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Möglicher Justizskandal in Israel
Aufregung um den Tod von Agent X
Der Tod eines angeblichen Mossad-Agenten vor gut zwei Jahren bringt Israels Regierung in Bedrängnis: Der Australier, mutmaßliche Agent des Auslandsgeheimdienstes, soll 2010 in Isolationshaft Selbstmord begangen haben. Israels Führung versuchte offenbar, den Fall zu vertuschen.
Von Torsten Teichmann, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Der Name: Offenbar Ben Zygier. Geboren wohl in Melbourne, Australien. Alter bei Eintritt des Todes: Vermutlich 34 Jahre. Im Dezember 2010 soll sich der junge Mann in einem israelischen Gefängnis erhängt haben. Zu diesem Zeitpunkt kennt fast niemand seinen richtigen Namen. Die Rede ist nur von dem Gefangenen X.
Erst jetzt, gut zwei Jahre nach seinem Tod, berichtet das australische Fernsehen über Details in dem undurchsichtigen Fall. Es geht womöglich um den israelischen Geheimdienst Mossad, Verrat und Vertuschung. Die Fernseh-Reportage aus dem Ausland könnte in Israel einen Justizskandal auslösen.
"Heute wurde veröffentlicht, dass sich ein Häftling mit australischer Staatsbürgerschaft in einem israelischen Gefängnis das Leben nahm. Er wurde mit einer anderen Identität registriert, die nicht seiner wahren Identität entspricht. Herr Justizminister, ist Ihnen dieser Fall bekannt? Können Sie die Tatsache, dass sich ein australischer Staatsbürger mit falscher Identität in einem Gefängnis das Leben nahm, bestätigen?", fragte der Abgeordneten Ahmed Tibi in der Knesset.
Politiker fordern Aufklärung über Tod des Agenten X
T. Teichmann, ARD Tel Aviv
13.02.2013 11:49 Uhr
Er sei nicht zuständig, antwortet Justizminister Jaakov Neeman. Der Fall müsse aber untersucht werden. Da hatte er sich offenbar nicht mit Regierungschef Benjamin Netanjahu abgesprochen. Dessen Büro berief nach dem Bericht aus Australien das sogenannte Israelische Redakteurs-Komitee ein. Die Teilnehmer der Sitzung, Chefredakteure und Publizisten, sollten überzeugt werden, nicht über die Enthüllungen zu berichten.
Maulkorb für Journalisten
Die Affäre mit einem Maulkorb beenden? Die Chefin der linken Meretz-Partei, Zehava Galon, ist außer sich: "Halten Sie es für normal, dass das Büro des Premierministers den Redakteursausschuss einberuft, um eine Veröffentlichung eines Falls zu verhindern, der eventuell den Staat Israel blamieren könnte? Sind in Israel unter der Überschrift 'Sicherheitsbedürfnisse' oder 'Sicherheitsfälle' geheime Festnahmen erlaubt?"
Über die geheime Festnahme berichteten Zeitungen in Israel das erste Mal vor zweieinhalb Jahren. Ein Wärter des Gefängnisses Ayalon empfand es offenbar als unerträglich, dass nicht einmal das Personal die wahre Identität des Häftlings in der Sonderzelle kannte. Er wandte sich an einen Journalisten. Fortan war vom Gefangenen X die Rede. Die israelische Behörden verhängten eine Nachrichtensperre.
Diese Sperren stammen aus der Zeit der Geburt des israelischen Staates. Journalisten umgehen sie, indem sie ausländische Quellen zitieren. In diesem Fall stellt das australische Fernsehen jetzt stellvertretend die Fragen: Warum verhaftet der Staat Israel einen Ausländer und gibt ihm in der Haft eine falsche Identität? War Ben Zygier auch bekannt als Ben Alon, vor zehn Jahren nach Israel eingewandert, und arbeitete für den Geheimdienst Mossad? Was hatte ihm der Staat vorgeworfen?
Viele Fragen bleiben - auch, ob der Australier ein Doppelagent war? Aber vor allem: Wie konnte sich Zygier in dieser besonderen Zelle im Gefängnis Ayalon, die offenbar ständig überwacht wurde, erhängen, ohne daran gehindert zu werden? Die Regierung Netanjahu und der Geheimdienst werden versuchen, die Affäre auszusitzen. Ob es gelingt, hängt von den Journalisten und vom australischen Staat ab?
Stand: 13.02.2013 12:49 Uhr
