Konflikt in Ägypten: Israel bleibt gelassen

Konflikt in Ägypten

Israel bleibt gelassen

Kairos Generäle gelten Israels Politikern seit Langem als Garanten für Stabilität. Dass sich das Militär nun in den Konflikt in Ägypten einmischt, wird in Israel überwiegend positiv gesehen. Kaum jemand glaubt, dass Präsident Mursi sich halten kann.

Tim Aßmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Die Unruhen im Nachbarland Ägypten sind das Topthema in Israels Medien. Dabei ist die Hauptfrage immer die selbe: Was bedeutet das für uns? Welche Auswirkungen kann die Lage in Ägypten auf Israel haben?

Experten mahnen zu Gelassenheit, denn an der Grenze ist es ruhig. Außerdem seien Israels Streitkräfte auf alles vorbereitet, sagte der ehemalige Generalstabschef Gabi Ashkenazi in einem Fernsehinterview. "Ich denke, dass Israel klug handelt, indem es sich nicht einmischt." Er glaube nicht, dass im Moment eine Gefahr von Ägypten ausgeht.

Gelassenheit und vorsichtiger Optimismus - israelische Reaktionen auf Lage in Ägypten
T. Aßmann, BR
02.07.2013 11:38 Uhr

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Gute Erfahrungen mit dem Militär

Ägyptens Generalstabschef Abdel Fattah al Sisi (Bildquelle: dpa)
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Hat Israels Vertrauen: Ägyptens Generalstabschef Abdel Fattah al Sisi.

Die Tatsache, dass sich Ägyptens Armee in das politische Geschehen im Land einmischt und Partei gegen Präsident Mohammed Mursi ergreift, wird in Israel überwiegend positiv bewertet. Nach mehr als 30 Jahren Ruhe an der südwestlichen Landesgrenze gelten Kairos Generäle in Israels Politik als Garanten für Stabilität. Auch deshalb wird die aktuelle Entwicklung in Ägypten von der israelischen Politik öffentlich noch als rein inner-ägyptische Angelegenheit gesehen.

Ex-Verteidigungsminister Benjamin Ben Eliezer, der in Israel als Ägypten-Kenner gilt, stuft die Lage im Nachbarland aktuell zwar als ernst ein, aber nicht als bedrohlich für Israel. "Ich schätze, dass die Situation in Ägypten nicht mehr rückgängig zu machen ist und auf einen Bürgerkrieg zugeht", sagte er im israelischen Militärradio. Israel müsse das im Moment aber nicht interessieren.

Auch das israelische Massenblatt "Yediot Ahronot" schreibt, dass nur Ägyptens Armee die Ordnung wieder herstellen könne. Die Zeitung "Maariv" ergänzt dazu, dass Mursis Chancen, sich an der Macht zu halten, äußerst gering seien.

Muslimbrüder als Gefahr für den Frieden

Ein Machtverlust der Muslimbrüder sei langfristig auch gut für Israel, analysiert "Maariv". Der Grund für diese Einschätzung ist, dass Ägyptens Muslimbrüder in Israel als Gefahr für den Friedensvertrag zwischen beiden Ländern gesehen werden, auch wenn sich diese Sorge seit dem Amtsantritt Mursis nicht bestätigt hat. In Sicherheitsfragen gab es sogar eine Zusammenarbeit zwischen Jerusalem und Kairo.

Für Shimon Shamir, den ehemaligen israelischen Botschafter in Ägypten, ist Mursi daher aktuell eher das kleinere Übel: "Die fehlende Stabilität in Ägypten ist für Israel schlimmer", sagte er im israelischen Rundfunk. Das liege daran, dass Mursi etwas von Wirtschaft verstehe und um die Bedeutung der USA wisse. Das sei auch daran erkennbar, dass seine Einstellung gegenüber Israel neutral sei. Eine fehlende Stabilität in Ägypten würde aber "alle Kräfte aufwirbeln", sagte der Ex-Botschafter.

Die Zeitung "Maariv" schlussfolgert, die gegenwärtige Lage in Ägypten habe auch etwas Gutes: Je mehr die arabischen Staaten in innere Konflikte verwickelt seien, desto weniger Energie und Motivation bleibe für eine neue Konfrontation mit Israel.

Stefan Maier, ARD Kairo, zur aktuellen Lage in Ägypten
tagesschau 14:00 Uhr, 02.07.2013

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Stand: 02.07.2013 14:51 Uhr

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