Israel fördert erstmals Erdgas aus dem Mittelmeer

Gas-Plattform im Mittelmeer in Betrieb

Israel fördert erstmals Erdgas aus dem Mittelmeer

Israel besitzt bisher kaum eigene Energie-Ressourcen. Doch seit kurzem pumpt die erste israelische Bohrplattform Erdgas aus dem Mittelmeer aufs Festland. Israels Zeitungen erklärten das Land bereits zur Erdgas-Großmacht, auch die Regierung spricht von einem historischen Ereignis.

Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Es ist die Titelgeschichte der großen Zeitungen: "Maariv" schreibt, auf dem israelischen Energiemarkt werde gerade Geschichte geschrieben. "Yedioth Ahronoth" jubelt sogar, Israel werde zur "Erdgas-Großmacht". Seit dem Wochenende liefert die erste israelische Bohrplattform im Mittelmeer Erdgas. Für Israel, das bisher kaum eigene Energie-Ressourcen nutzen konnte, ist das ein Ereignis.

"Der israelische Markt ist wichtig, denn der Bedarf an Erdgas ist groß. Mit dem Tamar-Vorkommen können wir diesen Bedarf über mehrere Jahrzehnte decken. Und es ist doch symbolträchtig, dass wir nur wenige Wochen vor unserem Unabhängigkeitstag uns unabhängig von Erdgas-Importen gemacht haben", sagt Gideon Tadmor. Er steht an der Spitze der Fördergesellschaft Avner Oil Exploration, einer der vier beteiligten Firmen.

Israelische Bohrplattform fördert erstmals Erdgas
C. Wagner, ARD Tel Aviv
01.04.2013 19:40 Uhr

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Mehr Unabhängigkeit bei der Energieversorgung

Gerade ein Jahr ist es her, dass die israelischen Gasimporte über die Pipeline aus Ägypten vollständig zum Erliegen gekommen sind - durch Anschläge und das politische Vakuum in Ägypten. Damals wurde vor einer Energiekrise gewarnt. Die Befürchtung: Die Klimaanlagen könnten im heißen Sommer lahmgelegt sein.

Bohrinsel am "Tamar-Gasfeld" 90 Kilometer vor Haifa (Bildquelle: dpa)
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Eine Bohrinsel am "Tamar-Gasfeld" 90 Kilometer vor Haifa.

Und so ist der Start der eigenen Erdgasförderung jetzt auch dem Ministerpräsidenten eine Erklärung wert. Aus dem Pessach-Urlaub läßt sich Benjamin Netanjahu mit den Worten zitieren, das sei ein historischer Tag, von dem auch die Verbraucher profitieren könnten.

Diese Hoffnung nehmen die Zeitungen ihren Lesern allerdings auch gleich auf Seite eins wieder. Denn Israel Electric produziert zwar viel Strom in Gaskraftwerken. Der staatliche Monopolist ist allerdings hoch verschuldet, die Strompreise werden wohl erst einmal steigen.

Israel will Importe verringern

Entdeckt wurde das Tamar-Feld vor vier Jahren. Die Erschließung im Meer, 90 Kilometer vor der Küstenstadt Haifa, hat seitdem – nach Angaben der Unternehmen - umgerechnet mehr als 2,3 Milliarden Euro verschlungen. Die Investitionen aber sollten sich lohnen, denn erstens ist das Tamar-Vorkommen so groß, dass man damit ganz Deutschland zweieinhalb Jahre lang versorgen könnte. Und zweitens hofft Israel, mit dem teilweisen Verzicht auf Importe jedes Jahr umgerechnet 1,8 Milliarden Euro einzusparen.

Noch dazu existiert nur wenige Kilometer weiter westlich im Mittelmeer das Leviathan-Gasfeld. Diese Lagerstätte ist nach Meinung der Geologen fast doppelt so groß wie Tamar und soll in drei Jahren erschlossen sein. Dann will Israel auch zum Gas-Exporteur werden.

"Wir verfügen über mehr Erdgas, als wir verbrauchen können. Deswegen werden wir auch  Erdgas exportieren. Davon profitiert Israel nicht nur wirtschaftlich, sondern wir stärken als Gas-Exporteur auch unsere geopolitische Bedeutung", sagt Tadmor.

Schwierige Suche nach Partnern

Wobei politisch noch jede Menge Fragen offen sind. Für den Export müsste sich Israel Partner suchen. Zypern würde sich anbieten, was aber die Türkei verärgern könnte. Und die eingefrorenen Beziehungen zwischen Jerusalem und Ankara werden gerade wieder aufgetaut.

Aber erst einmal soll das Erdgas aus dem Mittelmeer ja vor allem Strom in die israelischen Haushalte bringen und das Gas liefern, mit dem in fast jeder israelischen Küche gekocht wird.

Richard C. Schneider (ARD Tel Aviv) zur Gasförderung Israels
tagesschau24, 11:30 Uhr , 02.04.2013

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Stand: 02.04.2013 00:58 Uhr

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