Seitenueberschrift
So feiert Italien den EM-Sieg
Circus Maximus für Balotelli & Co.
Zwar war es erst das Halbfinale, doch Italien feiert den Sieg gegen Deutschland schon fast wie den Gewinn des Titels. Der Präsident holt die Spieler ans Telefon, die Zeitungen überschlagen sich und in Rom wird der Circus Maximus vorbereitet. Nur vom Trainer kommt leise Kritik.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Der Jubel des italienischen Fernsehkommentators kennt keine Grenzen: "Das Spiel ist aus, wer hätte das gedacht, Italien ist im Finale, Italien viel stärker als jede Vorhersage, viel stärker als Deutschland." Direkt nach dem Schlusspfiff versinkt das ganze Land im Freudentaumel, schließlich hatte niemand mit einem Sieg gegen die eigentlich viel stärkere deutsche Elf gerechnet.
Fast alle großen italienischen Zeitungen haben einen Namen in der Schlagzeile: Mario Balotelli, der durch seine zwei Treffer Italien ins Finale geschossen hat. "Balotelli-Show, Deutschland 2 zu 1 geschlagen", so der "Corriere della sera". "Grande Italia, nicht nur Balotelli titelt die "Repubblica", "È Balotalia" - Er ist Balotalien schreibt "Tuttosport".
"Zwei Würstchen für Merkel"
Nur die rechtsgerichtete Presse versuchte nach dem Spiel, die Politik ins Spiel zu bringen. "Germania raus" titelt die Berlusconi-Zeitung "Il Giornale" auf ihrer Internetseite, Balotelli hätte Deutschland versenkt. Und "Il Libero" schreibt: "C’è solo un Supermario, due Wurstel alla Merkel" - es gibt nur einen Supermario, zwei Würstchen für Merkel.
Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano rief die Spieler nach dem Sieg erneut in der Umkleidekabine an und sagte, dieses Spiel hätte man nicht steigern können. Er finde keine Worte um zu sagen, wie großartig Italien gespielt hätte.
Italien feiert Einzug ins Finale
S. Troendle, ARD Rom
29.06.2012 01:37 Uhr
Finale im Circus Maximus
Roms Bürgermeister Alemanno hat ebenfalls gestern Abend angekündigt, für das Finale am Sonntag, den inzwischen für Großveranstaltungen aus Denkmalschutzgründen gesperrten Circus Maximus wieder freizugeben und dort Großbildleinwände aufzubauen. Auf den historischen Platz, auf dem vor 2000 Jahren Wagenrennen stattfanden, passen locker 300.000 Personen.
Der zweite Held des Abends, Nationaltorhüter Buffon, der bis auf den Elfmeter in der 90. Minute alles hielt, was von der deutschen Seite kam, verriet im italienischen Fernsehen sein Erfolgsrezept in Sachen Eigen-Motivation: "Ich sag Dir mal was: In diesen Nächten schläft man ja kaum oder gar nicht, aber nicht nur, weil man die Gegner studieren will. Ich habe letzte Nacht Youtube-Videos angeschaut, von allen Plätzen in Italien, wo das Elfmeterschießen gegen England öffentlich gezeigt wurde. Das waren eineinhalb Stunden Gänsehaut."
Ein Sieg fürs italienische Selbstbewusstsein
T. Kleinjung, ARD Rom
29.06.2012 06:54 Uhr
Leise Kritik vom Trainer
Der "Mister", Nationaltrainer Cesare Prandelli, äußerte direkt nach dem Spiel leise Kritik, auch wenn er mit der Leistung seines Teams hoch zufrieden war: "In den letzten 15 Minuten haben wir zweimal das drei zu null verpasst, aber wir haben ein außerordentliches Spiel gemacht. Wir haben das umgesetzt, von dem wir dachten, dass das die anderen in Schwierigkeiten bringen könnte. Wenn man jetzt von Italien redet, müssen alle aufpassen."
Aber auch er gibt sich vor dem Spanien-Spiel am Sonntag vorsichtig, so wie der Spielmacher der Azzurri, Andrea Pirlo. Der sagte wörtlich, freuen könne er sich erst am Sonntag, denn jetzt sei das so ein Gefühl, wie nach Rom gekommen zu sein, aber den Papst noch nicht gesehen zu haben. Benedikt hat das Spiel gestern Abend wohl verfolgt, auch wenn man nicht weiß, welcher Mannschaft er die Daumen gedrückt hat. In den Fenstern der Wohnetage des päpstlichen Palastes war jedenfalls deutlich das Flackern von Fernsehbildern zu sehen.
Stand: 29.06.2012 09:23 Uhr
