Muslime feiern den Abbau aller Sicherheitsvorrichtungen rund um den Tempelberg in Jerusalem | Bildquelle: REUTERS

Jerusalem Ende der Tempelberg-Krise?

Stand: 27.07.2017 14:00 Uhr

Israel hat alle Sicherheitsvorrichtungen vor den Zugängen zum Tempelberg entfernt - ist die Krise damit gelöst? Während Muslime die Entwicklung als großen Sieg feiern, stößt der Schritt bei vielen Israelis auf Unverständnis.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

"Gott ist groß", riefen Palästinenser in Ostjerusalem am Donnerstagmorgen. Sie feierten, dass Israel auch die letzten neuen Sicherhevorrichtungen vor den Zugängen für Muslime zum Tempelberg entfernt hat. In der Nacht hatten israelische Polizisten Absperrgitter und Gerüste für Überwachungskameras abgebaut. 

Die sogenannte Tempelberg-Krise könnte damit gelöst sein. Am Vormittag rief der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Hussein, die Muslime auf, den Tempelberg - auf arabisch Haram-al-Sharif - wieder zu betreten. Der oberste islamische Richter von Jerusalem, Wasef Bakri, verbucht die neuen Ereignisse als Sieg: "Das ist ein großer und wichtiger Erfolg. Alle israelischen Maßnahmen seit dem 14. Juli werden zurückgenommen. Die Metalldetektoren, die Kameras und auch die Absperrgitter. Das ist ein großer Sieg für das palästinensische Volk, der erreicht wurde, weil es durchgehalten hat."

Israel entfernt umstrittene Sicherheitsvorkehrungen auf dem Tempelberg
tagesschau 12:00 Uhr, 27.07.2017

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Israelische Kritik

Der Tempelberg ist sowohl Juden als auch Muslimen heilig. Die Verwaltung des Areals obliegt einer islamischen Stiftung aus Jordanien, die Sicherheit kontrolliert jedoch Israel. Mitte Juli hatten arabische Israelis zwei israelische Polizisten vor einem Zugang zum Tempelberg erschossen. Israel reagierte und verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen an den Zugängen für Muslime.

Dieser Schritt sorgte in Jerusalem für große Unruhen und Ausschreitungen. Die Muslime weigerten sich, den Tempelberg zu betreten. Sie befürchteten, Israel wolle seine Kontrolle auf dem Areal ausbauen. Israel hatte das immer wieder bestritten.

Palästinenser feiern am Löwentor, dem Haupteingang zur Al-Aksa-Moschee. | Bildquelle: AFP
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Palästinenser feiern den Abbau der Sicherheitsvorrichtungen am Löwentor, dem Haupteingang zur Al-Aksa-Moschee.

Innerhalb der israelischen Regierung stößt die Entscheidung, alle neuen Sicherheitsmaßnahmen zurückzunehmen, auf Kritik. "Israel geht geschwächt aus dieser Krise raus", sagte Bildungsminister Naftali Bennet im israelischen Armeeradio. "Anstatt unsere Souveränität in Jerusalem zu stärken, haben wir eine Botschaft vermittelt, die unsere Souveränität in Frage stellt. Immer, wenn Israel in der Vergangenheit nachgegeben hat, kam es zu einer neuen Intifada. Wir brauchen jetzt einen Plan. Denn ich erwarte in der nahen Zukunft einen Anstieg der Gewalt."

Mehrheit der Israelis für Metalldetektoren

Auch bei vielen Israelis stößt die Entscheidung auf Unverständnis. Sie verweisen darauf, dass der Krise am Tempelberg der tödliche Anschlag auf die israelischen Polizisten vorausgegangen war. In einer Umfrage des Fernsehsenders "Kanal 2" hatten sich fast 80 Prozent dafür ausgesprochen, die Metalldetektoren vor den Zugängen zu belassen.

Die israelische Oppositionspolitikerin Tsipi Livni begrüßte den Abbau der Sicherheitsmaßnahmen. Aber: "Natürlich wünsche ich mir als Israelin, dass die Regierung die Botschaft eines starken Staates aussendet, der hinter seinen Entscheidungen steht und für Sicherheit sorgt." Stattdessen wurde aus ihrer Sicht an jedem Tag ein neuer Fehler gemacht, der sich auf innenpolitische Überlegungen und Umfragen stützte. "Die Sicherheit wurde für die Innenpolitik aufgegeben."

Betende Muslime in Jerusalem | Bildquelle: AFP
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Muslime beten außerhalb des Tempelbergs

Im Verlauf des Tages wollen die Muslime den Tempelberg, auf dem die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom stehen, wieder betreten. Eine weitere Eskalation in der Region könnte nun ausbleiben. Für Freitag hatten die palästinensischen Organisationen Hamas und Fatah ursprünglich zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.

Tempelbergkrise gelöst? Muslime wollen heilige Stätten wieder betreten
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
27.07.2017 13:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2017 die tagesschau um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 12:36 Uhr.

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