

Woche für Woche finden vor dem Büro des Premierministers in Tokio Demonstrationen statt. Die meist rund 10.000 Teilnehmer skandieren, dass man keine Atomkraft brauche. Da trotz eines sehr heißen Sommers die befürchteten Stromengpässe ausgeblieben sind, hat dieses Argument der Regierung seine Wirkung verloren. In Bezug auf die künftige Energiepolitik in Japan sprechen sich 70 bis 80 Prozent der Befragten für die Null-Lösung im Jahr 2030 aus.

Yoshihiko Noda
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Premierminister Noda will sich bald mit Anti-AKW-Demonstranten treffen.

"Meine Familie ist auseinandergerissen worden und lebt nun an unterschiedlichen Orten in Folge der Atomkatastrophe", erzählt ein Passant. "Es ist ja nun klar, dass nach einem Unfall der ursprüngliche Zustand nicht wieder hergestellt werden kann. Deswegen muss die Regierung anfangen über die Null-Lösung in Bezug auf Atomkraft zu reden." Fordert dieser Mann aus der betroffenen Präfektur Fukushima.

Erdbebenspalte unter AKW?

Zwar wurden in Japan zwei Atomreaktoren wieder angefahren, aber kurz danach hat man eine Gruppe von Wissenschaftlern eingesetzt, um eine Erdbebenspalte unter genau dieser Anlage zu untersuchen. Sollte es sich um eine aktive Spalte handeln, muss das Atomkraftwerk auf Grund bestehender Gesetze wieder stillgelegt werden. Es ist durchaus möglich, dass noch einige der verbliebenen 50 Atomreaktoren in Japan erneut ans Netz gehen, aber das wird wohl kein Dauerzustand sein.

Auch in den beiden großen Parteien werden die Stimmen lauter, die einen Ausstieg aus der Atomenergie fordern. In der kommenden Woche will sich Premierminister Noda mit Teilnehmern der wöchentlichen Demonstrationen treffen. Es scheint, als ob der Druck der Straße auch in Japan etwas bewegen kann.

Stand: 05.08.2012 05:05 Uhr

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