Menschen stehen an einem Sarg in Istanbul. | Bildquelle: REUTERS

Anschlag in Istanbul Viele Opfer aus arabischen Ländern

Stand: 01.01.2017 21:53 Uhr

Nach dem Anschlag in Istanbul mit 39 Toten läuft eine Großfahndung nach dem Täter, der in einem Nachtclub um sich schoss. 24 der Todesopfer sind Ausländer - die meisten von ihnen stammen offenbar aus arabischen Ländern.

Nach dem Terroranschlag auf den Istanbuler Nachtclub Reina läuft die Fahndung nach dem Täter. Parallel dazu werden die 39 Todesopfer identifiziert. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu ist dies bei vier Menschen noch nicht gelungen.

Von den 35 identifizierten Toten sind demnach elf türkische Staatsangehörige, die anderen 24 sind Ausländer verschiedener Nationalitäten. Laut der türkischen Familienministerin Fatma Betul Sayan Kaya kommen viele der Opfer aus arabischen Ländern. Sie nannte Saudi-Arabien, Marokko, Libanon und Libyen als Herkunftsländer. Die türkische Agentur Dogan berichtet, Opfer stammten zudem aus Indien, Tunesien, Syrien, dem Irak und Kanada.

Nach unbestätigten Angaben türkischer Medien wurden unter anderen sieben Menschen aus Saudi-Arabien und vier aus dem Irak getötet.

Auswärtiges Amt mit türkischen Behörden in Kontakt

Die Außenministerien der jeweiligen Länder bestätigten, dass drei Jordanier, drei Libanesen, eine junge Israelin, ein belgischer Staatsbürger sowie eine Frau mit französischem und tunesischem Pass getötet wurden.

Das Auswärtige Amt klärt derzeit, ob Deutsche unter den Opfern sind und steht dazu in "engem Kontakt" mit den türkischen Behörden.

Täter ist weiter flüchtig

Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach dem flüchtigen Täter. "Die Suche nach dem Terroristen geht weiter. So Gott will, wird er in Kürze gefangen genommen", sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu. Über die Zahl der Attentäter hatte es zunächst Verwirrung gegeben. Die Zeitung "Hürriyet" berichtete unter Berufung auf Augenzeugen zunächst von mehreren Angreifern, die Arabisch gesprochen hätten.

Der Täter habe vor dem Club zunächst gegen 1.15 Uhr (Ortszeit) einen Polizisten und einen Zivilisten getötet und sei anschließend mit einer Langwaffe ins Reina gegangen, sagte Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin. Dort habe der Schütze "in einer sehr grausamen und gnadenlosen Art auf unschuldige Menschen gefeuert, die dort das Neue Jahr feierten und Spaß hatten". Schätzungsweise 600 Menschen waren zum Tatzeitpunkt in der Diskothek, die direkt am Bosporusufer liegt.

Der Nachtclub "Reina"

Der schicke Istanbuler Nachtclub "Reina" ist eine Institution des Nachtlebens in der Bosporus-Metropole. Der direkt am Wasser unterhalb einer der drei großen Brücken über die Meerenge gelegene Club, der über mehrere Restaurants, Tanzflächen und eine zentrale Bar verfügt, ist seit seiner Eröffnung 2002 beim türkischen Jetset, Prominenten sowie ausländischen Touristen sehr angesagt.
Sowohl Fußballspieler als auch türkische Fernsehstars verkehren im "Reina", in das nur ein ausgewähltes, zahlungskräftiges Publikum gelassen wird. Die Partys in dem Club auf der europäischen Seite von Istanbul, von dem sich ein spektakulärer Blick über den Bosporus auf die Lichter der asiatischen Seite bietet, beginnen oft erst nach Mitternacht und enden zumeist in den frühen Morgenstunden.

Gouverneur Sahin sprach wie Innenminister Soylu von einem "Terrorangriff", sagte aber nichts zu den möglichen Drahtziehern.

Laut ARD-Korrespondent Michael Schramm spricht für eine Täterschaft des "Islamischen Staats", dass sich der Anschlag gegen eine westlich orientierte Allgemeinheit gerichtet habe. Der Club sei eine "Ikone der westlichen Lebensart".

Nach Angaben der Zeitung "Hürriyet" waren am Samstag acht Kämpfer der Terrororganisation IS in Ankara festgenommen worden, weil sie einen Anschlag in der Nacht geplant haben sollen.

Michael Schramm, ARD Istanbul, zur Situation in Istanbul
tagesthemen 23:15 Uhr, 01.01.2017

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Entsetzte Reaktionen aus aller Welt

Die Bundesregierung äußerte sich entsetzt über den Anschlag. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer "menschenverachtenden und hinterhältigen" Tat. Das Auswärtige Amt twitterte: "Wir sind tief bestürzt und trauern mit den Menschen in Istanbul." Ähnlich äußerte sich NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Bundespräsident Joachim Gauck sprach in einem Kondolenzschreiben an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan den Angehörigen und Freunden der Opfer sein Beileid aus.

Auswärtiges Amt @AuswaertigesAmt
#Reina: Wir sind tief bestürzt und trauern mit den Menschen in #Istanbul. ��

Die US-Regierung sprach von einer Gräueltat ausgerechnet an Silvester, was die Brutalität der Angreifer nur noch unterstreiche. "Wir bekräftigen die Unterstützung der USA für die Türkei, unserem NATO-Verbündeten, in unserer gemeinsamen Entschlossenheit, alle Arten von Terrorismus zu bekämpfen und zu besiegen", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, Ned Price. Präsident Barack Obama habe den türkischen Behörden Hilfe angeboten, wie das Weiße Haus mitteilte.

Anschlag auf Nachtclub in Istanbul
tagesthemen 23:15 Uhr, 01.01.2017, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Der Papst gedachte der Toten. "Leider hat die Gewalt auch wieder in dieser Nacht der Wünsche und der Hoffnung zugeschlagen", sagte er beim Angelusgebet nach der Neujahrsmesse.

Anteilnahme und Unterstützung im Kampf gegen Terror kamen auch aus Moskau. "Es ist unsere Pflicht, entschlossen Widerstand gegen die terroristische Aggression zu leisten", schrieb Kremlchef Wladimir Putin in einem Telegramm an Erdogan.

Erdogan will Terror entschlossen bekämpfen

Erdogan kündigte an, weiter entschlossen gegen Terrorismus zu kämpfen. Ziel der Angreifer sei, Chaos zu stiften, doch die Türkei werde das nicht zulassen. Vielmehr werde man "bis zum Ende" gegen die Angriffe der "Terrororganisationen und der Kräfte dahinter" kämpfen. Damit seien nicht nur bewaffnete Angriffe gemeint, sondern auch solche gegen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu warf der Regierung unterdessen Versagen im Kampf gegen den Terror vor. Die Regierung der islamisch-konservativen AKP sei nicht in der Lage, Terroranschläge zu verhindern, erklärte Kilicdaroglu auf der Website der Mitte-Links-Partei CHP.

Anschlag auf Nachtclub in Istanbul
C. Buttkereit, ARD Istanbul
01.01.2017 08:30 Uhr

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Mit Informationen von Michael Schramm und Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Januar 2017 um 13:00 Uhr und 16:00 Uhr.

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