Italien fordert, dass auch andere Mittelmeer-Länder Flüchtlinge im Rahmen von "Triton" aufnehmen.

Mittelmeer-Mission Beendet Italien den Rettungseinsatz?

Stand: 11.07.2017 16:34 Uhr

Italien fordert neue Regeln für die EU-Mission "Triton" zur Rettung von Flüchtlingen: Auch andere Länder am Mittelmehr sollen in deren Rahmen Flüchtlinge aufnehmen. Rom droht damit, sonst aus dem Rettungseinsatz auszusteigen.

Von Karin Bensch, WDR-Studio Brüssel.

Im vergangenen Jahr hat die EU-Mission "Triton" nach eigenen Angaben rund 50.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Alle Schiffe und Flugzeuge der EU-Mission arbeiten unter dem Kommando des italienischen Innenministers Marco Minniti. Er fordert, dass das Triton-Mandat verändert wird. Die Schiffe sollen nicht nur Migranten in italienische Häfen bringen, sondern auch in andere an der Mittelmeerküste. 

"Triton" rettet nur schiffbrüchige Flüchtlinge

Nur schiffbrüchige Flüchtlinge werden von "Triton" gerettet.
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Nur schiffbrüchige Flüchtlinge werden von "Triton" gerettet.

Die Mission, an der sich 26 EU-Länder beteiligen, hat ausdrücklich nicht den Auftrag, aktiv nach Booten zu suchen, sondern sie hält sich an internationales Seerecht. "Triton" rettet dann Flüchtlinge, wenn sie in Seenot geraten oder Notsignale in der näheren Umgebung abgeben. All das geschieht unter dem Dach der EU-Außengrenzschutzagentur "Frontex". Derzeit wird Italien mit 350 Offizieren, elf Schiffen und fünf Flugzeugen unterstützt. Sie bewegen sich in den Hoheitsgewässern von Italien und Malta sowie bis zu 255 Kilometer südlich von Sizilien.

Malta soll mehr Flüchtlinge aufnehmen

Italien fordert, dass auch andere Mittelmeer-Länder Flüchtlinge im Rahmen von "Triton" aufnehmen. Etwa Frankreich, Spanien - oder Malta. Denn Maltas Häfen lägen Libyen am nächsten, und bislang müsse sich das kleine EU-Land nur um die Migranten kümmern, die in seine Hoheitsgewässer kommen, berichten italienische Medien. Zuvor hatte Marco Minniti bereits gefordert, dass europäische Häfen für Migranten geöffnet werden sollen, die Schiffe privater Hilfsorganisationen aus dem Mittelmeer holen und an Land bringen.

Viele EU-Länder, auch Deutschland, sind dagegen, dass in Zukunft weitere Türen für ankommende Migranten in Europa geöffnet werden. Sie befürchten einen Sog-Effekt: Es könnten sich dann noch mehr Menschen von Afrika aus auf den Weg nach Europa machen. "Eine sogenannte Regionalisierung der Rettungsaktionen der Regierungen unterstützen wir nicht", so Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Die EU-Mission "Triton" gibt es seit 2014. Sie hat ihren Namen vom griechischen Meeresgott Triton bekommen. In der Mythologie ist er der Sohn des Poseidon, dem Herrscher der Meere.

Mittelmeer-Migration: Geändertes Mandat für EU-Mission „Triton“?
K. Bensch, ARD Brüssel
11.07.2017 15:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Juli 2017 um 14:50 Uhr.

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