Polizisten in Istanbul | Bildquelle: dpa

Acht tote Deutsche bei Anschlag in Istanbul Offene Fragen nach dem Tag des Terrors

Stand: 13.01.2016 00:46 Uhr

Der Terroranschlag von Istanbul richtete sich offenbar gezielt gegen westliche Touristen. Acht Mitglieder einer deutschen Reisegruppe starben. Doch auch wenn die türkische Regierung den IS verantwortlich macht, bleiben Fragen nach den Hintergründen offen.

Nach dem Anschlag von Istanbul mit bisher zehn Toten bleiben viele offene Fragen. Wer ist für den Anschlag verantwortlich? War die deutsche Reisegruppe als Opfer bewusst gewählt? Wie konnte die türkische Regierung den Attentäter so schnell identifizieren?

Klar ist bislang: Acht der zehn Opfer der Explosion kamen aus Deutschland. Neun weitere Bundesbürger wurden zum Teil schwer verletzt. Die Gruppe von Pauschaltouristen war mit einem Berliner Reiseanbieter unterwegs. Istanbul sollte ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Dubai sein. Vor der Blauen Moschee, in der Nähe des ägyptischen Obelisken, endete ihr Urlaub jäh.

Bisher ist bekannt, dass unter den deutschen Opfern zwei Männer und eine Frau aus Rheinland-Pfalz sind. Das teilten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz mit. Unter den Opfern ist nach Regierungsangaben zudem ein Ehepaar aus Brandenburg.

Acht Deutsche sterben bei Terroranschlag in Istanbul
nachtmagazin 00:30 Uhr, 13.01.2016, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Täter soll Syrer sein - Nachrichtensperre in der Türkei

Schon Stunden nach dem Anschlag machte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen "Selbstmordattentäter syrischer Herkunft" für die Tat verantwortlich. Laut Augenzeugen hatte er sich gezielt in der Nähe der deutschen Touristen in die Luft gesprengt. Später wurden Details über den Mann bekannt: Laut der türkischen Regierung hatte der 1988 geborene Täter einen Bezug zum IS und reiste erst kürzlich aus Syrien in die Türkei ein.

Die türkische Nachrichtenagentur DHA berichtete dagegen, der Attentäter stamme aus Saudi-Arabien. Wegen der verhängten Nachrichtensperre dringen derzeit jedoch keine neuen Informationen an die Öffentlichkeit. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der "nationalen Sicherheit" diene.

Der SWP-Experte Günter Seufert hielt im ARD-Brennpunkt die Version eines IS-Attentäters für glaubhaft. Für Seufert ist sogar ein Bezug zu den gewaltsamen Übergiffen auf Frauen in Köln denkbar. Denn der IS wolle Ressentiments in der deutschen Gesellschaft schüren.

Steinmeier: "Seit Jahren nicht mehr so schwer vom Terror getroffen"

Besonders bestürzt reagierten deutsche Politiker auf den Anschlag: "Seit vielen Jahren hat uns Deutsche der Terror nicht mehr so schwer getroffen wie heute in Istanbul", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Die Kanzlerin sprach den Hinterbliebenen ihr Beileid aus. "Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja, sie sind Feinde aller Menschlichkeit", sagte Angela Merkel in Berlin.

Das Bundeskabinett kam wegen des Terroranschlags in der Türkei zu einer Sondersitzung zusammen.

Trauer im Kabinett | Bildquelle: dpa
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Trauer statt Abendessen: Das Bundeskabinett traf sich am Abend zu einer Sondersitzung.

Kostenlose Stornierungen für Touristen

Mehrere deutsche Reiseunternehmen räumten Kunden die Möglichkeit einer kostenlosen Stornierung ihrer Türkei-Reisen ein. Jedes Jahr reisen etwa vier Millionen deutsche Touristen in die Türkei. "Das Jahr 2016 können wir wohl vergessen", zitierten örtliche Medien einen Fremdenverkehrsunternehmer.

Das Auswärtige Amt passte seine Reisehinweise für die Türkei umgehend an und empfahl Touristen, große Menschenansammlungen zu meiden. Bundesinnenminister Thomas de Maizière reist heute in die Türkei. Der Minister wolle in Istanbul seinen türkischen Amtskollegen Efkan Ala treffen und sich ein Bild von der Lage machen, sagte eine Sprecherin des Innenressorts der Nachrichtenagentur dpa.

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