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28.05.2012

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Ausland
Tausende Israelis protestieren gegen Ultra-Orthodoxe
Tausende demonstrieren für Grundrechte

Israelis protestieren gegen Ultra-Orthodoxe

In der Stadt Beit Schemesch wollen ultra-orthodoxe Juden den anderen Israelis ihren Lebensstil aufzwingen. Das zeigt sich vor allem in der Trennung von Männern und Frauen auf der Straße oder im Bus. Tausende protestierten nun dagegen und forderten den Erhalt von Grundrechten.

Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Israelis demonstrieren für Frauenrechte (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Tausende Israelis demonstrierten für Grundrechte und Freiheit. ]
"Lasst Israel nicht Iran werden" hieß es auf den Plakaten der Demonstranten - oder: "Befreit Israel von religiösem Zwang." Tausende versammelten sich in Beit Schemesch, einer Stadt mit 80.000 Einwohnern auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Die Demonstranten kamen mit Bussen aus dem ganzen Land, um für Grundrechte und Freiheit einzutreten.

Denn in Beit Schemesch sind ultra-orthodoxe Juden in der Mehrheit. Sie wollen jetzt allen, auch den nichtreligiösen Bewohnern, ihren Lebensstil vorschreiben: Frauen müssen im Bus hinten sitzen. Auch auf Bürgersteigen soll es Bereiche für Frauen und für Männer geben - und die Radikalen unter den Orthodoxen fordern die Geschlechtertrennung sogar in den Schlangen an der Supermarktkasse.

Audio: Bürgersteig nur für Männer - Demonstration gegen Ultra-Orthodoxe

AudioSebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv 28.12.2011 00:32 | 3'15
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Rückfall in vordemokratische Zeiten

Nicht nur die Demonstranten verurteilten diese Regeln der Ultra-Orthodoxen als Rückfall in vordemokratische Zeiten. Auch Staatspräsident Schimon Peres distanzierte sich. "Niemand hat das Recht, ein kleines Mädchen oder eine Frau auf irgendeine Art und Weise zu bedrohen", sagte er. Die Extremisten seien keine Gebieter, sondern Bürger Israels wie alle anderen.

"Es gibt keine Gruppe, die entscheiden kann, dass sie regiert - nirgendwo", betonte Peres. "Wir kämpfen um die Seele des Volkes, um die Essenz des Staates. Es darf nicht alles der Polizei überlassen werden. Das gesamte Volk muss eine Prüfung bestehen, um die Mehrheit vor den Klauen einer kleinen Minderheit zu retten, die an den Säulen der Demokratie nagt."

Siebenjähriges Mädchen bespuckt

Das bekannteste Opfer der Ultra-Orthodoxen in Beit Schemesch ist die siebenjährige Na'ama. Auf ihrem Weg zur Schule wird sie regelmäßig von den Männern im schwarzen Kaftan bespuckt und angepöbelt, weil sie nicht auf der richtigen Seite des Bürgersteigs läuft oder nach deren Ansicht nicht sittsam gekleidet ist. Ein Filmteam des zweiten israelischen Fernsehkanals hat das dokumentiert und damit unter säkularen Israelis Empörung hervorgerufen.

Ein streng religiöser Jude aus Beit Schemesch rechtfertigte das Verhalten der Ultra-Orthodoxen in einem Interview mit dem zweiten Fernsehkanal. "Es ist richtig, ein Mädchen anzuspucken, wenn es sich nicht dem jüdischen Gesetz angemessen verhält", sagte er. Das gelte natürlich auch für ein sieben Jahre altes Mädchen. "Wo ist das Problem? Es gibt Rabbiner, die uns die Befugnis geben und sagen, wie man auf der Straße laufen muss und wie sich eine Frau zu verhalten hat, wenn sie durch die Straße läuft."

Angriffe auf Kamerateams

Ultra-orthodoxer Jude schreit eine Reporterin an (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: In Beit Schemesch wollen ultra-orthodoxe Juden ihre Vorstellung einer Trennung von Männern und Frauen durchsetzen. ]
Den Ultra-Orthodoxen missfällt es, dass die weltlichen Medien Israels über die fundamentalistischen Tendenzen in Beit Schemesch berichten. Sie suchten im Fernsehen den Schuldigen und schlugen zurück. In großen Gruppen griffen Ultra-Orthodoxe in den vergangenen Tagen zwei  Kamerateams an, auch eines des zweiten Kanals. Zudem warfen Religiöse Steine auf Polizisten und setzten Mülltonnen in Brand. So protestieren sie gegen drei Versuche der Stadtverwaltung, ein Schild zu entfernen, das sie aufgestellt hatten. Das Schild weist Männern und Frauen getrennte Bürgersteige zu. Als die Polizei das Schild entfernte, tanzten Ultra-Orthodoxe im Kreis um die Polizisten und bezichtigten sie als "Nazis".

Stand: 28.12.2011 00:31 Uhr
 

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