Flaggen am Flughafen auf Halbmast

Anschlag auf Atatürk-Flughafen Türkische Regierung verdächtigt den IS

Stand: 29.06.2016 12:31 Uhr

Nach dem Anschlag auf den Istanbuler Flughafen fahndet die Polizei nach den Hintermännern. Laut türkischer Regierung gibt es Hinweise auf drei Selbstmordattentäter der IS-Miliz. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 41. Auch eine Deutsche wurde verletzt.

Die türkische Regierung vermutet Terroristen des "Islamischen Staates" hinter dem verheerenden Anschlag auf den Atatürk-Flughafen der türkischen Millionenmetropole Istanbul. Erste Hinweise deuteten darauf hin, dass der IS Urheber des Angriffs sei, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim.

Nach Angaben der türkischen Behörden stieg die Zahl der Todesopfer auf 41. Unter ihnen seien auch 13 Ausländer. Mehr als 250 weitere seien zudem verletzt worden, darunter etwa 40, die auf Intensivstationen behandelt werden. Auch eine Deutsche befinde sich derzeit im Krankenhaus, erklärte das Auswärtige Amt. Es gebe aber keine Hinweise, dass Deutsche unter den Todesopfern seien. Aus aktuellem Anlass sendet Das Erste um 20:15 Uhr einen Brennpunkt.

Drei Selbstmordattentäter

Bei einem Besuch des Tatorts sagte Yildirim, laut bisherigen Erkenntnissen hätten die drei Selbstmordattentäter zunächst das Feuer eröffnet und sich dann in die Luft gesprengt. Sie seien per Taxi zum Flughafen gekommen. Angaben zu ihrer Identität machte er nicht. Auf die Frage, ob ein möglicher vierter Attentäter entkommen sei, antwortete er, es gebe keine entsprechenden Erkenntnisse, aber die Behörden gingen jeder Spur nach. Der Regierungschef bestritt, dass es an dem Flughafen Sicherheitsmängel gebe.

Aus türkischen Regierungskreisen hieß es, keiner der drei Selbstmordattentäter habe die Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals passiert. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuten dagegen darauf hin, dass einer oder mehrere Angreifer auch in den Innenbereich des Terminals gelangten.

Im türkischen Fernsehen ausgestrahlte Bilder zeigen, wie ein Attentäter im Terminalgebäude zu Boden geht - offenbar getroffen vom Schuss eines Polizisten. Liegend zündet er einen Sprengsatz. Die Bilder einer anderen Kamera zeigen einen massiven Feuerball am Eingang zu dem Terminal. Die Detonation ließ Flughafenbesucher in Panik davonlaufen. An dem Gebäude entstand beträchtlicher Sachschaden.

Erdogan: "Anschlag galt allen Menschen"

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte die Attacke scharf und forderte die Welt zum entschlossenen Handeln gegen den Terrorismus auf: "Ich hoffe, dass der Anschlag am Istanbuler Flughafen auf der ganzen Welt, allen voran in den westlichen Staaten, ein Meilenstein, ein Wendepunkt für den gemeinsamen Kampf gegen die Terrororganisationen sein wird." Der Angriff habe nicht nur 79 Millionen Türken, sondern allen Menschen gegolten: "Jeder soll wissen, dass die Terrororganisationen nicht unterscheiden zwischen Istanbul und London, Ankara und Berlin, Izmir und Chicago, Antalya und Rom."

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern ihre Anteilnahme aus. Sie sei erschüttert über "diese neuen und hinterhältigen Akt des Terrorismus", sagte sie am Rande des EU-Gipfels in Brüssel: "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk von hier aus sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich "entsetzt" über die Nachrichten aus Istanbul. "Unsere Gedanken gelten in diesen Stunden den Menschen in der Türkei", schrieb er auf Twitter.

Türkei vermutet IS hinter Terroranschlag auf Flughafen
tagesschau 16:00 Uhr, 29.06.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Atatürk-Flughafen wieder in Betrieb

Der Flugverkehr wurde in der Nacht vorübergehend komplett eingestellt. Inzwischen ist der Flughafen aber wieder geöffnet. Der Atatürk-Airport, der im europäischen Teil Istanbuls liegt, ist der größte der Türkei. Er lag 2015 weltweit auf Platz elf der verkehrsreichsten Airports der Welt und hat mit 61 Millionen Fluggästen im Jahr ein Passagieraufkommen, das mit dem des Frankfurter Flughafens vergleichbar ist.

Der Angriff sorgt dennoch für massive Störungen im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen vom oder zum Atatürk-Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche Reisende vor dem Airport gestrandet, die vor der Attacke aus dem Terminal geflohen waren. Nach den Selbstmordanschlägen gibt es laut der Nachrichtenagentur dpa keine Flüge von Berlin-Tegel nach Istanbul. Der Flugverkehr zwischen Frankfurt und Istanbul ist kaum beeinträchtigt.

oliver mayer-rüth @oliverreporter
Eindrücke vom #IstanbulAtaturkAirport heute morgen nach dem schrecklichen Anschlag #Terror #Türkei #Turkey https://t.co/BBRy08CTyi

Viele Anschläge in den vergangenen Monaten

In der Türkei hatte es in den vergangenen Monaten eine Reihe von Attentaten gegeben. Für diese machte die Regierung in Ankara meist die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) oder die Terrormiliz "Islamischer Staat" verantwortlich. In Istanbul war erst Anfang des Monats ein Anschlag auf einen Polizeibus verübt worden. Sechs Polizisten und fünf Zivilisten wurden dabei getötet. Zu dem Anschlag bekannte sich die kurdische Rebellengruppe "Freiheitsfalken Kurdistans" - TAK. Sie warnte bereits damals Touristen, die Türkei sei nicht länger sicher für sie.

Die USA hatten schon im April ihre Bürger zu extremer Vorsicht aufgerufen. Es gebe "glaubwürdige Drohungen" gegen Touristenziele in der Türkei, vor allem an öffentlichen Plätzen in Istanbul und im Badeort Antalya. Auch das Auswärtige Amt in Berlin warnte "in allen Teilen der Türkei grundsätzlich" vor einer "terroristischen Gefährdung". Reisenden in Istanbul, Ankara und anderen Großstädten wird zu "erhöhter Vorsicht" geraten.

Auswärtiges Amt: Neue Sicherheitshinweise - aber keine Reisewarnung
J. Lückoff, ARD Berlin
29.06.2016 14:30 Uhr

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