Der israelische Ministerpräsident Netanyahu und zwei Minister seines Kabinetts | Bildquelle: GALI TIBBON/POOL/EPA-EFE/REX/Shu

Iran und Syrien Sicherheitspolitischer Albtraum für Israel

Stand: 16.04.2018 03:47 Uhr

Israels Regierungschef Netanyahu hat den Angriff der Westmächte auf Syrien begrüßt. Dabei will seine Regierung vor allem verhindern, dass sich der Iran militärisch in Syrien etabliert.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Die Bewohner der Grenzorte in Israels Norden sind angespannte Situationen gewohnt, doch die vergangenen Monate haben viele in Besorgnis versetzt. An der Grenze zu Syrien, auf den besetzten Golanhöhen, ist das israelische Militär in erhöhter Alarmbereitschaft, weil man einen Gegenschlag fürchtet - für Angriffe in Syrien die Israels Luftwaffe zugeschrieben, von der Armee offiziell aber nicht bestätigt werden. Unter anderem wurde ein Luftwaffenstützpunkt bombardiert, dabei starben auch iranische Soldaten.

Die israelische Regierung hat in der Vergangenheit keinen Zweifel daran gelassen, dass sie Teherans Einfluss in Syrien eindämmen will. Yuval Steinitz, Israels Minister für Infrastruktur, erklärte vor Kurzem: "Unser Problem ist, dass wir nicht zulassen können, wie Syrien in ein iranisches Armeelager an unserer Nordgrenze verwandelt wird. Das ist etwas anderes als das Problem mit den Chemiewaffen."

Israel hat andere Prioritäten

Dass die USA, Großbritannien und Frankreich als Reaktion auf den jüngsten mutmaßlichen C-Waffen Einsatz des Assad-Regimes Ziele in Syrien angegriffen haben, begrüßt die Regierung in Jerusalem, aber sie hat andere Prioritäten. Das machte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nach eigener Darstellung in einem Telefongespräch mit der britischen Premierministerin Theresa May deutlich:

 "Ich habe hinzugefügt, dass sich dieser Widerstand auch gegen die nuklearen Ambitionen terroristischer Staaten und Organisationen richten sollte. Was den Mittleren Osten destabilisiert, ist der Iran und Präsident Baschar al-Assad in Syrien muss verstehen, dass er sein Land in Gefahr bringt und die Stabilität in der Region riskiert, wenn er dem Iran erlaubt, sich in Syrien militärisch festzusetzen."

Israels Regierungschef Netanyahu | Bildquelle: AFP
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Israels Regierungschef Netanyahu begrüßte den Angriff in Syrien.

In großer Sorge

Israel sieht mit großer Sorge, wie Russland, der Iran und die Türkei Einflusszonen in Syrien abstecken. Iranische Marine- und Luftwaffenstützpunkte in Syrien sind für Israel ein sicherheitspolitischer Alptraum. Außerdem wolle man eine Aufrüstung der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon verhindern, erklärt der ehemalige israelische Generalmajor Yaakov Amidror: "Wir können weder zulassen, dass die Hisbollah präzisere Waffen bekommt, noch dass die Iraner in Syrien Stützpunkte  aufbauen, von denen aus Israel angegriffen wird."

Hisbollah-Arsenal von bis zu 130.000 Raketen?

Israels Armee und Geheimdienste schätzen, dass die Hisbollah über ein Arsenal von bis zu 130.000 Raketen verfügt. Andere Schätzungen liegen deutlich niedriger. Die Schiiten-Miliz und ihre Raketen sind nach Ansicht israelischer Militärs die größte Bedrohung für die Sicherheit des Landes. Ex-General Yaakov Amidror, der auch nationaler Sicherheitsberater der israelischen Regierung war, glaubt, dass ein Krieg gegen die Hisbollah im Libanon unvermeidlich ist: "Wir werden in den Libanon gehen müssen, um Hisbollahs Infrastruktur zu zerstören - im Süden mit Bodentruppen, im Norden mit der Luftwaffe. Dieser Krieg wird für uns einen Preis haben und für den Libanon verheerend sein, aber es gibt keine andere Option."

Sollte es zu einem solchen Krieg kommen, würden einige arabische Staaten das israelische Vorgehen insgeheim begrüßen, glaubt Amidror: "Aufgrund der Spannungen zwischen dem Iran und den sunnitischen Staaten wird niemand in der arabischen Welt weinen, wenn wir die Hisbollah bekämpfen. Im Gegenteil."

Die Absicht, den iranischen Einfluss in der Region einzudämmen, verbindet Israel vor allem mit Saudi-Arabien. Zwischen den Regierungen in Jerusalem und Riad ist schon seit einiger Zeit eine Annäherung zu beobachten.

Machtkampf in Nahost - Warten auf den nächsten Krieg
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
15.04.2018 23:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die ARD am 15. April 2018 um 19:20 Uhr im "Weltspiegel".

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