Rettungskräfte an dem verschütteten Hotel in den Abruzzen | Bildquelle: AP

Lawinen-Abgang in Italien Suche nach Vermissten geht weiter

Stand: 20.01.2017 07:39 Uhr

Auch in der Nacht haben Rettungskräfte an dem verschütteten Hotel in den Abruzzen nach Vermissten gesucht. Noch immer werden knapp 30 Menschen vermisst. Schnee und Kälte erschweren die Suche.

Von Stefan Troendle, ARD-Studio Rom

Vier Tote, nur zwei Überlebende - so lautet die bisherige Bilanz des Hoteleinsturzes in den Abruzzen bisher. Auch in der Nacht gingen die Bergungsarbeiten weiter. Helfer von Bergwacht, Feuerwehr und Zivilschutz suchten weiter nach Überlebenden. Noch immer werden knapp 30 Menschen vermisst. Sie werden in den Trümmern des eingestürzten Berghotels westlich von Pescara vermutet.

Nach Angaben des Hotelbesitzers wollten die Gäste nach den heftigen Erdstößen am Mittwochvormittag abreisen und warteten in der Empfangshalle, als sie von der Lawine überrascht wurden, die vermutlich durch das Erdbeben ausgelöst worden war. Ein überlebender Hotelgast hat das bestätigt:

"Meiner Meinung nach waren sie alle in dem Holzgebäude, in dem auch die Rezeption untergebracht war. Da gab es einen Kamin, und man hat sich da abends immer getroffen. Es war ja nachmittags, die waren bestimmt nicht auf ihren Zimmern."

Lawine verschüttet Hotel in Italien
tagesschau 20:00 Uhr, 19.01.2017, Ellen Trapp, ARD Rom

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Noch viele Dörfer von Außenwelt abgeschnitten

Ein Helfer sagte, die Lawine habe große Teile des vierstöckigen Gebäudes dem Erdboden gleich gemacht. Das erschwert die Suche genauso wie der viele Schnee und die Kälte. In der bergigen Gegend sind deswegen immer noch viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten. Nach dem Erdbeben abgegangene Erdrutsche machen die Lage noch komplizierter.

In der Gegend von Teramo werden ebenfalls noch zwei Vermisste gesucht. Weit mehr als 100.000 Menschen in den Regionen Abruzzen und Marken sind immer noch ohne Strom. Es soll zwar erst in den nächsten Tagen wieder Neuschnee geben, aber es wird etwas wärmer, was die Lage zunächst erschwert.

"Man muss entscheiden: Auf allen Dächern liegt extrem viel Schnee, will man den dann räumen, um die Dächer leichter zu machen? Das ist sehr gefährlich, weil es andauernd Nachbeben gibt. Man muss also sehr gut abwägen", sagte Zivilschutzsprecherin Titti Postiglione.

Lawine verschüttet Hotel in Italien | Bildquelle: AFP
galerie

Ein Screenshot aus einem Video der Guardia di Finanza zeigt, wie sich die Lawine in das Hotel gedrückt hat.

Erste Notrufe nicht ernst genommen?

Das italienische Radio berichtet inzwischen, dass Polizei und Rettungsdienste die ersten Notrufe nach dem Lawinenunglück nicht ernst genommen haben sollen. Einer der beiden überlebenden Hotelgäste hatte seinen Arbeitgeber per Kurznachricht gebeten Alarm zu schlagen, aber ihm wurde nicht geglaubt. Erst nach einer Stunde wurden dann die Helfer losgeschickt. Unabhängig davon leitete die Staatsanwaltschaft Pescara inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein.

Suche nach Verschütteten geht weiter
S. Troendle, ARD Rom
20.01.2017 07:10 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 20. Januar 2017 um 05:24 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

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