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Untersuchungskommission in Japan legt Bericht vor
Fukushima war "Desaster von Menschenhand"
Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima wäre vermeidbar gewesen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchungskommission des japanischen Parlaments in einem in Tokio vorgelegten Bericht. Die Katastrophe sei zwar vom Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 ausgelöst worden, dennoch könne "der folgende Unfall im Atomkraftwerk Fukushima nicht als Naturkatastrophe angesehen werden. Es war ein schwerwiegendes Desaster von Menschenhand". Der Unfall sei "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen.
"Es ist eine von Menschen verursachte Katastrophe, die sich nicht auf eine bestimmte Person bezieht", unterstrich der Vorsitzende des unabhängigen Untersuchungsausschusses, Kiyoshi Kurokawa. "Verglichen mit anderen Ländern, mit der IAEA, hat man in Japan nicht die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Daher der Begriff von Menschen verursachte Katastrophe."
Ergebnis von Kungeleien
Die Katastrophe sei das Ergebnis der Kungeleien der Regierung, der Atomaufsicht und der Betreibergesellschaft Tepco. Obwohl allen das Risiko bekannt gewesen sei und man gewusst habe, dass das AKW nicht den Sicherheitsanforderungen entspreche und einem solchen Erdbeben und Tsunami nicht standhalten konnte, sei nichts unternommen worden. Tepco selbst habe seine Mitarbeiter weder ausreichend auf Unfälle vorbereitet und geschult, noch habe es ausreichend klare Anweisungen vor Ort zum Zeitpunkt der Katastrophe gegeben.
Atomkatastrophe von Fukushima war vorhersehbar und vermeidbar
tagesschau 20:00 Uhr, 05.07.2012, Philipp Abresch, ARD Tokio
Menschen teils in stärker verstrahlte Regionen "in Sicherheit" gebracht
Die Situation hat sich dem Bericht zufolge weiter verschlimmert, weil das Krisensystem der Zentralregierung in Tokio und der betroffenen Behörden versagt hat. Die jeweiligen Verantwortlichkeiten und Aufgaben seien unklar gewesen. Zudem hätten es die Aufsichtsbehörden jahrelang versäumt, geeignete Maßnahmen für solche Krisenfälle einzuführen, was zu dem Chaos bei der anschließenden Evakuierung der betroffenen Region beigetragen habe.
Auch bei den Evakuierungsmaßnahmen gab es laut dem Bericht schwere Fehler. Bemängelt wird , dass viele Anwohner erst spät über den Unfall informiert wurden. Manche seien aber auch in Gebiete gebracht worden, die stärker verstrahlt waren als ihre Heimatorte. "Die Zentralregierung war nicht nur langsam beim Informieren der örtlichen Regierungen über den Unfall, sondern versäumte es auch, die Schwere des Unfalls zu vermitteln", urteilte die Untersuchungskommission. In Fukushima war es zu einer dreifachen Kernschmelze gekommen, mehr als 100.000 Menschen können bis heute nicht in ihre Heimat zurück.
Erster Reaktor produziert wieder Strom
Unterdessen hat die Atomstromproduktion des Landes wieder begonnen. Erstmals seit der Katastrophe begann im Meiler Oi nach Angaben des Betreiberkonzerns Kansai Electric um 7 Uhr Ortszeit wieder ein Reaktor mit der Erzeugung von Strom. Zuletzt waren alle 50 AKW in Japan zur Überprüfung abgeschaltet worden. Bis zum GAU deckten die Atomkraftwerke des Landes rund 30 Prozent des Strombedarfs.
Gegen die Entscheidung der Regierung, Reaktoren wieder hochzufahren, gab es große Proteste, so wie sie Japan bis dahin nicht gekannt hatte. Kurz vor dem Start gingen mehr als 150.000 Menschen in Tokio auf die Straße. Voraussichtlich ab kommenden Montag solle der Reaktor im AKW Oi wieder mit voller Kapazität laufen, hieß es.
Abschlussbericht der Untersuchungskommission zu Fukushima in Japan
P. Kujath, ARD Tokio
05.07.2012 15:19 Uhr
Regierung und Atomlobby hatten jedoch mit Nachdruck vor Stromausfällen in der Industrieregion um Osaka mit Folgen für die Wirtschaft gewarnt. Die Inbetriebnahme des Reaktors 3 wird den im Hochsommer bei Kansai Electric erwarteten Strommangel in der Region um die Industriestadt Osaka von 14,9 Prozent auf 9,2 Prozent verringern, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Reaktor 4 in dem AKW wird voraussichtlich am 18. Juli hochgefahren.
Stand: 05.07.2012 10:59 Uhr
