Festnahme eines Verdächtigen am 26.03.16 durch die italienische Polizei in Belizzi nahe Neapel | Bildquelle: AP

Netzwerke von Terroristen und Kriminellen Die Passfälscher von Neapel

Stand: 27.03.2016 20:37 Uhr

Die Festnahme eines gesuchten Passfälschers in Italien lenkt den Blick auf die Metropole Neapel. Sie und ihre Umgebung gelten als Hochburg von Dokumentenfälschern für Kriminelle und Terroristen.

Von Sarah Zerback, ARD-Studio Rom

Neapel ist nicht nur die italienische Metropole der Kriminalität, es ist auch ein wahres Kaufhaus für gefälschte Dokumente. Seit Jahren berichten italienische Medien immer wieder über kriminelle Banden, die vom Mezzogiorno aus internationale Terroristen mit falschen Papieren für die Aus- und Weiterreise versorgen. Unter anderem soll so einer der Täter der Bombenanschläge von Madrid 2004 mithilfe einer falschen Identität weitergereist sein. Um die Rohlinge zu bekommen, bestechen die Fälscher demnach Mitarbeiter der Stadt, die sie dann bedrucken. Insidern zufolge gibt es einen falschen Ausweis schon ab 300 Euro, gefälschte Pässe kosten das Zehnfache.

Helfer der Terroristen waren vor Ort

Nach Angaben der Behörden nutzen besonders Terroristen aus Algerien die Stadt und deren Umland als logistische Basis für Waffen und gefälschte Dokumente. In Neapel befindet sich das Konsulat des nordafrikanischen Landes, die algerische Gemeinde ist dort fest verwurzelt.

Und ganz in der Nähe sollen sich auch Helfer der jüngsten Anschläge in Brüssel und Paris aufgehalten haben. In der Nacht auf Sonntag hat die italienische Polizei in Bellizzi, etwa 70 Kilometer südlich von Neapel, einen Algerier festgenommen, der Pässe für die mutmaßlichen Attentäter gefälscht haben soll.

Verdächtiger hatte Kontakt zu Brüssel-Attentätern

Der 40-Jährige Djamal Eddine O. soll laut Behörden zu einer Bande gehören, die mit den Terrorverdächtigen in Verbindung stand. Bei einer Razzia in einer Fälscherwerkstatt hat die Polizei hunderte Digitalfotos gefunden. Darunter auch Aufnahmen von drei Männern, die die Attentate von Paris am 13. November geplant haben sollen. Und auch einer der mutmaßlichen Brüssel-Attentäter wurde demnach entdeckt.

Auslieferung nach Belgien wird vorbereitet

Ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten war der Algerier nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa, weil seine Aufenthaltsgenehmigung geprüft wurde. Bereits seit Januar sei nach einem Mann seines Namens mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Noch in den kommenden Tagen soll er nach Belgien ausgeliefert werden.

Fälscherhochburg für internationale Terroristen im Mezzogiorno
Sarah Zerback, ARD Rom
27.03.2016 19:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2016 um 23:12 Uhr.

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