Polizisten sperren eine Straße ab | Bildquelle: dpa

Nach Selbstmordattentat in Istanbul Gab es vor dem Anschlag Terrorwarnungen?

Stand: 13.01.2016 10:16 Uhr

Galt der Terroranschlag in Istanbul gezielt Deutschen? Laut der türkischen Zeitung "Hürriyet" soll es vor dem Anschlag Terrorwarnungen gegeben haben. Bundesinnenminister de Maizière ist auf dem Weg in die Türkei. Das russische Generalkonsulat in Antalaya bestätigte inzwischen, dass drei Russen mit angeblichen Verbindungen zum IS gefasst wurden.

Gegen wen richtete sich der Terroranschlag in Istanbul mit acht toten Deutschen? Bislang liegt der Bundesregierung kein Hinweis vor, dass der Anschlag gezielt Deutschen galt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist auf dem Weg nach Istanbul. Er wird den Tatort besuchen und will sich bei einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Efkan Ala ein Bild von der Lage machen. Ein Attentäter hatte sich gestern mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft gesprengt.

Steckt der IS hinter dem Anschlag?

Inzwischen wurden offenbar drei russische Staatsbürger mit angeblichen Verbindungen zur Extremistenmiliz IS in Antalaya gefasst. Wie die russische Nachrichtenagentur RIA berichtet, bestätigte das russische Konsulat die Verhaftungen. Demnach stellte die Polizei in deren Unterkunft auch zahlreiche Dokumente und CDs sicher, meldete die Dogan News Agency. Ob die Festnahmen in direktem Zusammenhang mit dem Anschlag von Istanbul stehen, ist noch unklar.

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, mit Informationen zum Anschlag
ARD-Morgenmagazin, 13.01.2016

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Der Selbstmordattentäter von Istanbul stammt offenbar aus Saudi-Arabien. Er sei im Königreich geboren worden, habe das Land aber bereits 1996 im Alter von acht Jahren mit seiner Familie verlassen, zitierte die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" einen Sprecher des saudischen Innenministeriums. Der 27 Jahre alte Nabil Fadli habe die syrische Staatsbürgerschaft gehabt.

Kurz nach dem Anschlag hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan einen "Selbstmordattentäter syrischer Herkunft" für die Tat verantwortlich gemacht. Laut der türkischen Regierung hatte der 1988 geborene Täter einen Bezug zum IS und reiste erst kürzlich aus Syrien in die Türkei ein.

Galt der Anschlag westlichen Touristen?

Der SWP-Experte Günter Seufert hielt im ARD-Brennpunkt die Version eines IS-Attentäters für glaubhaft. Ähnlich äußerte sich der Terrorexperte Peter Neumann in den tagesthemen. Laut Neumann galt das Attentat eher westlichen Touristen, denn gezielt deutschen Touristen. Zudem sei es ein Zeichen, dass der IS die Türkei mittlerweile als "aktiven Feind" begreife. Allerdings habe sich die Terrormiliz noch nicht zu dem Istanbul-Anschlag bekannt.

Acht Deutsche sterben bei Terroranschlag in Istanbul
ARD-Morgenmagazin, 13.01.2016, Michael Schramm, ARD Istanbul

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Medien: Warnung des türkischen Geheimdienstes

Wie die Zeitung ""Hürriyet" berichtete, hatte der türkische Geheimdienst MIT vor Terrorangriffen unter anderem auf Touristen im Land gewarnt. Die Hinweise vom 17. Dezember und 4. Januar seien an Sicherheitsbehörden im ganzen Land gegangen. In den Warnungen habe es geheißen, IS-Attentäter seien ins Land eingedrungen und planten Selbstmordanschläge "auf in der Türkei lebende Nichtmuslime, Ausländer, Tourismusregionen, von ausländischen Besuchern stark frequentierte Orte oder auf Botschaften und Konsulate der entsprechenden Länder und auf NATO-Einrichtungen im Land".

Details über Herkunft der Opfer

Die Behörden gaben unterdessen Einzelheiten zur Herkunft der Opfer bekannt: Fünf der acht getöteten Deutschen kommen aus Rheinland-Pfalz und Brandenburg, einer aus Hessen. Sie gehörten zu einer Reisegruppe, die eine Drei-Länder-Tour eines Berliner Unternehmens "Lebenslust" gebucht hatte. Neun weitere Bundesbürger wurden zum Teil schwer verletzt. Insgesamt starben neben dem Attentäter zehn Menschen, 15 wurden verletzt.

Kostenlose Stornierungen für Touristen

Mehrere deutsche Reiseunternehmen räumten Kunden die Möglichkeit ein, ihre Türkei-Reisen kostelos zu stornieren. Jedes Jahr reisen etwa vier Millionen deutsche Touristen in die Türkei. "Das Jahr 2016 können wir wohl vergessen", zitierten örtliche Medien einen Fremdenverkehrsunternehmer. Das Auswärtige Amt passte seine Reisehinweise für die Türkei umgehend an und empfahl Touristen, große Menschenansammlungen zu meiden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Januar 2016 um 10:15 Uhr.

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