Der türkische Präsident Erdogan hält eine Rede an die Nation. | Bildquelle: dpa

Nach Anschlag in Istanbul Erdogan warnt vor Spaltung der Türkei

Stand: 04.01.2017 18:52 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan hat das Land nach dem Anschlag in einem Istanbuler Club zur Geschlossenheit aufgerufen. Er werde eine Spaltung der Gesellschaft nicht zulassen. Derweil machten die Ermittler bei der Suche nach dem flüchtigen Todesschützen offenbar Fortschritte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Land im Angesicht des Terrors zu Geschlossenheit und Einigkeit aufgerufen. In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem Anschlag auf einen Istanbuler Club in der Silvesternacht erklärte Erdogan, Ziel der Tat sei es gewesen, das Land zu spalten. "Aber wir werden nicht darauf hereinfallen", so Erdogan. Ausdrücklich erklärte er, die Lebensweise jedes Einzelnen schützen zu wollen: "In der Türkei ist die Lebensweise von niemandem systematisch bedroht. Das würden wir nie zulassen", sagte Erdogan.

Identität des Täters geklärt

Derweil machten die Ermittler Fortschritte. So konnte die Identität des flüchtigen Attentäters von Istanbul offenbar geklärt werden. Das bestätigte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in einem Fernsehinterview, ohne nähere Angaben zu machen. Der Sender CNN Türk hatte berichtet, der Täter komme aus Kirgistan. In Sicherheitskreisen hatte es geheißen, er verfüge über Kampferfahrung und sei möglicherweise in Syrien ausgebildet worden.

CNN Türk meldet zudem, dass in Izmir Wohnungen von Usbeken und Kirgisen durchsucht wurden. Dabei habe die Polizei 30 Pässe gefunden und 20 Verdächtige festgenommen - darunter mindestens fünf mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Fahndungsfoto des Hauptverdächtigen des Attentats von Istanbul | Bildquelle: dpa
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Die Polizei hat dieses Fahndungsfoto veröffentlicht.

Verbindung zum "IS"?

Die festgesetzten Personen stünden im Verdacht, in das Neujahrs-Attentat auf den Istanbuler Nachtclub "Reina" verwickelt zu sein, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Am Vortag hatten die Behörden Fahndungsbilder des mutmaßlichen Attentäters veröffentlicht. Die Ermittler schließen Berichten zufolge nicht aus, dass der Mann mit der mutmaßlichen IS-Zelle zusammenhängt, die im vergangenen Juni den dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen mit 47 Toten verübt haben soll.

Türkei verlängert Ausnahmezustand

Am Dienstagabend hatte die Türkei den geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April verlängert. Das Parlament in Ankara stimmte dem Antrag der Regierung auf Verlängerung zu. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus begründete den Antrag während der emotional geführten Debatte unter anderem mit anhaltenden terroristischen Angriffen.

Erdogan hatte den Ausnahmezustand kurz nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 ausgerufen. Nach der ersten Verlängerung vom Oktober würde er in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar eigentlich auslaufen.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. Januar 2017 um 17:15 und 18:00 Uhr.

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