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Spuck-Attacken, Brandanschläge und beschmierte Fahrzeuge: Nationalreligiöse in Israel richten ihre Attacken zunehmend auf christliche Würdenträger und Einrichtungen. Einige Priester und Mönche meiden inzwischen die Altstadt von Jerusalem. Solidaritäts-Bekundungen halfen bislang wenig.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Lange richteten sich die Attacken von Nationalreligiösen in Israel auf Muslime und auf linke Aktivisten. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre wurden in Israel und im Westjordanland zehn Moscheen in Brand gesetzt. Vertreter der Friedensbewegung "Peace Now" wurden bedroht und mit Parolen auf Hauswänden eingeschüchtert.
[Bildunterschrift: Beschmiertes Fahrzeug vor einem griechisch-orthodoxen Kloster in Jerusalem. ]
Jetzt sind auch die Christen betroffen. Mitte Februar traf es die baptistische Kirche im mehrheitlich von Juden bewohnten Westen Jerusalems, kurz zuvor einen christlichen Friedhof auf dem Berg Zion direkt neben dem jüdischen Viertel der Altstadt. Anfang Februar war ein griechisch-orthodoxes Kloster das Ziel. Die Täter sprühten ihre Slogans von außen auf die Mauern: "Jesus ist tot" steht da auf Hebräisch, "Tod dem Christentum", "Wir werden euch kreuzigen" und "Maria war eine Hure". Auf die Motorhaube eines Autos, das zu einem griechisch-orthodoxen Kloster gehört, sprayten sie: "Preisschild".
Das weist auf Täter aus dem Siedler-Milieu hin. Radikale Siedler reagieren üblicherweise mit sogenannten Preisschild-Aktionen auf Eingriffe der israelischen Armee, etwa wenn ein Siedlungs-Außenposten von der Armee geräumt wurde. Die Rache richtet sich dann meistens nicht gegen das Militär selbst, sondern gegen Palästinenser und ihre Institutionen - eben Moscheen und mittlerweile auch Kirchen.
Ein Polizeisprecher sagte, es handele sich um "ordinären Hooliganismus", nicht um ideologisch begründete Taten. Nicht in jedem Fall seien die Angreifer wirklich nationalistisch motiviert. Trost spendet in solchen Fällen allenfalls Staatspräsident Schimon Peres: "Ich will allen drei monotheistischen Religionen sagen, den Muslimen, den Christen und den Juden, dass dieses Land jeden heiligen Ort respektieren wird, jedes Ritual. Der Tempelberg ist geschützt. Was den Muslimen heilig ist, ist auch uns heilig. Und was den Christen heilig ist, ist auch uns heilig. Und was uns heilig ist, ist sicher uns allen heilig."
[Bildunterschrift: Mönche in Jerusalems Altstadt: Viele Würdenträger meiden das Gebiet inzwischen. ]
Aber mit solchen Statements lassen sich die Christen in und um Jerusalem nicht mehr beruhigen. Gerade in der Hauptstadt Israels werden sie alltäglich diskriminiert. Nationalreligiöse oder ultraorthodoxe Juden haben sich angewöhnt, christliche Würdenträger in den Gassen der Altstadt anzuspucken. Häufig klagen armenische Priester und Mönche über solche Attacken. Das armenische Viertel in der Altstadt liegt direkt neben dem jüdischen. Nach Angaben der armenischen Kirchenvertreter kommt es hier fast täglich zu Spuck-Angriffen.
Mancher Pfarrer meidet mittlerweile bestimmte Viertel der Altstadt. Die "Anti Defamation League", eine US-Menschenrechtsorganisation, hat das Oberrabbinat in Jerusalem aufgefordert, entschiedener gegen die Spuck-Attacken vorzugehen - bislang ohne durchschlagenden Erfolg.
[Bildunterschrift: Oberrabiner Metzger appellierte bereits an die jüdischen Siedler - offenbar ohne Erfolg. ]
Die Oberrabbiner Schlomo Amar und Jona Metzger statteten den christlichen Patriarchen von Jerusalem schon Solidaritätsbesuche ab. Sie riefen die Talmudschulen und jüdischen Gemeinden in der Altstadt dazu auf, sicherzustellen, dass sich niemand an solchen Angriffen beteiligt. Metzger war nach einem Brandanschlag auf eine Moschee vor zwei Jahren sogar in das Dorf Yasuf im Westjordanland gereist. "Ich bin gekommen, um unseren Nachbarn, den Muslimen, zu sagen, dass wir gegen Brandanschläge auf jegliche heilige Stätten sind, in denen Menschen beten - ob es eine Moschee ist oder eine Kirche oder eine Synagoge. Es ist dasselbe. Für uns sind diese heiligen Stätten so etwas wie die diplomatischen Vertretungen Gottes."
Diese Botschaft des Oberrabiners ist bei den Rechtsradikalen aus der Siedler-Szene bis heute nicht angekommen.
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