Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu | Bildquelle: AFP

Israels Premier unter Druck Vetternwirtschaft beim Kauf von U-Booten?

Stand: 23.11.2016 20:40 Uhr

Hatte Israels Regierungschef Netanyahu noch anderes als Sicherheitsinteressen im Sinn, als er den Kauf deutscher U-Boote vorantrieb? Dieser Vorwurf wird nun untersucht. Laut Medien hat ein Vertrauter Netanyahus auch Verbindungen zu ThyssenKrupp, dem Hersteller der U-Boote.

Der israelische Generalstaatsanwalt hat eine polizeiliche Untersuchung zu einem möglichen Interessenkonflikt beim Kauf deutscher U-Boote durch Israel angeordnet. Wie das Justizministerium mitteilte, traf Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit die Entscheidung nach einer Besprechung mit Spitzenbeamten aus Staatsanwaltschaft und Justiz. Zuvor hatte die Polizei demnach neue Informationen zu der seit Tagen in den Medien ausgebreiteten Affäre erhalten.

Gegen ausdrücklichen Widerstand des Ministeriums

Israel hat bei drei hochmoderne, deutsche U-Boote bestellt - laut Medienberichten zufolge für rund 1,5 Milliarden Euro. Wegen dieses Geschäfts steht Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seit Tagen in der Kritik. Er soll das Geschäft gegen den ausdrücklichen Widerstand des Verteidigungsministeriums und an vielen Experten vorbei vorangetrieben haben.

Nach Informationen des Fernsehsenders Channel 10 ist dessen persönlicher Anwalt David Schimron auch Berater des israelischen Geschäftsmanns Miki Ganor. Dieser wiederum vertrete in Israel das deutsche Unternehmen ThyssenKrupp Marine Systems, das die U-Boote bauen soll, so der TV-Sender.

Netanyahu und Schimron wiesen jegliches Fehlverhalten zurück. Netanyahu betonte, er habe sich beim Abschluss des Geschäfts nur von Sicherheitserwägungen leiten lassen. ThyssenKrupp Marine Systems teilte mit, keine vertraglichen Verbindungen zu dem Anwalt zu haben. Der deutsche Konzern hatte zuvor eine eigene Untersuchung des umstrittenen U-Boot-Geschäfts mit Israel eingeleitet.

U-Boot-Affäre in Israel: Generalstaatsanwalt startet polizeiliche Untersuchung
P. Kapern, ARD Tel Aviv
23.11.2016 19:56 Uhr

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Mit Informationen von Peter Kapern, ARD-Studio Tel Aviv

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2016 um 05:21 Uhr

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