Ein harpunierter Wal wird im Atlantischen Ozean an Bord des japanischen Walfangschiffes "Yushin Maru" gezogen. | Bildquelle: dpa

Trotz internationalen Verbots Japan geht wieder auf Walfang

Stand: 01.12.2015 09:54 Uhr

Japans Walfangschiffe sind wieder Richtung Südpol unterwegs - obwohl es ein Fangverbot gibt. Tokio bezeichnet den Schritt als notwendig - für die Forschung. Kritiker werfen Japan vor, dass tatsächlich ein Großteil des Walfleisches auf den Speisetellern landet.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Hörfunkstudio Tokio.

Trotz der Proteste aus aller Welt hat Japan seine Walfänger wieder losgeschickt. Ein Hauptschiff und drei Begleitboote sind unterwegs Richtung Südpol, um Jagd auf Minkwale zu machen. Damit setzt sich Japan auch über den Internationalen Gerichtshof in Den Haag hinweg. Das höchste Gericht der Vereinten Nationen hatte das Argument der Japaner, man betreibe Walfang aus wissenschaftlichen Gründen, vor knapp zwei Jahren als Vorwand bezeichnet. In Wahrheit gehe es um kommerziellen Walfang, urteilten die Richter. Japan hatte daraufhin für eine Saison auf die Tötung der Meeressäuger verzichtet.

Bis März sollen nun maximal 333 Zwergwale gefangen werden, das wäre ein Drittel der früheren Menge. Die japanische Regierung bezeichnet das neue Programm als "notwendig", um Informationen über das Alter der Walpopulation zu erhalten. Diese brauche man, um eine Fangquote festzulegen, die keine Gefahr für das Überleben der Spezies darstelle. Japan beruft sich auf die Forschung, seit der kommerzielle Walfang von 30 Jahren weltweit verboten wurde.

Japan ist einer der größten Walfang-Nationen der Welt | Bildquelle: dpa/dpaweb
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Getöteter Wal auf japanischem Schiff (Archiv)

Vorwurf: Walfleisch landet auf dem Teller

Tatsächlich enden fast alle getöteten Tiere in Restaurants und Supermärkten. Denn es geht auch darum, die Walfangflotte auszulasten und die Tradition hochzuhalten. "Wir haben immer Walfleisch gegessen, Taiji, Wal- und Delfinfleisch", sagt ein Fischer im Küstenort. "Früher, als Kind, gab es das sogar als Mittagessen in der Schule. Aber dafür ist es jetzt zu teuer. Wir leisten uns Walfleisch nur noch einmal im Monat."

Die Nachfrage nach Walfleisch ist seit Jahren rückläufig. Jüngere Japaner haben einen anderen Geschmack entwickelt, Walfleisch gilt heute als streng und zäh. Doch früher war das anders. Wale lieferten außerdem den sogenannten Blubber, Speck, der zu Lampenöl und Schmierstoff verarbeitet wurde.

Japan nimmt Walfang in der Antarktis wieder auf
tagesschau 14.00 Uhr, 01.12.2015, Uwe Schwering, ARD Tokio

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Fangverbot seit 1986

Bis zum internationalen Fangverbot von 1986 waren viele Walarten vom Aussterben bedroht. Inzwischen hat sich die Population erholt, obwohl Japan, Island und Norwegen Gesetzeslücken nutzen, um weiter Wale zu jagen. Den so genannten Forschungsprogrammen der Japaner sind in den vergangenen 25 Jahren mindestens 10.000 Großwale zum Opfer gefallen.

Tierschützer sowie die Regierungen von Australien und Neuseeland haben scharf gegen die Wiederaufnahme des Walfangs protestiert. Für die Forschung, so der neuseeländische Umweltminister Greg Hunt, seien lebende Wale viel besser geeignet als tote. Der australische Justizminister Brandis ließ wissen, man befasse sich auf den höchsten Ebenen der Regierung mit der Angelegenheit, um Japan dazu zu bringen, seine Politik zu ändern.

Die kleine Flotte wird Ende Dezember im antarktischen Fanggebiet erwartet. Zeit genug für den Erzfeind der Japaner, die militante Schutzorganisation Sea Shepherd, den Kampf wieder aufzunehmen. Ihr Schiff "Steve Irwin" liegt im australischen Melbourne zum Auslaufen bereit.

Japan jagt wieder Wale
J. Hanefeld, ARD Tokio
01.12.2015 09:54 Uhr

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