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Scharfe Kritik im Abschlussbericht zu Fukushima
Dem Mythos atomarer Sicherheit erlegen
Ein Untersuchungsausschuss der japanischen Regierung hat harsche Kritik am Krisenmanagement von Atombetreiber Tepco in Fukushima geübt. Die Betreibergesellschaft verschleppe weiterhin Untersuchungen und versuche, das wahre Ausmaß der Schäden am havarierten Atomkomplex zu untertreiben, heißt es im Abschlussbericht eines von der Regierung benannten Untersuchungsausschusses zum Atomunfall in Fukushima.
Außerdem hätten die Regierung und Tepco das Risiko eines Atomunfalls unterschätzt. Das Hauptproblem sei, dass die Energiekonzerne, darunter Tepco, sowie die Regierung "die Gefahr nicht als Realität erkannt" hätten, da sie "an den Mythos atomarer Sicherheit geglaubt" hätten. Die Behörden seien der Auffassung gewesen, "dass schwere Unfälle in Atomkraftwerken in Japan nicht geschehen können".
Das Regierungsgremium hegt laut Medienberichten weiterhin Zweifel daran, ob tatsächlich das Erdbeben maßgeblich die Katastrophe auslöste, bevor der Tsunami am 11. März 2011 zuschlug. Der Ausschuss hatte die Atomkatastrophe in Fukushima vom März 2011 bereits Anfang Juli als vermeidbar und deshalb als "von Menschen verursachte Katastrophe" bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals "verwundbar" gewesen.
Regierung und Tepco unterschätzten offenbar Risiken eines Atomunfalls
tagesschau 20:00 Uhr, 23.07.2012, Ulrich Mendgen, ARD Tokio
Vertuschungen über Strahlenwerte
Gestern war bekanntgeworden, dass es bei den Aufräumarbeiten in Fukushima offenbar Vertuschungen über die tatsächliche Höhe der Strahlenwerte gegeben hat.
Der Präsident der Firma Build-Up, eines Subunternehmens von Tepco, räumte ein, dass ein Vorgesetzter die neun Arbeiter angewiesen habe, die Messgeräte mit Bleiplatten abzudecken, damit eine geringere Strahlung angezeigt werde.
So konnten die Arbeiter länger in dem verstrahlten Kraftwerk eingesetzt werden. "Wir hätten das niemals tun sollen", sagte Takashi Wada dem japanischen Sender TBS.
Arbeiter mussten sich Messgerät teilen
Die japanische Regierung hatte die Obergrenze für eine Strahlenbelastung bei Notfällen nach dem Unfall vorübergehend mehr als verdoppelt, im Dezember aber wieder auf das ursprüngliche Niveau gesenkt. In den japanischen Strahlenschutzregelungen ist nunmehr ein oberer Grenzwert von 50 Millisievert pro Jahr oder 100 Millisievert über einen Zeitraum von fünf Jahren festgelegt.
Das Gesundheits- und Arbeitsministerium hatte Tepco während der ersten Monate nach der Reaktorkatastrophe wiederholt wegen der laschen Kontrolle der zulässigen Strahlenbelastung für Arbeiter in Kernkraftwerken verwarnt. Demzufolge mussten Arbeiter sich teilweise ein Dosimeter noch teilen, auch lange nachdem der Engpass bei Strahlenmessgeräten behoben war.
Die AKW-Ruine von Fukushima
Bilder der Zerstörung - aufgenommen von ferngesteuerten Drohnen
Stand: 23.07.2012 09:22 Uhr
