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Puppen der aussichtsreichsten Kandidaten bei den italienischen Parlamentswahlen.

Italien hat die Wahl

Bersani, Berlusconi - oder doch Monti?

Für Argumente war im italienischen Wahlkampf kaum Platz, Populisten gaben den Ton an: allen voran Berlusconi, der mit Zugeständnissen punkten will. Komiker Grillo setzt mit Aggression auf die Politikverdrossenen. Europa zittert heute und morgen mit Monti, Favorit ist der Sozialdemokrat Bersani.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der Rücktritt des Papstes hat Silvio Berlusconi einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Für Berlusconi zählen im Wahlkampf nur Sendeminuten - und da hat die sensationelle Entscheidung Benedikts selbst den in diesen Tagen omnipräsenten Silvio von der Mattscheibe verdrängt. Der Ex-Ministerpräsident und Milliardär war in den letzten Wochen täglich in Radio und Fernsehshows, um vor allem eine Botschaft loszuwerden: Ich habe ein Herz für Steuerzahler oder besser -hinterzieher.

Der Kampf Mario Montis gegen die Steuerflucht sei schädlich für die Wirtschaft des Landes, so Berlusconi: "Bei praktisch allen Luxusartikeln gibt es Umsatzeinbußen. Die Menschen, die sich das leisten können, gehen jetzt ins Ausland an die Côte d’Azur, nach Kroatien und Slowenien. Und so werden wir alle ärmer."

Bersani nach letzten Umfragen bei Parlamentswahl in Italien vorn
tagesschau 16:15 Uhr, 24.02.2013, Ellen Trapp, ARD Rom

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Berlusconi holt auf, Europa zittert mit Monti

Der Steuerwahlkampf des Silvio Berlusconi kommt überraschend gut an. In den letzten Umfragen konnte sein Bündnis immer mehr zulegen - vor allem auf Kosten von Ministerpräsident Monti. Der hat die Regierungsgeschäfte in Italien vor 14 Monaten übernommen und dem Land einen strikten Sparkurs verordnet. Das verübeln ihm viele Italiener.

Endspurt im italienischen Wahlkampf.
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Monti warnte vor griechischen Verhältnissen.

Monti dagegen sagt, man hätte gar nicht anders können als zu sparen: "Im November 2011 waren wir in derselben Situation wie Griechenland. Mit dem Verständnis und den Opfern der Italiener haben wir das abgewendet. Es wäre schrecklich, wieder rückfällig zu werden." Italien wählt, Europa zittert mit Mario Monti. Sollte Italien unter Berlusconi wieder von seinem Sparkurs abrücken, dann könnte das Land mit seinen 2000 Milliarden Euro Staatsschulden die Eurozone ernsthaft gefährden.

Italien hat die Wahl: Berlusconi, Monti oder Bersani?
T. Kleinjung, ARD Rom
24.02.2013 01:17 Uhr

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"Wer kann, versucht auszuwandern"

Doch die europäischen Dimensionen dieser Wahl interessieren die meisten Wähler nur am Rande. Seit Italien unter den Sparvorgaben der EU steht, wird überall gekürzt, gespart und gestrichen. In der Schule, an den Universitäten, bei der Rente und beim Gehalt. Gleichzeitig steigen die Steuern, die Lebenshaltungskosten und der Frust der Menschen, wie Marco Ramadori, Präsident der Verbraucherschutzorganisation Codacons, sagt: "Das ist das wahre Problem Italiens: Das soziale Gewebe wird schwächer. Wer kann, versucht auszuwandern und fehlt uns dann in Italien. Aber das ist natürlich sein gutes Recht."

Komiker Grillo setzt auf die Zornigen

Den Zorn der Italiener macht sich ein Mann zu Nutze: Beppe Grillo, ehemals Komiker, sammelt in seiner Bewegung "Fünf Sterne" all die Menschen, die von Europa im Allgemeinen und von den italienischen Politikern im Besonderen enttäuscht sind. "In Rom seht ihr sie ja jeden Tag: Gut abgeschirmt in ihren Dienstwagen ohne Kontakt zur Realität", wetter Grillo. "Man müsste auf diese Autos schreiben: Sie verlassen gerade die Realität. Die sind doch komplett abgehoben." Mit dieser Form der Antipolitik kann Grillo bei vielen Politikverdrossenen punkten. Zu seiner Abschlussveranstaltung in Rom kamen 800.000 Menschen.

Endspurt im italienischen Wahlkampf.
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Das Mitte-Links-Bündnis von Bersani lag bei den Umfragen vorn.

Das zu erwartende starke Abschneiden der Fünf-Sterne-Bewegung könnte eine Regierungsbildung erschweren. Hauptleidtragender wäre die sozialdemokratische PD, die in allen Umfragen führt. Ihr Spitzenkandidat Pierluigi Bersani warnt deshalb die Protestwähler: "Ich verstehe sehr gut, wenn man verärgert ist. Aber was machen wir mit diesem Ärger? Wollen wir jemanden unterstützen, der sagt: Raus aus dem Euro, wir zahlen unsere Schulden nicht, 20-Stunden-Woche, 1000 Euro für jeden? Dann enden wir wie Griechenland oder schlimmer."

Spricht so Italiens nächster Ministerpräsident? Das hängt ganz davon ab, wie stark die Populisten Grillo und Berlusconi abschneiden werden. Mit ersten Hochrechnungen ist am Montagnachmittag nach Schluss der Wahllokale um 15 Uhr zu rechnen.

Stand: 24.02.2013 01:56 Uhr

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