Offenbar Ausstieg in den 2030er-Jahren geplant Japan will den Atomausstieg - in ferner Zukunft

Stand: 14.09.2012 13:40 Uhr

Yoshihiko Noda | Bildquelle: dpa
galerie

Nach Darstellung Nodas sollen "alle möglichen Maßnahmen" für den Atomausstieg getroffen werden.

Japan will schrittweise aus der Atomenergie aussteigen. Die Regierung wolle "alle möglichen Maßnahmen" ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen, wurde in Tokio nach einem Treffen von Kabinettsmitgliedern bekannt gegeben. Das gesamte Kabinett soll den Vorschlag prüfen und zu einem späteren Zeitpunkt formell beschließen. "Einer der Pfeiler der neuen Strategie ist es, eine Gesellschaft anzustreben, die so bald wie möglich nicht mehr auf Kernenergie angewiesen ist", heißt es in dem Bericht des Ausschusses. Das ist ein massiver Kurswechsel des asiatischen Landes, das bis zur Reaktorkatastrophe im AKW Fukushima I ein Verfechter der Kernenergie gewesen war.

Ein genauer Zeitpunkt des Atomausstiegs wurde allerdings noch nicht bekannt gegeben. Das von den Kabinettsmitgliedern beschlossene Energiekonzept befasst sich mit der Dekade beginnend 2030. Bis zum Ende dieses Jahrzehntes solle alle AKW vom Netz gegangen sein. Neue Meiler sollen nicht mehr gebaut werden, bestehende AKW nach einer Laufzeit von 40 Jahren abgeschaltet werden.

Gehen die alten Reaktoren wieder ans Netz?

Zuvor sollen Reaktoren, wenn die neue Regulierungsbehörde sie als sicher eingestuft habe, jedoch wieder hochgefahren werden können, gab Ministerpräsident Yoshihiko Noda bekannt. Nach dem Super-GAU in Fukushima im März 2011 waren zunächst alle Atomkraftwerke zu Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet worden. In diesem Juni war der erste Reaktor in Oi wieder angefahren worden. Das dortige AKW versorgt die Region Osaka mit Elektrizität, die im Sommer besonders viel Energie verbraucht. Der örtliche Versorger KEPCO begründete das Wiederanfahren mit drohenden Energieengpässen.

Die Wiederinbetriebnahme von überprüften Reaktoren könnte auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung treffen. Seit der Fukushima-Katastrophe formiert sich eine Anti-Atomkraftbewegung, die im Juli nach eigenen Angaben etwa 200.000 Demonstranten mobilisieren konnte. Außerdem finden wöchentlich kleinere Kundgebungen in Tokio statt. Inzwischen spricht sich die Mehrheit der Japaner in Umfragen für den Ausstieg aus der Kernkraft aus.

Noda will erneuerbare Energien ausbauen

Noda kündigte an, den Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtversorgung bis 2030 auf 30 Prozent ausbauen zu wollen. Zudem soll der Stromverbrauch bis zu diesem Zeitpunkt auf das Niveau des Jahres 2010 minus zehn Prozent gesenkt werden.

Vor dem Unglück hatte das Land ein Drittel seiner Energie aus Atomkraft bezogen und wollte diesen Wert ursprünglich auf 50 Prozent anheben.

1/46

Beben, Tsunami, Super-GAU: Chronologie der Katastrophen (11.03.-15.04.2011)

Chronologie der Katastrophen in Japan (11. März bis 15. April 2011)

Tsunami

11. März: Das stärkste jemals gemessene Erdbeben in Japan mit einer Stärke von 9,0 erschüttert die Nordostküste des Landes. Kurz nach dem Beben erreicht eine bis zu zehn Meter hohe Tsunami-Welle die Küste. Das Bild ist bei Minamisoma in der Präfektur Fukushima aufgenommen worden. | Bildquelle: AFP

Darstellung: