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Nach dem Luftangriff in Syrien
Sicherheit ist in Israel wieder ein großes Thema
Israels Außenminister Barak hat den Angriff in Syrien erstmals indirekt bestätigt. Die Spekulationen gehen aber weiter. In Israel haben die Koalitionsverhandlungen begonnen: Das Thema Sicherheit ist dabei wichtiger geworden - das nutzt dem geschwächten Netanjahu.
Von Christian Wagner, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Fünf Tage hat es gedauert, bis Israel den Luftangriff im Nachbarland Syrien zumindest indirekt bestätigt. Der scheidende Außenminister Barak nutzte seinen Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz, um festzustellen: Mit Israel sei eben nicht zu spaßen. Die Tage des syrischen Machthabers Assad seien gezählt. Mit Blick auf den Iran und die von ihm unterstützte Hisbollah-Miliz erklärte Barak: "Das wird für beide ein schwerer Schlag sein. Denn Syrien war der einzige Verbündete Irans in der arabischen Welt. Das wird den Iran sehr treffen."
Barak stellt Israel als Gewinner der Unruhen beim Nachbarn im Norden dar. Dabei hat Israel von Assad profitiert. Er konnte für ein verlässliches Machtgefüge sorgen. Jetzt ist die Lage sehr viel schlechter zu kalkulieren. In welche Hände fällt syrisches Kriegsgerät? Vor allem chemische Waffen? Wer verfügt in Zukunft über die Waffen, die der Iran seinem Stellvertreter, der Hisbollah geliefert hat? Angeblich ist die Hisbollah vom Libanon aus in Syrien aktiv, um Assad zu stützen.
Andeutungen und Interpretationen also von Barak in München. Aber eine Kernfrage beantwortete er nicht: Was war das Ziel des Luftangriffs? In israelischen Zeitungen wird inzwischen spekuliert, es könne ein Waffentransport gewesen sein, der sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Nähe eines militärischen Forschungszentrums befand. Das würde eine Erklärung für die bisher unterschiedlichen Darstellungen liefern, was denn nun getroffen wurde. Erste Bilder im syrischen Staatsfernsehen geben keine eindeutige Antwort.
Netanjahu geht mit Militär-Themen in die Koalitionsverhandlungen
C. Wagner, ARD Tel Aviv
03.02.2013 22:55 Uhr
In Israel geht es wieder mehr um Sicherheitsfragen
Während der israelische Barak in München auch über die mutmaßliche Bedrohung durch das iranische Atomprogramm referierte, schob auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu das Militärische auf der Kabinettssitzung in Jerusalem wieder ganz nach vorne. Er hatte nach den Parlamentswahlen vergangene Woche erst am Samstagabend den offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung entgegengenommen.
"Die alles entscheidende Aufgabe meiner künftigen Regierung der Nationalen Einheit wird es sein, den Iran vom Griff nach Atomwaffen abzuhalten", sagte er. "Diese Mission ist schwieriger geworden, weil der Iran jetzt über die besten Uran-Zentrifugen verfügt." Diese Beschleunigung des Atomprogramms dürfe Israel nicht hinnehmen. Außerdem habe es die künftige Regierung mit "einem Waffenarsenal" zu tun, das in Syrien und dem Libanon angelegt werde und "unsere Städte und Bürger bedroht".
Netanjahu profitiert von der Themenkonjunktur
Im Wahlkampf der vergangenen Monate hatte Netanjahu das Thema Iran nur gestreift, Syrien gar nicht erwähnt. Jetzt dient ihm die mutmaßliche militärische Bedrohung von zwei Seiten auch wieder dazu, unbequeme Themen seiner möglichen Koalitionspartner an den Rand zu drängen: Wehrgerechtigkeit, teure Wohnungen, teure Lebensmittel oder ein Dialog mit den Palästinensern.
In die Koalitionsverhandlungen geht Netanjahu sichtbar geschwächt. Iran und Syrien nutzt er, um sich als entschlossenen, nicht ganz so geschwächten Regierungschef zu präsentieren.
Stand: 03.02.2013 23:09 Uhr
