Raggi

Bürgermeister-Stichwahlen in Italien Fünf Sterne übernehmen Rom und Turin

Stand: 20.06.2016 04:14 Uhr

In Rom und Turin ziehen Kandidaten der Fünf-Sterne-Bewegung in die Rathäuser ein. Vor allem der Wahlerfolg von Virginia Raggi in der italienischen Hauptstadt ist ein Symbol für den Erfolg der Protestbewegung. Ministerpräsident Renzi dürfte in Bedrängnis geraten.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die Anhänger der Fünf-Sterne-Bewegung haben in der Nacht in der römischen Altstadt ein spontanes Straßenfest organisiert. Dass Virginia Raggi die Stichwahl in Rom gewinnt, hatten viele gehofft. Dass die Fünf-Sterne-Bewegung auch noch eine zweite Großstadt, Turin, erobert, ist eine Überraschung.

In Turin hat Chiara Appendino eine gewaltige Aufholjagd hingelegt und Piero Fassino geschlagen, der allgemein als ebenso kompetent wie Renzi-treu gilt. Der Abstand zwischen beiden beträgt nun fast zehn Prozent.

Chiara Appendino
galerie

In Turin setzte sich Chiara Appendino in der Stichwahl gegen den amtierenden demokratischen Bürgermeister Piero Fassino durch.

Aber vor allem die Wahl in Rom ist ein Symbol für den Aufstieg der Fünf Sterne. Mit Virginia Raggi regiert nicht nur erstmals eine Frau. Die Fünf Sterne haben die Hauptstadt erobert, deren Verfall, Korruption, Inkompetenz und Ineffizienz das ganze Land erschüttern. Raggi weiß, dass sie die ganz dicken Bretter bohren muss: "Wir werden dafür arbeiten, wieder Legalität und Transparenz in die Institutionen zu tragen. Nach mehr als 20 Jahren schlechter Regierung und nach 'Mafia Capitale' gab es diese Prinzipien in der Leitung der Verwaltung nicht mehr. Wir bringen sie zurück ins Zentrum, für die politischen Entscheidungen. Mit uns beginnt eine neue Ära."

Erfolge für Fünf-Sterne-Bewegung in Italien
tagesschau 12:00 Uhr, 20.06.2016, Katja Rieth, ARD Rom

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Niederlage für Renzi

Für Ministerpräsident Matteo Renzi bedeutet der Sieg der Fünf Sterne in Rom und in Turin eine Niederlage. Auch wenn er sich aus dem Wahlkampf weitgehend herausgehalten hatte und man in der Partito Democratico (PD) nun versucht, die Bedeutung des Wahlergebnisses für das ganze Land herunterzuspielen.

Für Luigi di Maio, der noch keine 30 aber schon eine Führungskraft bei den Fünf Sternen ist, hat die PD auf das falsche Pferd gesetzt, auch inhaltlich: "Die anderen haben von Olympia gesprochen, vom Referendum und vom Wahlgesetz. Wir haben über den Nahverkehr gesprochen, Jugendarbeitslosigkeit, Stadtreinigung und Schuldenabbau. Wir haben eine politische Klasse der alten Parteien, die umso mehr Karriere macht, je öfter sie verurteilt wurde."

Immerhin: Renzis Kandidat Beppe Sala wird neuer Bürgermeister von Mailand - wenn auch nur mit knappem Vorsprung. Renzi wird diese Kommunalwahlen dennoch schnell abhaken. Er hat längst die nächste große Hürde in den Blick genommen: das Referendum über die Verfassungsreform im Oktober. Renzi hat es mit seiner Person verbunden und will zurücktreten, wenn es scheitert. Diese Entscheidung war möglicherweise ein Fehler, denn der Glanz des Verschrotters bröckelt.

Bürgermeister-Stichwahlen in Italien
tagesthemen 23:15 Uhr, 19.06.2016, Richard C. Schneider, ARD Rom

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Der immer noch junge Ministerpräsident sieht angesichts der Wahlergebnisse schon jetzt alt aus, meint Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega Nord: "Noch beunruhigender für Renzi ist die Entscheidung in Turin. Die Stadt wurde seit dem Krieg bis heute immer von der Linken regiert. Wenn der Protest sich auch in Turin und nicht nur in Rom Bahn bricht, dann wünsche ich den neuen Bürgermeistern in Turin und Rom alles Gute. Aber wenn ich Renzi wäre, würde ich mir ein paar Fragen stellen."

Geringe Wahlbeteiligung

Aber Selbstzweifel sind Renzis Sache nicht. Und so könnte er darauf hoffen, dass Raggi in Rom, dieser schwer regierbaren Stadt, scheitert. Denn dann stünde Renzis PD gleich wieder viel besser da. Die Wahlbeteiligung freilich macht keine Hoffnung. Fast 50 Prozent der Wahlberechtigten haben ihre Stimme bei der Kommunalwahl nicht abgegeben. Viele von ihnen haben keine Hoffnung mehr in die Politik - egal wer Bürgermeister und wer Regierungschef ist.

Kommunalwahlen in Italien: Fünf Sterne übernehmen Rom und Turin
J. Kitzler, ARD Rom
20.06.2016 03:23 Uhr

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