Das Parlament in Ankara stimmt der Verlängerung des Ausnahmezustandes zu | Bildquelle: AFP

Kampf gegen Terror Türkei verlängert Ausnahmezustand

Stand: 03.01.2017 22:29 Uhr

Die türkische Regierung hat den Ausnahmezustand bis zum 19. April verlängert. Das Parlament stimmte am Abend einem entsprechenden Antrag zu. Unterdessen nahm die Polizei am Istanbuler Flughafen in Zusammenhang mit dem Anschlag offenbar zwei Ausländer fest.

Nach dem Terroranschlag auf den Istanbuler Nachtclub Reina mit 39 Toten und 69 Verletzten in der Silvesternacht ist der geltende Ausnahmezustand bis zum 19. April verlängert worden. Das Parlament in Ankara stimmte dem Antrag der Regierung auf Verlängerung um weitere drei Monate am späten Dienstagabend zu. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus begründete den Antrag während der emotional geführten Debatte unter anderem mit anhaltenden terroristischen Angriffen.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Ausahmezustand kurz nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 ausgerufen. Nach der ersten Verlängerung vom Oktober würde er in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar eigentlich auslaufen.

Zwei neue Festnahmen am Flughafen

Unterdessen hat die Polizei nach übereinstimmenden Medienberichten am Istanbuler Flughafen Atatürk in Zusammenhang mit dem Anschlag zwei Ausländer festgenommen. Sie seien am Eingang des Abflugterminals festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

Anschließend seien sie zur Befragung ins Polizeihauptquartier von Istanbul gebracht worden. Angaben zur Nationalität der beiden Verdächtigen machte die Agentur nicht. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, sie würden verdächtigt, Verbindungen zu dem untergetauchten Angreifer zu haben.

Fahndungsfoto des Hauptverdächtigen des Attentats von Istanbul | Bildquelle: dpa
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Die Polizei hat dieses Fahndungsfoto veröffentlicht.

Die Behörden veröffentlichten am Morgen Fahndungsbilder des mutmaßlichen Attentäters. Ob er Helfer hatte oder Teil eines größeren Netzwerks ist, ist bisher nicht bekannt. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Die Ermittler schließen Berichten zufolge nicht aus, dass der Mann mit der mutmaßlichen IS-Zelle zusammenhängt, die im vergangenen Juni den dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen mit 47 Toten verübt haben soll.

Täter kämpfte womöglich in Syrien

Türkische Zeitungen berichten zudem, es gebe Vermutungen, wonach der flüchtige Attentäter aus Kirgistan oder Usbekistan stamme. Die Zeitung "Habertürk" schreibt, der Täter gehöre zur Minderheit der Uiguren. Laut "Hürriyet" soll er in Syrien gekämpft und dann mit Frau und zwei Kindern ins anatolische Konya gezogen sein.

Seine Frau sei unter den Verdächtigen, die bereits festgenommen wurden. Nach einem Bericht der türkischen Zeitung "Hürriyet" unter Berufung auf die Polizei will sie von möglichen Sympathien ihres Mannes für den IS nichts gewusst haben. Von dem Anschlag habe sie aus dem Fernsehen erfahren.

Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus hatte im Fernsehen zu der Fahndung gesagt: "Wir haben bereits die Fingerabdrücke des Täters und wir wissen, wie er aussieht. Die Behörden arbeiten an der Identifizierung des Täters." Man hoffe, sehr bald nicht nur "diesen Terroristen" zu fassen, sondern auch seine möglichen Helfer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2017 u.a. um 12:00 Uhr und um 20:00 Uhr.

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